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Kim Dotcom : Wieder ganz groß im Geschäft

Als Ausländer darf Kim Dotcom selbst nicht fürs Parlament antreten. „Meine Rolle ist die des Gründers und Financiers“, sagt der von der amerikanischen Justiz gesuchte deutsche Internetunternehmer. Sein massiger Leib sitzt mittlerweile allein auf einem Lederstuhl am Ende des Holztisches. Es ist aber weniger seine Körperfülle als vielmehr seine Größe, die auffällt. Ab und zu lässt Dotcom ein verschmitztes Lächeln aufblitzen. Er spricht mit norddeutschem Akzent. Zu seiner Heimat hat der 40 Jahre alte Deutsche ein schwieriges Verhältnis. Dort wurde er zweimal zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt, einmal wegen Computerbetrugs und einmal wegen Insiderhandels. Er soll sich bei einem Geschäft mit dem schwächelnden Internetunternehmen letsbuyit.com illegale Vorteile verschafft haben. Dabei liebte vor allem der deutsche Boulevard seine protzigen Auftritte mit dicken Autos, teuren Jachten und schönen Frauen. Von Flensburg bis Passau wurde seine Karriere vom Hacker zum Unternehmer, Partylöwen und Multimillionär mit Unglauben und Belustigung verfolgt. Einige seiner früheren Eskapaden sieht Dotcom mittlerweile selbst kritisch. „Als ich in Deutschland war und viel mit den Medien zu tun hatte, da war ich Anfang bis Mitte zwanzig. Wenn man in dem Alter so viel Geld hat wie ich, kann man schon mal ein bisschen vom Boden abheben“, sagt er.

Was vom Reichtum übrig blieb: Das Anwesen des Internetmillionärs in Coatesville
Was vom Reichtum übrig blieb: Das Anwesen des Internetmillionärs in Coatesville : Bild: dapd

Seine Vergangenheit begründet Kim Dotcom mit einer schwierigen Kindheit. Der Vater war Alkoholiker und früh gestorben, die Mutter arbeitete in drei Jobs gleichzeitig. „Mittlerweile bin ich selbst Familienvater mit fünf Kindern“, sagt Dotcom. Die Kinder nennt er auch als Grund für seinen Umzug nach Neuseeland. In seinen Garten hat er für sie eine Giraffenstatue in Lebensgröße gestellt. Kim Dotcom hatte einige Zeit in Thailand sowie in Hongkong gelebt. Als er auf die abgelegene Insel im Südpazifik kam, war er längst Multimillionär. Als junger Unternehmer hatte er seine Firma an den TÜV Rheinland verkauft, später hatte er als Mitgründer des Datenspeicherdiensts „Megaupload“ im Jahr 2010 allein 42 Millionen Dollar verdient. Von seinem Reichtum zeugt das Anwesen Coatesville in einem exklusiven Vorort der Finanzmetropole Auckland. Am Eingangstor steht die Aufschrift „Dotcom Mansion“. Das von ihm nur gemietete Anwesen soll 35 Millionen Dollar wert sein, das Grundstück 24 Hektar groß. Es ist angeblich das größte und teuerste Privathaus des Landes. Vor dem Haupthaus steht ein großer Mercedes-Geländewagen mit dem Kennzeichen „Kim.com“. Drinnen hängen an den Wänden überall große Fernsehbildschirme, daneben Fotos des exzentrischen Millionärs. Es gibt einen Billardtisch, einen langen Spieltisch und ein Tischfußballgerät. An die Terrasse schließt ein Tennisplatz an. Kim Dotcoms Vermögen ist noch mehr als das, was hier zu sehen ist. Das meiste wird von der neuseeländischen Polizei unter Verschluss gehalten, darunter angeblich 18 Autos und Konten mit Millionen von Dollar.

In Amerika wird gegen Dotcom wegen massiver Urheberrechtsverletzungen, Piraterie und Geldwäsche auf „Megaupload“ ermittelt. Das FBI, das ihm eine „Mega-Verschwörung“ nachsagt, versucht seine Auslieferung zu erwirken. Im Januar 2012 wurden die grünen Hügel von Coatesville deshalb Schauplatz eines „völlig abnormen“ Einsatzes, wie Dotcoms Anwalt Robert Amsterdam sich ausdrückt. Mit Hubschraubern verschaffte sich die Polizei im Morgengrauen Zugang zu dem Grundstück. „Es hätte nicht gereicht, mal eben an die Tür zu klopfen“, soll einer der beteiligten Polizisten gesagt haben.

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