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Katholische Internetportale : Wächter und Hetzer

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Einer der Texte Nays, die auf kreuz.net stehen, ist auch auf kath.net erschienen, ein weiterer im traditionsorientierten Fachblatt „Theologisches“. Nicht der Inhalt der Beiträge ist skandalös, sondern die Tatsache, dass sie auch auf kreuz.net auftauchten. Ein Gespräch mit der F.A.Z. lehnte Nay ab. „Die Website hat einige Artikel von mir nachpubliziert, die bereits anderswo erschienen sind. Das freut mich. Denn ich wünsche meinen Texten eine weite Verbreitung“, lässt er auf gloria.tv wissen. So heißt das religiöse Videoportal, das Nay mit einer Handvoll Mitstreiter betreibt.

Antisemitische Kommentare und Videos

Nays Vorgesetzter, der Churer Bischof Vitus Huonder, gehört zu den wenigen, die auf kreuz.net gut wegkommen. Mit dieser Seite in Verbindung gebracht werden will auch er nicht. Huonder zitierte Nay zum Gespräch. Der Bischof habe deutlich gemacht, dass es für einen Priester des Bistums Chur nicht angemessen ist, auf kreuz.net zu veröffentlichen, teilt sein Sprecher mit. Nays Engagement für gloria.tv sei hingegen Privatsache, denn wie kath.net arbeite auch gloria.tv transparent.

Doch ganz so ist es nicht. Zwar führt das Impressum der „katholischen Kanzel im Internet“ die Mitarbeiter auf. Nays Kaplan gehört zum Stab, dessen Schwester spricht die Nachrichtensendung des Portals, die um die alte Messe, Mundkommunion, Kampagnen gegen Abtreibung und angebliche liturgische Missstände kreist. „Kirche in Not“, das Medienhaus der Diözese Würzburg und die Katholische Fernseharbeit gestatten der Plattform, ihre Produktionen zu übernehmen, weil sie - so teilen sie auf Nachfrage mit - die Seite für unbedenklich halten oder Verkündigung für wichtiger als den Rahmen, in dem sie stattfindet. Ähnliches mag der Schriftsteller Martin Mosebach gedacht haben, als er sich für die Plattform befragen ließ.

Doch der Firmensitz von gloria.tv liegt in der Republik Moldau, und die AGB weisen ausdrücklich jede Verantwortung für Inhalte zurück, die auf der ähnlich wie Youtube aufgebauten Plattform hochgeladen werden. Dazu aber gehören auch antisemitische Kommentare und Videos wie eines über den Palästinakonflikt, das mit den Stichworten „Juden, Verbrecher, Gauner, Betrüger, Synagoge Satans“ indiziert ist.

„Was bleibt, ist der rechte Rand“

Was der Standort Moldau im Falle eines Rechtsstreits bedeutet, hat Matthäus Fellinger erfahren. Das Büro des Chefredakteurs der Linzer Kirchenzeitung ist nur wenige Gehminuten entfernt von dem Roland Noés. Papstbilder gibt es bei Fellinger nicht, nur ein schlichtes Kreuz. Die bistumseigene Linzer Kirchenzeitung könne in großer Selbständigkeit arbeiten, weil sie sich vollständig selbst trage, erzählt der 57 Jahre alte Katholik. Vor drei Jahren hat er einen kritischen Artikel über kath.net, kreuz.net und gloria.tv geschrieben. Darin zitierte er den damaligen Leiter des ORF-Landesstudios Oberösterreich: gloria.tv verwende Material des Senders ohne dessen Erlaubnis, und mit einem Server in Moldau begebe sich das Portal auf eine Stufe mit Kinderpornoseiten.

Wegen dieses Zitats verklagte gloria.tv Fellinger und die Diözese: Die Aussage sei rufschädigend. „Interessant ist, dass die Kanzlei, die gloria.tv vertritt, personell verbunden ist mit der erzkonserkonservativen Christenpartei“, sagt Fellinger. Die Klage von gloria.tv wurde 2011 in zweiter Instanz abgewiesen. Weil das Portal sich weigert, die Prozesskosten zu tragen, klagt nun die Diözese auf Pfändung. Das sei wegen des Firmensitzes zwar wenig erfolgversprechend, gibt Fellinger zu, doch hier gehe es ums Prinzip. Das wisse auch der Linzer Diözesanbischof, den dessen Schweizer Mitbruder Huonder habe überreden wollen, den Rechtsstreit gütlich beizulegen.

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