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Kenji Goto : IS ermordet japanische Geisel

  • Aktualisiert am

Die zweite japanische Geisel (hier auf einer früheren Aufnahme vom 24. Januar) soll mutmaßlich von der IS-Miliz hingerichtet worden sein. Bild: AFP

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat ein Video veröffentlicht, das die Ermordung der zweiten japanischen Geisel zeigen soll. Japans Ministerpräsident sagt, er werde den Terroristen „niemals nachgeben“.

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          Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) hat offenbar eine weitere japanische Geisel getötet. In einem am Samstagabend im Internet veröffentlichten Video ist der Journalist Kenji Goto neben einem IS-Kämpfer zu sehen. Anschließend wird ein Standbild präsentiert, das den abgetrennten Kopf des 47-Jährigen zeigen soll. Japans Regierungssprecher Yoshihide Suga sagte, es bestehe eine „hohe Wahrscheinlichkeit“, dass es sich bei dem Mann in dem Video um Goto handele. Erst vergangenes Wochenende hatte die Terrormiliz die Tötung einer Geisel aus Japan verkündet.

          Gotos Mutter Junko Ishido sagte vor Reportern: „Ich bin so bestürzt, dass ich nicht die richtigen Worte finde.“ Unerwähnt blieb in dem Video das Schicksal einer weiteren Geisel, einem Piloten aus Jordanien. IS-Extremisten haben bislang mehrere westliche Geiseln bestialisch getötet.

          Video von Enthauptung : Japan geschockt von Mord an IS-Geisel

          Miliz droht Japan mit einem „Massaker“

          In dem nun veröffentlichten Material droht ein in Schwarz gekleideter IS-Kämpfer dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe an, „ein Massaker zu veranstalten, wo auch immer deine Leute zu finden sind“. Wie in früheren IS-Enthauptungsvideos kniet die Geisel in einem orangen Overall. „Eine ganze Armee dürstet nach eurem Blut“, sagte der Kämpfer auf Englisch mit britischem Akzent. Der Internetdienst Site, der die Aktivitäten von Terrorgruppen beobachtet, bestätigte die Echtheit des Videos.

          Japans Ministerpräsident Abe sprach nach der Veröffentlichung des Videos von einer „verabscheuungswürdigen terroristischen Tat“. „Wir werden mit der internationalen Gemeinschaft kooperieren und die Terroristen den Preis zahlen lassen“, sagte Abe zu Reportern. „Ich werde Terroristen niemals nachgeben.“ Zugleich kündigte er an, Japan werde seine humanitäre Hilfe für den Nahen Osten ausweiten. Regierungssprecher Suga sagte, Botschaften in aller Welt würden angewiesen, Maßnahmen zum Schutz japanischer Staatsbürger zu verstärken.

          Obama: „Feiger Mord“

          Auch in anderen Ländern löste das Video Entsetzen aus. Der amerikanische Präsident Barack Obama sprach nach dessen Veröffentlichung von einer „feigen Ermordung“. Er kündigte an: „Zusammen mit einer breitgefächerten Koalition von Verbündeten und Partnern werden die Vereinigten Staaten weiterhin entschlossen handeln, um den IS zu schwächen und am Ende zu zerstören.“ Der britische Premierminister David Cameron schrieb bei Twitter, die Ermordung Gotos sei „eine Erinnerung daran, dass der IS die Verkörperung des Bösen ist“. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon nannte das Handeln des IS „barbarisch“.

          Goto hatte als freier Journalist über viele Kriegsgebiete in aller Welt berichtet und sich vor allem dem Schicksal von Kindern gewidmet. Der IS hatte ihn im Oktober verschleppt und vor knapp zwei Wochen erstmals in einem Video gemeinsam mit seinem vor ihm getöteten Landsmann Haruna Yukawa gezeigt.

          Tokio bemühte sich in der vergangenen Woche gemeinsam mit Jordanien um  die Freilassung Gotos und eines jordanischen Piloten. Der IS wollte Goto nur im Austausch gegen eine in Jordanien inhaftierte Islamistin freigeben. Amman forderte jedoch zunächst ein Lebenszeichen von dem seit Mitte Dezember festgehaltenen Piloten.

          Die jordanische Regierung sei aber „entschlossen, alles zu tun“, um das Leben des von Maas al-Kassasbeh zu retten, sagte Regierungssprecher Mohammed al-Momeni laut einem Bericht der jordanischen Nachrichtenagentur Petra. Der IS hatte das Schicksal des Japaners Goto mit dem des jordanischen Piloten verknüpft. Sie hatten gefordert, bis zum vergangenen Donnerstagabend die inhaftierte irakische Dschihadistin Sadschida al Ridschawi freizulassen. Der Pilot wurde in dem am Samstagabend verbreiteten Video allerdings nicht erwähnt. Amman hatte als Bedingung für die Freilassung der Irakerin ein Lebenszeichen al Kassasbehs verlangt. Den jordanischen Piloten hatte der IS nach dem Absturz seines F-16-Kampfflugzeugs über Syrien gefangen genommen. Er war dort als Teil der multinationalen Anti-IS-Koalition an Angriffen auf mutmaßliche Stellungen der Islamisten beteiligt.

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