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Katholische Kirche : Leben und Freiheit

Der Vatikan lehnt Abtreibung weiter ab. Von Franzikus’ Geste soll nun vor allem eine Botschaft ausgehen: Nichts auf der Welt ist so heillos, dass es nicht Vergebung und Neuanfang geben kann.

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          Vor gut zwanzig Jahren, auf der UN-Konferenz in Kairo über die Weltbevölkerung, verhinderte der Vatikan, dass in das Abschlussdokument die Formulierung aufgenommen wurde, Abtreibung sei ein Mittel der Familienplanung. De jure hat sich an der Ablehnung der Abtreibung als Mittel zum Zweck bis heute nichts geändert. Doch das hat weder einzelne Staaten noch einzelne Gesundheitsorganisationen davon abgehalten, Abtreibungen als genau das zu propagieren: als Mittel der Familienplanung.

          Dieselbe Sprache sprechen – soweit vorhanden – die Statistiken, auch in Deutschland. Erfreulich ist, dass die Zahl der Abtreibungen hierzulande zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung unter die Schwelle von Hunderttausend gesunken und die Zahl der Abtreibungen je tausend Frauen im gebärfähigen Alter seit dem Jahr 2000 von 68 auf 55 zurückgegangen ist. Sehr nachdenklich muss aber stimmen, dass in einem der wohlhabendsten Länder der Erde in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Million Kinder nicht geboren werden durften – und das zumeist dann, wenn sie schon ältere Geschwister gehabt hätten.

          Für die katholische Kirche ist ein Befund wie dieser indes mehr als ein gesellschaftlicher Skandal, der überdies die deutsche Bevölkerung in Verbindung mit einer der niedrigsten Geburtenraten weltweit stärker schrumpfen lässt als die fast aller anderen Industrieländer. Sie behält sich vor, in Abtreibung nicht einfach eine Sünde zu sehen, sondern eine Straftat gegen Leben und Freiheit des Menschen, mit der sich eine Person automatisch die Exkommunikation zuzieht, will sagen den Ausschluss vom Empfang der Sakramente.

          Auf diese moralische Wertung und ihre kirchenrechtlichen Folgen hat Papst Franziskus jetzt noch einmal die Aufmerksamkeit gelenkt – doch nicht, um das Unwerturteil über die Handlung als solche zu bekräftigen, sondern um den Blick auf die Person zu richten, die vielleicht in ihrer Not keinen anderen Ausweg gesehen hat und womöglich das ganze Leben unter einer solchen Entscheidung leidet. Wenn im bevorstehenden „Jahr der Barmherzigkeit“ jeder Priester überall auf der Welt am Ende einer Beichte auch die Sünde einer Abtreibung vergeben kann (wie es in Deutschland schon lange der Fall ist), dann soll von dieser Geste vor allem eine Botschaft ausgehen: Nichts auf der Welt ist so heillos, dass es nicht Vergebung und Neuanfang geben kann.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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