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Katholische Kirche : Der freigebige Bauherr von Limburg

„Die Anfrage soll ins Leere laufen“

Ende Juni wandte sich diese Zeitung schriftlich an das Bistum Limburg und bat um Beantwortung mehrerer Fragen, die sich auf die Beachtung der kirchenrechtlichen Normen bei der Finanzierung des Diözesanen Zentrums bezogen. Gefragt wurde auch nach der Genehmigung des Vatikans für einen Rechtsakt, mit dem sich der Bischöfliche Stuhl mit Wirkung zum 1. Januar 2010 Liquidität verschafft hatte. Damals, wenige Monate nach der Amtsübernahme des neuen Generalvikars Kaspar, übertrug der Bischöfliche Stuhl seinen rund 48 Prozent betragenden Anteil an der „Gemeinnütziges Siedlungswerk GmbH Frankfurt“ dem Bistum Limburg zum Buchwert von 6,5 Millionen Euro - auch das ein Rechtsakt, der die sogenannte „Vatikangrenze“ überschritten hat und der Zustimmung von Kapitel und Diözesanvermögensverwaltungsrat bedurfte hätte, zumal sich die Frage stellte, ob es sich bei der Transaktion de facto nicht um ein Schlechterstellungsgeschäft zu Lasten des Bischöflichen Stuhls handelte, da der faktische Wert der Geschäftsanteile deutlich größer ist als deren Buchwert.

Trotz wiederholter Fristsetzungen hat das Bistum entsprechende Fragen dieser Zeitung bis jetzt nicht beantwortet. Statt dessen wies Generalvikar Kaspar, wie die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ erfuhr, Pressestelle und Justitiar schriftlich an, „dass nach eingehender Beratung und Abwägen des Für und Wider“ die Anfragen der F.A.Z. unbeantwortet bleiben sollten. „Auch eine bloße Eingangsbestätigung soll nicht verschickt werden.“ Denn: „Die Anfrage soll ins Leere laufen.“

Gesamtkosten „wesentlich höher“

Doch damit nicht genug. Bald nach der Mitteilung des Bistums Limburg, der Bau des Diözesanen Zentrums habe 9,85 Millionen Euro verschlungen, verschickte die Pressestelle am frühen Abend des 1. Juli 2013 eine Korrektur. Der am 29. Juni genannte endgültige Betrag umfasse nur die Kosten für die Sanierung der vorhandenen Immobilien, also der Vikarie, des Küsterhauses und der Stadtmauer. Was auf die Errichtung der zahlreichen Neubauten von der Kapelle über die Bischofswohnung, die Empfangs- und Sitzungsräume bis zu den Außenanlagen entfalle, sei noch nicht beziffert. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass die Gesamtkosten „wesentlich höher“ ausfielen.

Doch was heißt „wesentlich höher“? Das Bistum hat sich seit Ende Juni nicht mehr geäußert. Fachleute sprechen gegenüber dieser Zeitung von einer Gesamtsumme, die zwanzig Millionen Euro übersteigen könnte. Alle Fragen, die sich zunächst in Anbetracht der Finanzierung von rund sieben Millionen Euro durch den Bischöflichen Stuhl gestellt haben, stellen sich nun im Blick auf das Doppelte, wenn nicht das Dreifache dieses Betrages. Woher stammt das Geld? Wurde es satzungsgemäß verwendet? Sind die erforderlichen Genehmigungen eingeholt worden oder sind die Vermögensgeschäfte nichtig?

Unter dem Eindruck dieser und anderer Fragen hat sich ein „Hofheimer Kreis“ genannter Zusammenschluss von Priestern des Bistums Limburg vor wenigen Tagen abermals an Bischof Tebartz-van Elst gewandt. Die „Vertrauenskrise“ im Bistum Limburg habe sich nochmals verschärft, weshalb eine „Kommission für Beteiligung und Dialog“ gebildet werden solle, heißt es in dem Schreiben. Diese solle sich unter anderem mit der Frage befassen, wie die Aufsicht über die Finanzen des Bischöflichen Stuhles sichergestellt werden solle. „Erscheint es, um Vertrauen zurückzugewinnen, nicht ratsam“, so die Frage, „diese wieder einem diözesanen Gremium zu übertragen?“

Auch das Buch „Rechtskultur in der Diözese“ fand jüngst in Limburg seine Leser. Zum Abschluss des Beitrags „Dienst und Verantwortung. Administrative Rechte und Pflichten des Diözesanbischofs“ heißt es: „Rechtskultur und Rechtssicherheit können nur dann gelingen, wenn alle, der Diözesanbischof wie die ihm anvertrauten Gläubigen, tatsächlich den im CIC formulierten Rechten und Pflichten entsprechend handeln.“

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