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Keine Täuschungsabsicht : Von der Leyen behält Doktortitel

  • Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, aufgenommen im Januar 2016 in Berlin Bild: AFP

Der Verteidigungsministerin wird ihr Doktortitel nicht aberkannt. Das teilte der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover mit. Frei von Plagiaten ist die Dissertation aber nicht. Von der Leyen zeigt sich erleichtert.

          Glimpfliches Ende für die Verteidigungsministerin: In der Plagiatsaffäre um die Doktorarbeit von Ursula von der Leyen ist die Entscheidung zugunsten der CDU-Politikerin gefallen. Sie kann ihren Doktortitel behalten. Das entschied der Senat der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) am Mittwoch nach Prüfung der Plagiatsvorwürfe mit klarer Mehrheit. Es seien aber einige Plagiate festgestellt worden, sagte MHH-Präsident Christopher Baum. „Es geht um Fehler, nicht um Fehlverhalten.“ Dies sei ein entscheidender Unterschied. Es habe keine Anhaltspunkte für eine bewusste Täuschungsabsicht gegeben.

          Die MHH hatte die Doktorarbeit von der Leyens, die nur 62 Seiten umfasst, ein halbes Jahr lang geprüft. Plagiatsjäger hatten von der Leyen im September schwere Regelverstöße in der 1990 erschienenen Arbeit vorgeworfen. Die CDU-Politikerin streitet die Vorwürfe ab. Sie selbst bat ihre frühere Hochschule um eine Überprüfung der Arbeit.

          „Ich bin froh“

          Die Prüfung erfolgte „sorgfältig, objektiv, ergebnisoffen und ohne Ansehen der Person“, sagte Baum. Die Entscheidung im Senat sei 7:1 zugunsten von der Leyens ausgefallen – bei einer Enthaltung. Es habe „kein durch eine Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten gegeben“, erklärte der MHH-Präsident. Dennoch hätten die Kommission und der Senat der MHH übereinstimmen „klare Mängel“ gefunden – im Wesentlichen in der Einleitung der Arbeit. „Wir sprechen von Fehlern, für die Frau Dr. von der Leyen als Autorin der Dissertation verantwortlich ist“, fügte der Hochschulpräsident hinzu. „Konkret geht es um Fehler in der Form von Plagiaten, also Übernahme fremder Textpassagen, ohne die Originalautoren korrekt zu kennzeichnen.“

          In einer ersten Stellungnahme äußerte sich von der Leyen glücklich über die Entscheidung der Hochschule: „Ich bin froh, dass die Universität nach eingehender Prüfung zum Schluss gekommen ist, dass meine Experimente für die medizinische Forschung relevant waren und die Arbeit insgesamt die wissenschaftlichen Anforderungen erfüllt“, erklärte sie in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums. Trotzdem wisse sie, dass Teile ihrer damaligen Arbeit nicht den Maßstäben entsprächen, die sie selber an sich stelle.

          Unmittelbar vor der Entscheidung hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hinter ihre Verteidigungsministerin gestellt. Auf die Frage, ob von der Leyen auch ohne den akademischen Grad noch das Vertrauen der Kanzlerin habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert: „Selbstverständlich. Die Ministerin ist eine hervorragende Verteidigungsministerin, was man gerade in diesen Tagen wieder beim Zustandekommen der Nato-Aktivitäten in der Ägäis gesehen hat.“

          MHH-Präsident Baum (l.) und Ombudsmann Werfel präsentieren die Ergebnisse der Untersuchung der Doktorarbeit von Ursula von der Leyen.

          Auf der Internetseite „Vroniplag Wiki“ war von Plagiatsfundstellen auf 27 von 62 Seiten der Dissertation die Rede. Von der Leyen streitet die Vorwürfe ab. Sie hält sich zurzeit in den Vereinigten Staaten auf. Von der Leyen hat ihre Doktorarbeit vor 26 Jahren geschrieben. Der wichtigste Experte für saubere wissenschaftliche Arbeit in Deutschland, Wolfgang Löwer (Bonn), sagte, er sei dafür, nach so langer Zeit keine Sanktionen mehr gegen die Autoren zu erheben. Es gehe ihm nicht darum, verdächtige Doktorarbeiten etwa nach 15 Jahren nicht mehr zu prüfen, sondern um den gesellschaftlichen Schutz der Verfasser, sagte er der dpa. „Man müsste dann nicht seinem gesamten wirtschaftlichen und privaten Umfeld mitteilen: Übrigens, ich bin kein Doktor mehr. Man müsste dann auch nicht mehr Kündigungen durch den Arbeitgeber fürchten.“

          Von den 47 von Plagiatsjägern aufgeführten Textpassagen hielt der Senat 15 für nicht zu beanstanden. In 8 Fällen ging es demnach um geringfügige Plagiate, 21 wurden als mittelschwer und 3 als schwer eingestuft. Den ebenfalls erhobenen Vorwurf, die Ministerin habe mit der Studie zu ihrer Doktorarbeit gegen ethische Normen verstoßen, wies die MHH zurück. „Im Ergebnis wurde kein Verstoß gegen Ethikrichtlinien festgestellt, sagte der MHH-Ombudsmann Prof. Thomas Werfel. „Eine Gesundheitsgefährdung der Personen durch das angewandte Bäderverfahren konnte ausgeschlossen werden.“

          In der Vergangenheit sahen sich mehrere Politiker mit Plagiatsaffären konfrontiert. So trat beispielsweise der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2011 kurz nach Entzug seines Doktortitels zurück.

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