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Katholische Kirche : Kompromiss im Kommunionsstreit

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx (links), und der Kölner Kardinal Woelki Bild: dpa

Nach monatelangem Streit hat die Deutsche Bischofskonferenz eine „Orientierungshilfe“ zur Eucharistie veröffentlicht. Doch eine Minderheit der Bischöfe nimmt den Text offiziell gar nicht zur Kenntnis.

          Die Deutsche Bischofskonferenz hat am Mittwoch die mit großer Mehrheit im Februar beschlossene „Orientierungshilfe“ hinsichtlich des Kommunionsempfangs von evangelischen Ehepartnern in einer konfessionsverschiedenen Ehe veröffentlicht. Vorangegangen waren mehrmonatige Auseinandersetzungen innerhalb der Konferenz über den Status sowie die Reichweite eines derartigen Dokuments. Eine Minderheit von sieben Diözesanbischöfen hatte sich im März mit der Bitte um Hilfe an den Vatikan gewandt und am Ende erwirkt, dass Papst Franziskus das Dokument entgegen früherer Zusicherungen als „für eine Veröffentlichung nicht reif“ erklärt hatte.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Die jüngste, auf der Ebene der Bischofskonferenz abschließende Wendung nahm die Debatte während der turnusmäßigen Zusammenkunft der Diözesanbischöfe zu Beginn dieser Woche. Man verständigte sich darauf, dass der Text nicht als Dokument der Bischofskonferenz erscheint, weil er sich mit Fragen beschäftigt, die eine „weltkirchliche Dimension“ hätten – unter dieser Bedingung, so konnte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx, es den Anwesenden versichern, sei der Papst mit der Veröffentlichung der Orientierungshilfe einverstanden.

          „Wir ringen um eine geistliche Hilfe“

          Freilich muss sich noch erweisen, was mit dem neuen Status „Orientierungshilfe in der Verantwortung der einzelnen Bischöfe“ gemeint ist. Alles spricht dafür, dass sich die Mehrzahl der Bischöfe den Text ausdrücklich zu eigen macht, während eine Minderheit ihn offiziell nicht zur Kenntnis nimmt. Einigen konnten sich die Bischöfe auf die Formulierung: „Wir ringen um eine geistliche Hilfe für die Gewissensentscheidung in seelsorglich begleiteten Einzelfällen für konfessionsverbindende Ehepaare, die ein ernsthaftes geistliches Bedürfnis haben, die Eucharistie zu empfangen.“

          Hinsichtlich der im Kirchenrecht eröffneten Möglichkeit, dass auch Nichtkatholiken die Eucharistie empfangen, stellten die Bischöfe über den besonderen Status von konfessionsverschiedenen Ehepaaren weiterhin fest: „Durch die Taufe, den Glauben und das Sakrament der Ehe sind sie miteinander engstens verbunden und teilen ihr ganzes Leben.“ Ob dieses Thema, wie von der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre angekündigt, in Rom weiter verfolgt wird, bleibt offen.

          Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lobte die Veröffentlichung der Orientierungshilfe nach „manchen Wirren und Wegen“. Die „faktisch weithin etablierte Realität“ in den Kirchengemeinden werde so „aus dem Licht der Unrechtmäßigkeit“ geholt. In der Sache könne man „von einem kleinen Schritt in der Ökumene, aber einem großen Schritt für die katholische Kirche sprechen“. Die EKD erinnerte daran, dass katholische Christen nach dem Verständnis ihrer eigenen Kirche auch weiterhin nicht am evangelischen Abendmahl teilnehmen dürften, obwohl sie evangelischerseits zugelassen seien.

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