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Kim Woo-choong : Der Meisterpleitier

Nach jahrelanger Verfolgung landete der Gründer von Daewoo wieder in Südkorea. Er hat eine der größten Unternehmenspleiten der Welt hingelegt, brachte offenbar Milliarden von Euros zur Seite und war sechs Jahre lang auf der Flucht.

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          Nach jahrelanger Verfolgung landete der Gründer von Daewoo wieder in Südkorea. Er hat eine der größten Unternehmenspleiten der Welt hingelegt, brachte offenbar Milliarden von Euros zur Seite und war sechs Jahre lang auf der Flucht. Am Dienstag stellte sich Kim Woo-choong in Südkorea den Behörden. Als er mit einem Passagierflugzeug aus Vietnam in Seoul gelandet war, kündigte er noch auf dem Flughafen an: "Ich übernehme die gesamte Verantwortung für den Fall Daewoo." Der Gründer und letzte Chairman des einstmals zweitgrößten Mischkonzerns Koreas will seine letzten Lebensjahre in der Heimat verbringen. Ob in Freiheit oder hinter Gittern, ist noch nicht klar. Denn der 69 Jahre alte Manager sieht sich einigen schwergewichtigen Vorwürfen ausgesetzt. Sie reichen von milliardenhohen Bilanzmanipulationen bis zur Geldwäsche, vom Kreditschwindel, millionenteuren Bestechungsversuchen hochrangiger Politiker bis hin zum Devisenvergehen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn Kim nun vor den Gerichten des Landes auspackte, könnte das für große Teile der politischen Klasse Koreas ungemütlich werden. War er doch schon 1996 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, nachdem die Staatsanwaltschaft bewies, daß er den Wahlhelfern von zwei ehemaligen Präsidenten illegale Spenden hatte zukommen lassen. Nach der Verurteilung hat er seine Praxis, das politische Getriebe des Landes zu schmieren, kaum geändert. In Asiens schwerer Finanzkrise 1997 setzte Kim alles daran, die hochverschuldete Daewoo-Gruppe zu retten. Schließlich war der Konzern sein Lebenswerk. Aufgebaut in den sechziger Jahren aus einem kleinen Textilhandel, expandierte Daewoo während der achtziger Jahre überaus rasch, war Ende der neunziger Jahre in mehr als einhundert Ländern tätig und setzte 40 Milliarden Euro um. Kim galt als Meister seines Fachs. Er war der personifizierte Aufstieg Koreas zu einer führenden Industrienation.

          Dann kamen die Finanzkrise des Landes, später die Zahlungsengpässe von Daewoo und letztlich Kims Flucht. Nach der Eröffnung eines Autowerkes in China im Oktober 1999 hatte er sich aus dem Staub gemacht. Der mit einer Schuldenlast von 65 Milliarden Euro finanziell schwer angeschlagene Konzern taumelte führungslos in den Abgrund. Schon Monate zuvor wollten die Kreditgeber des Konglomerats, das Autos, Schiffe und Wolkenkratzer in aller Welt baute, Geld sehen. Alle auf einmal, ohne Abstriche. Daewoo war erledigt. Kim konnte nicht zahlen. Er suchte das Weite. Die Gesellschaft wurde zerlegt und Stück für Stück verkauft. General Motors erwarb 2002 die Autosparte, eine Investorengruppe die Schiffsbauwerften, die indische Tata Motors den Nutzfahrzeugbereich.

          In Kims Abwesenheit wurden mehr als zwanzig einstige Manager seiner Gruppe verhaftet, verurteilt und für Jahre ins Gefängnis gebracht. Ihnen war vorgeworfen worden, die Bilanzen von fünf Tochtergesellschaften um fast 35 Milliarden Euro aufgeblasen und damit neue Bankkredite in Höhe von 8 Milliarden Euro erschwindelt zu haben. Der Richter und die Staatsanwaltschaft machten allerdings auch klar, daß die Hauptschuld bei Kim liegt. Der war seit 2001 von Interpol gesucht, aber nie gefaßt worden. Er wurde in Frankreich beim Tennis, in Spanien in der Sonne und in Vietnam beim Golfen gesehen. In Deutschland unterzog er sich einer Herzoperation. Finanziert hat der Meisterpleitier sein Leben in den zurückliegenden Jahren offenbar über seine Finanzgesellschaft British Finance Center. Er wird verdächtigt, mehrere Milliarden Euro illegal ins Ausland gebracht zu haben.

          Nun stellt er sich seiner Verantwortung und Vergangenheit. Seinem Flug in die Heimat waren tagelange Telefonate mit seiner Frau, seinen Freunden und Anwälten vorausgegangen. Kim hat seine Entscheidung wohl erwogen. Sieht er sich mit seiner Rückkehr nach Seoul doch einer Reihe von Anklagen gegenüber. Er beteuerte bislang seine Unwissenheit und seine Unschuld. Nun könnte er beides beweisen. Denn in mehreren koreanischen Gerichten warten zwei Dutzend Zivilverfahren auf ihn.

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