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Kim Dotcom : Wieder ganz groß im Geschäft

Demnach sollte dem Deutschen zunächst bei seinem Ansinnen geholfen werden, sich in Neuseeland anzusiedeln, auch gegen den Widerstand der Behörden wegen Dotcoms krimineller Vergangenheit. Das Ziel war offenbar, ihn anschließend in die Vereinigten Staaten abschieben zu können. Die E-Mail sorgt sogleich für Wirbel. Das Hollywoodunternehmen bezeichnet sie noch am Veröffentlichungstag als „Fälschung“. John Key erklärt, ein solches Treffen habe es nie gegeben. Am Abend stehen dann Hunderte Bürger Schlange vor Aucklands Stadthalle, um Einlass zu Kim Dotcoms „Moment der Wahrheit“ zu bekommen. Als um 19 Uhr der Deutsche, die Spitzenkandidatin der „Internet Mana Partei“, Laila Harré, Greenwald und Amsterdam die Bühne betreten, erheben sich die Menschen. Es gibt Ovationen für die Protagonisten. Kim Dotcom reißt die Arme hoch. Es soll sein großer Abend werden: Ein Meilenstein in der Neuerfindung des großen Jungen aus Kiel-Mettenhof.

Live-Schaltung zu Snowden

Nach einer Begrüßung durch die Spitzenkandidatin beginnt der Journalist Glenn Greenwald mit einem Vortrag. Er kritisiert den Premierminister Neuseelands, der ihn in den Tagen zuvor mehrfach als „Handlanger Kim Dotcoms“ verunglimpft hatte. Die Behauptung, dass er von dem Deutschen für seinen Auftritt bezahlt worden sei, weist Greenwald von sich. Etwas später wird auf die Leinwände das Live-Bild Edward Snowdens projiziert. Das Publikum bricht in Begeisterungstürme aus, Snowden lächelt scheu.

Snowden berichtet aus seiner Zeit bei der NSA, wo er über das Programm „XKeyscore“ Zugang zu den Daten aus der Massenüberwachung in Neuseeland gehabt habe. „Wenn Sie in Neuseeland leben, werden Sie beobachtet“, hat er zuvor in einem Artikel geschrieben. Seinen Angaben zufolge ist das neuseeländische Spähprogramm „Speargun“ mit der Verabschiedung eines neuen Spionagegesetzes im vergangenen Jahr erst richtig in Gang gekommen. Das Gesetz galt auch als eine Reaktion der Key-Regierung auf die als illegal eingestufte Überwachung Kim Dotcoms.

Der Premierminister dementiert gleichzeitig die Vorwürfe gegen ihn und veröffentlicht Dokumente, die das untermauern sollen. Kim Dotcom sitzt während der ganzen Veranstaltung selbstzufrieden am Rand. Er enthält sich längerer Kommentare, bedankt sich nur bei „Julian“ und „Edward“, seinen „Helden“. Er wäre aber wohl nicht Kim Dotcom, wenn an diesem Abend nicht auch noch sein Geschäftssinn geweckt worden wäre. Geschickt verbindet er politisches Engagement mit Unternehmertum. „Es gibt zwei Wege, gegen Massenüberwachung zu kämpfen: erstens politisch und zweitens technologisch, durch Verschlüsselung“, sagt Dotcom. Die Live-Verbindung zu Assange und Snowden sei über einen neuen, verschlüsselten Kommunikationsdienst seines Unternehmens zustande gekommen.

Nach der Veranstaltung stellt sich der Deutsche dann noch für ein paar Minuten den Fragen der Presse. Dabei fühlt er sich offenkundig unwohl. Die neuseeländischen Journalisten wollen ihn zu der E-Mail befragen, in der es um seinen Fall geht. Kim Dotcom wird wütend, weil die Journalisten sich weniger für Neuseelands Spionagetätigkeiten interessieren. Und er weiß auch, dass er die kommende Wahl nicht mehr ganz zu seinen Gunsten umdrehen kann. Dotcom plant für die Zukunft. Er will auch in anderen Ländern Internetparteien aufmachen. Zunächst in Amerika – und später sei vielleicht auch Deutschland dran.

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