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Kim Jong-il gestorben : „Unbeschreibliche Trauer“ in Pjöngjang

Kim Jong-il bei einem Besuch in Russland im vergangenen August Bild: dpa

Kim Jong-il ist tot. Nordkoreas Diktator erlag einem Herzinfarkt. Staatliche Medien berichteten von Szenen „unbeschreiblicher Trauer“ in Pjöngjang.

          3 Min.

          Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-il ist gestorben. Wie die Staatsmedien in der Hauptstadt Pjöngjang am Montag meldeten erlitt der 69 Jahre alte Kim bereits am Samstag während einer Zugfahrt einen Herzinfarkt. In der nordkoreanischen Propaganda waren gesundheitliche Probleme Kim Jong-ils stets geleugnet worden; vermutlich hatte er aber 2008 einen Schlaganfall, zudem soll er an Diabetes gelitten haben. Das staatliche Fernsehen zeigte Bilder schluchzender Mitglieder der Staatspartei, die amtliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete über Szenen „unbeschreiblicher Trauer“ auf den Straßen Pjöngjangs. Es wurde Staatstrauer bis zum 29. Dezember angeordnet.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zum Nachfolger wurde Kims jüngster Sohn Kim Jong-un ernannt. „Alle Parteimitglieder, Soldaten und die Öffentlichkeit sollten nun treu der Führerschaft von Genosse Kim Jong-un folgen“, verkündete eine schwarzgekleidete Sprecherin im nordkoreanischen Staatsfernsehen unter Tränen. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA bezeichnete Kim Jong-un „großen Erben“ und „herausragenden Führer von Partei, Armee und Volk“.

          Einwohner Pjöngjangs, augenscheinlich von Trauer überwältigt Bilderstrecke
          Nordkorea : Trauer in Pjöngjang

          Südkorea versetzte nach Bekanntwerden des Todes von Kim Jong-il seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft. Die Aktivitäten der nordkoreanischen Volksarmee entlang der innerkoreanischen Grenze seien verstärkt worden, teilte der Generalstab in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul zur Begründung. Die Spannungen zwischen dem Süden und dem totalitären Regime in Pjöngjang haben sich seit der Versenkung eines südkoreanischen Kriegsschiffs im März 2010 und seit dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel durch die nordkoreanischen Armee im November 2010 deutlich verschärft.

          Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, die nordkoreanischen Streitkräfte hätten am Montag an der Ostküste des Landes eine Kurzstreckenrakete getestet. Die südkoreanische Regierung vermute aber keinen Zusammenhang mit dem Tod Kim Jong-ils.

          Auch die japanische Regierung zeigte sich alarmiert. Ministerpräsident Yoshihiko Noda sagte eine Rede in Tokio ab und berief den nationalen Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung ein. Gleichzeitig wies er das Verteidigungsministerium an, sich auf alle Eventualitäten einzustellen. In Tokio hieß es, Japan wegen stehe der Entwicklung in Nordkorea in engem Kontakt mit den Vereinigten Staaten, mit China und mit Südkorea. Die Börse in Tokio gab wegen der Furcht einer vor Destabilisierung in Ostasien nach. 

          Im Westen Sorge um Stabilität

          Aus den meisten westlichen Stellungnahmen zum Tod Kim Jong-ils kommt neben der Sorge um die Stabilität in Ostasien zum Ausdruck. Daneben stand jedoch auch die Hoffnung, der Machtwechsel sei „eine Chance für Nordkorea“, wie Außenminister Westerwelle es formulierte. Die chinesische Führung äußerte dem „nordkoreanischen Volk“ ihr Beileid. Aus Russland bekundete Präsident Dmitrij Medwedjew dem Nachfolger Kim Jong-un „sein Beleid zum Tode des Vaters“.

          Außenminister Lawrow wurde mit der Aussage zitiert, Russland unterhalte freundschaftliche Beziehungen zu Nordkorea: „Wir hoffen, dass der Verlust, den das nordkoreanische Volk erlitten hat, keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung unserer Beziehungen hat.“ Das Außenministerium in Moskau forderte die neue nordkoreanische Führung allerdings auch auf, „ein Moratorium für alle nuklearen Aktivitäten, einschließlich der Uran-Anreicherung, zu erklären“ und „günstige Bedingungen“ für eine Wiederaufnahme der internationalen Gespräche zu seinem Atomprogramm zu schaffen.

          Kim Jong-un hat noch keine Machtbasis aufgebaut

          Kim Jong-il hat seinen Sohn in den vergangenen Jahren als Nachfolger aufgebaut. Er starb jetzt aber, bevor sein Sohn seine eigene Machtbasis in Nordkorea so aufbauen konnte, dass die Herrschaft der Familie Kim über das kommunistische Land als gesichert gelten kann. Wie es heißt, gibt es Kräfte in Pjönjang, die eine Erbdynastie der Familie Kim nicht akzeptieren. Der neue Diktator gilt vielen noch als zu schwach, dass Land mit der eisernen Faust zu führen, mit der Kim Jong-il das seit 1994 nach dem Tod seines Vaters getan hat. Es wird deswegen erwartet, dass ein Militärrat neben dem Sohn künftig eine starke Rolle spielen wird. Die Familie Kim stützt sich mit ihrer Herrschaft vor allem auf das Militär.

          Der neue Diktator Kim Jong-un, der noch keine 30 Jahre alt sein soll, gehört der erweiterten Führungsriege der Kommunistischen Partei seit September 2010 an. Damals machte ihn sein Vater auch zum Vier-Sterne-General. In den Medien des Landes ist Kim Jong-un seitdem systematisch zum Nachfolger aufgebaut worden. Sein Großvater Kim Il-sung der in den nordkoreanischen Medien als „ewiger Führer“ verehrt wird, wurde 1948 nach Ausrufung der kommunistischen Volksrepublik unter dem Schutz der Sowjetunion Regierungschef. Er schottete das Land ab und regierte es mit brutalen Methoden bis zu seinem Tod 1994.

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