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„Keine Privilegien für Amtsträger“ : Papst vergleicht Missbrauch mit „satanischer Messe“

  • -Aktualisiert am

Franziskus mit Vatikansprecher Federico Lombardi (rechts) an Bord der Sondermaschine Bild: AP

Papst Franziskus kämpft gegen Kindesmissbrauch in der Kirche: Pädophilie sei ein schweres Problem, gestand er auf der Rückreise von Israel nach Rom ein. Gegen drei Bischöfe werde derzeit ermittelt - dabei gelte: „null Toleranz".

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          Papst Franziskus hat auch nach drei anstrengenden Tagen im Nahen Osten noch die Kraft gefunden, über Pädophilie in der Kirche, seine Reise durchs Heilige Land und seinen Vorgänger Benedikt XVI. zu sprechen. Auf dem Rückflug von Tel Aviv nach Rom wandte sich der Papst kurz nach dem Start der Sondermaschine an die Reporter, die ihn auf seiner dreitägigen Reise begleitet hatten, und stellte sich einem knappen Dutzend Fragen.

          Pädophilie sei ein schweres Problem, sagte Franziskus. Derzeit liefen Untersuchungen gegen drei Bischöfe; dabei sei schon ein Urteil gefallen. „Es gibt keine Privilegien für Amtsträger“, so der Papst. Das sei im Interesse der Kirche. Er wolle die „Null-Toleranz-Politik“ seines Vorgängers Benedikt fortsetzen. Die Missbrauchsfälle nannte der Papst „ein Sakrileg“ und vergleichbar mit einer „schwarzen Messe“. Kinder und Jugendliche suchten in der Kirche die „Heiligkeit“ Gottes, aber die Täter „verrieten“ mit ihrem Vergehen Gott.

          „Die Geste kommt spontan“

          In der ersten Juniwoche will Papst Franziskus mit acht Missbrauchsopfern eine Messe feiern. Er habe die Gruppe, in der auch zwei Deutsche sind, zu einem Gottesdienst ins Gästehaus der Heiligen Martha eingeladen, sagte er. Danach wolle er sich mit ihnen zu einem Gespräch treffen. Der Chef der vatikanischen Kinderschutz-Kommission, Kardinal Sean Patrick O’Malley werde an der Begegnung teilnehmen.

          Über seine Reise durchs Heilige Land sagte der Papst, die wenigsten seiner Gesten seien geplant gewesen - weder das kurze Verharren an der Trennmauer zwischen Jerusalem und Bethlehem, noch die tiefe Verbeugung und der Kuss auf die Hand für die Überlebenden der Shoah. „Man spürt da einfach, dass man etwas tun muss“, sagte Franziskus, „dann kommt die Geste spontan.“ Überlegt aber seien stets die Gebete gewesen, am Jordanufer oder vor der Klagemauer, der westlichen Stützmauer des alten Tempels. 

          Das gemeinsame Gebet mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres und dem Palästinenserführer Mahmud Abbas sei ursprünglich schon für die soeben zu Ende gegangene Reise geplant gewesen, sagte Franziskus. Doch so eine Initiative sei mit vielen logistischen Problemen verbunden, die viel Zeit verlangten, auch wenn es nicht um Verhandlungen gehe, sondern um ein Gebet für den Frieden, das bald im Vatikan stattfinden werde. Der Termin stehe noch nicht fest. Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ nannte in ihrer Dienstagausgabe indes als Datum den 6. Juni und berief sich dabei auf einen Sprecher der palästinensischen Regierung.

          „Benedikt hat die Tür geöffnet“

          Franziskus hatte die überraschende Initiative am Sonntag am Ende einer Messe in Jesu Geburtsstadt Bethlehem angekündigt. Er lobte Abbas und Peres für ihren „Mut, einen Schritt nach vorn zu gehen“.

          Über seinen emeritierten Vorgänger Benedikt XVI. sagte Franziskus, er habe mit seinem Rücktritt ein Zeichen für kommende Päpste gesetzt und „die Tür geöffnet“. Wenn ein Papst fühle, dass seine Kräfte schwinden, müsse er sich dieselben Fragen stellen wie Benedikt, und er, Franziskus, würde das tun. Von nun an sei es grundsätzlich möglich, dass der Bischof von Rom bei besonderen Gründen sein Amt niederlege, wenn er sich nicht mehr in der Lage sehe, es auszuüben.

          Papst Franziskus hatte erstmals im vergangenen Jahr eine Art fliegende Pressekonferenz gegeben, und zwar auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom. Sie dauerte damals Stunden. Dieses Mal redete er etwa vierzig Minuten lang mit den Journalisten.

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