https://www.faz.net/-gpf-7nbvu

Wirtschaftsrat im Vatikan : Ab jetzt lieber transparent

  • -Aktualisiert am

Reinhard Kardinal Marx Bild: dpa

Der neu eingerichtete „Wirtschaftsrat“ im Vatikan soll dabei helfen, die Finanzen zu ordnen. Papst Franziskus hat dabei Kardinal Marx eine wichtige Rolle zugedacht. Schwarze Kassen soll es nicht mehr geben.

          2 Min.

          Auf Reinhard Kardinal Marx, den Erzbischof von München und Freising, kommt viel Arbeit zu. In Deutschland wird er der Bischofskonferenz vorstehen, in Rom hat ihn Papst Franziskus auf einen Schlüsselposten berufen: Er wird den neu eingerichteten „Wirtschaftsrat“ leiten. Der Rat untersteht dem neuen „Finanzminister“ am Heiligen Stuhl, dem australischen Kardinal George Pell.

          Papst Franziskus legte die Aufgabe des Wirtschaftsrats so fest: Er werde alle „wirtschaftlichen Angelegenheiten aufmerksam verfolgen sowie über die Strukturen und administrativen wie finanziellen Aktivitäten der Dikasterien der Römischen Kurie, der mit dem Heiligen Stuhl verbundenen Einrichtungen und des Staates der Vatikanstadt“ wachen.

          Die Kirche müsse „endlich das Thema Geld abräumen“, um sich wieder ganz dem Hirtenamt zu widmen, sagt Marx. Dabei müssen in der Kurie Widerstände überwunden werden. Vor allem Italiener sind nicht davon angetan, wenn ihnen dieser Papst „vom anderen Ende der Welt“ ihre jahrhundertelang gehütete Kurie entreißt, die bisweilen eine exterritoriale Außenstelle italienischer Geldwäscher war.

          „Acht große“ Kardinäle als Berater

          International und transparent solle die Kurie werden, erwartet der Papst. Dazu hatte er „acht große“ Kardinäle aus allen Erdteilen als Berater (G 8) geholt – unter ihnen aus Europa eben Marx und aus Australien Pell. Ihnen stellte er eine „Kommission für die Organisation der ökonomisch-administrativen Struktur des Heiligen Stuhls“ (Cosea) zur Seite, die aus sieben Laien und einem geistlichen Sekretär besteht. Zu ihnen gehört der 47 Jahre alte Düsseldorfer Jochen Messemer, Mitglied im Vorstand der Ergo-Versicherungsgruppe und seit 2009 Rechnungsprüfer der bisherigen Präfektur für ökonomische Angelegenheiten unter Giuseppe Kardinal Versaldi, der nun wohl Generalrevisor werden soll.

          Die Cosea schlug die Schaffung eines neuen Finanzressorts und eines Aufsichtsrats vor. Der Papst nahm den Vorschlag an. Er berief Pell zum Chef des Schatzamts, der nun für alle Vatikan-Kassen auf der Welt zuständig ist, und vergangenen Samstag Marx zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates. Neben ihm und sieben weiteren Kardinälen sitzen im Rat sieben Laien; die meisten stammen wie Messemer aus der Cosea-Kommission. „Sie spiegeln die Weltkirche wider“, sagt Vatikansprecher Federico Lombardi. Der Rat sei ein eigenständiges Organ direkt unter dem Papst.

          „Checks and balances“ im Vatikan

          Die bisherige Güterverwaltung, Apsa, soll weiter als Zentralbank des Vatikanstaats arbeiten; ihr wird die Verwaltung der Immobilien abgenommen, um die es immer wieder Skandale gegeben hat. Das kleine „Institut für religiöse Werke“ (IOR), die Vatikanbank, wurde bisher beim großen Umbau der Vatikaninstitutionen ausgespart; es hat eigene Kontrollgremien. Pell sagte jüngst, der Papst schätze die Arbeit des deutschen IOR-Präsidenten Ernst von Freyberg und die Finanzaufsicht des Schweizers René Brülhart sehr.

          Aus dem neuen Aufsichtsrat meldete sich als erster Joseph Zahra zu Wort, der frühere Zentralbankchef Maltas. Noch nie sei im Vatikan auf so hoher Ebene ein Aufsichtsgremium eingesetzt worden, in dem Kardinäle und Laien dieselben Stimmrechte haben, sagte Zahra. Der Rat werde weltweit für „Transparenz in den Kassen der Kirchen“ sorgen, mit „checks and balances“. Alle jährlichen Budgets müssten vom Rat genehmigt werden. Für die Kirche beginne eine neue Zeit.

          „Millionen Dollar“ einsparen mit „vernünftige Buchhaltung“

          Skandale und schwarze Kassen wie in der Vergangenheit werde es nicht mehr geben können, sagte „Schatzminister“ Pell. Er will jedes Jahr „viele zehn Millionen Dollar“ dadurch sparen, dass eine „vernünftige Buchhaltung“ eingeführt wird, die den Vatikan von einer „ärgerlichen Institution“ in ein „gutes Modell verwandeln“ soll. Man werde Kurienmitarbeiter auf Kurse schicken müssen, „um zu erklären, was nun nötig ist“, so Pell.

          Im vergangenen Jahr hatte der Papst das Staatssekretariat, in dem alle Fäden in der Kurie zusammenliefen, entmachtet. Der neue Staatssekretär, Pietro Kardinal Parolin, soll Franziskus nur noch politisch zuarbeiten. Die wirtschaftlichen Aufgaben muss er an Pell abgeben. Möglicherweise schafft der Papst neben Staatssekretariat und Finanzressort ein drittes Amt: einen „Moderator Curiae“, der die Arbeit aller Kurienbehörden koordinieren soll. Dann gäbe es ein Machtgefüge von Politik, Finanzen und Verwaltung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kanzlerkandidat der Union : Schluss mit Zaudern

          Nun ist es amtlich: Markus Söder will Kanzlerkandidat der Union werden. Doch das Rennen mit Armin Laschet ist noch nicht vorbei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.