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Kim Dotcom : Wieder ganz groß im Geschäft

Kampf gegen die Auslieferung

Bei der Erstürmung des Hauses fanden sie einen verängstigten Kim Dotcom im „Panikraum“ der Villa hinter Sicherheitstüren. Die Sicherheitskräfte führten ihn ab und steckten ihn in eine Zelle. Noch heute beschreibt Kim Dotcom das traumatische Erlebnis. „Es waren 72 Leute, die mein Haus stürmten mit Sturmgewehren. Sie ängstigten meine Frau und trennten uns von den Kindern.“ Das Unternehmen „Megaupload“ wurde zerschlagen. Es hieß, die Firma, auf deren Website Nutzer auch MP3’s und Kinofilme tauschten, habe allein der Musikbranche 500 Millionen Dollar Schaden zugefügt.

Der Deutsche findet es unfair, dass er für die Vergehen seiner Nutzer verantwortlich gemacht werden soll. Er kämpft gegen seine Auslieferung. Nicht ohne Erfolg. Das Höchste Gericht in Neuseeland erklärte die Hausdurchsuchung im Nachhinein für unrechtmäßig. Doch sein Vermögen bleibt bis mindestens April kommenden Jahres eingefroren. Allerdings hat Kim Dotcom unter dem Namen „Mega“ längst schon die nächste Plattform zur Datenspeicherung gestartet. Diesmal werden die Daten so verschlüsselt, dass niemand sie identifizieren kann.

Dotcom bestreitet, dass er sich aus eigennützigen Motiven in die Politik seines Gastlandes eingemischt hat und nur Rache üben wolle. „Aber ich gebe schon zu, dass mein Fall mich radikalisiert hat.“ Am Tag nach dem Gespräch brummt es abermals in seinem Anwesen, an einem Tisch sitzen junge Leute vor Computerbildschirmen. In der Küche liegt ein Stapel mit roten Plakaten, auf denen für einen „Moment der Wahrheit“ geworben wird. Für den Montag hatte die „Internet Mana Party“ zum Enthüllungsabend mit Glenn Greenwald und weiteren geheimen Gästen geladen. Dahinter verbergen sich die beiden berühmtesten „Whistleblower“ der Welt, der Australier und Wikileaks-Gründer Julian Assange und der amerikanische frühere Geheimdienstler Edward Snowden. Der eine soll sich per Internetverbindung aus seinem Exil in Moskau melden, der andere aus der ecuadorianischen Botschaft in London. Der Deutsche sucht offenbar die Nähe dieser Figuren, die für Internetfreiheit, Privatsphäre und Datensicherheit stehen. Er will sich vom umstrittenen Unternehmer zum Aktivisten verwandeln.

Dotcom wurde illegal abgehört

Während er in Deutschland wohl auf ewig als vorbestrafter Exzentriker gelten wird, sind die Menschen in Neuseeland offenbar eher bereit, ihm seine Rolle auch abzunehmen. Kim Dotcoms Fall habe seinem Ruf in Neuseeland sogar geholfen, sagt sein Anwalt. So war Kim Dotcom selbst ein Ziel der Überwachung, die Snowden mit seinen NSA-Dokumenten enthüllt hatte. Neuseeland ist Teil des angloamerikanischen Überwachungsbündnisses „Five Eyes“, zu dem neben den führenden Amerikanern auch noch die Briten, Kanadier und Australier gehören.

Nach der Durchsuchung seines Anwesens kam heraus, dass Dotcom illegal abgehört worden war, und dies ohne Terrorverdacht. Zudem wisse er, dass der Geheimdienst Daten über ihn aus einer Spionage-Datenbank der Amerikaner geladen habe („XKeyscore“), sagt Dotcom. Der Deutsche wirft der Regierung von John Key vor, seinen Umzug nach Neuseeland überhaupt nur erlaubt zu haben, um ihn später an Amerika ausliefern zu können. Das Filmstudio Warner Brothers soll Druck ausgeübt haben. Als Gegenleistung sollten die Dreharbeiten der „Hobbit“-Filme in Neuseeland stattfinden, erzählt Dotcom. Als angeblichen Beweis dafür veröffentlichte die Zeitung „New Zealand Herald“ am Montag eine E-Mail. Sie stammte von einer Führungskraft des Unternehmens und war an einen Vertreter der „Motion Picture Association in America“ gerichtet, eine Lobbyvereinigung der Filmindustrie. In der E-Mail ist von einem Treffen mit John Key die Rede. Dabei soll dieser seine Unterstützung im „Fall Dotcom“ zugesagt haben.

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