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Katholische Internetportale : Wächter und Hetzer

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Ein religiöser Extremist ist Noé jedoch nicht. Das Zweite Vatikanische Konzil ist für ihn „status quo“, die traditionalistische Piusbruderschaft sieht er skeptisch, und die Kommentarfunktion seiner Seite will er zukünftig besser im Auge behalten. Vor allem aber hat kath.net ein seriöses Impressum und seinen Gerichtsstand in Österreich. Doch kath.net war nur die Vorhut - Portale, die später gegründet wurden, arbeiten ganz anders.

Deutsche Behörden haben keine Handhabe

Für den anonymen Blog kreuz.net, der 2004 online ging und vermeintlich „katholische Nachrichten“ liefern will, ist die Diffamierung Programm: Hetze gegen Juden, Muslime, Homosexuelle und alles, was als „liberal“ gebrandmarkt wird. Die Autoren hofieren die Piusbrüder, publizieren Denunziationen und stellen Personen an den digitalen Pranger. Längst haben sich die Bischofskonferenzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von kreuz.net distanziert. Das Portal sei menschenverachtend und missbrauche den Begriff „katholisch“. Seit einiger Zeit prüft auch die für Rechtsextremismus zuständige Abteilung im Bundesamt für Verfassungsschutz die Seite.

Darüber, wer hinter kreuz.net steckt, gibt es nur Vermutungen. „Eine kleine Gruppe von Spinnern aus dem Umfeld der Piusbruderschaft“, vermutet Noé. Ob Piusbrüder, Personen aus dem Dunstkreis des emeritierten St. Pöltener Bischofs Kurt Krenn, der unter anderem über einen Sex-Skandal in seinem Priesterseminar stolperte, ob Katholiken aus Linz, eine Gruppe in Hessen, im Libanon oder vielleicht doch in Köln - der Spekulation sind keine Grenzen gesetzt. Dass kreuz.net gute Informanten hat, ist hingegen sicher. Von mancher Personalentscheidung im Vatikan weiß der Blog als Erstes, und als die Deutsche Bischofskonferenz vor einem Jahr ein internes Papier über den Umgang mit den Missbrauchsfällen erstellte, war es Stunden später auf kreuz.net zu lesen. Die undichte Stelle wurde bisher nicht gefunden.

Kreuz.net bezeichnet sich als „internationale private Gruppe von Katholiken in Europa und Übersee, die hauptberuflich im kirchlichen Dienst tätig sind“. Im Impressum steht eine kalifornische Adresse, die Seite ist auf den Bahamas registriert, der Server steht in Kanada. Deutsche Behörden haben keine Handhabe.

Ein alter Weggefährte

Doch nicht alle Beiträge auf kreuz.net sind anonym. Als ein Verfassername steht der von Regina Wilden unter einigen Artikeln; sie gehört zum Vorstand der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung pro Köln“. Auf kreuz.net finden sich aber auch drei Beiträge des Priesters Reto Nay. Der 50 Jahre alte Schweizer wurde am Päpstlichen Bibelinstitut in Rom promoviert, ist Pfarradministrator im Bistum Chur und Gastprofessor an der privaten Gustav-Siewerth-Akademie. Joseph Ratzinger hielt in den siebziger Jahren Vorträge an der Akademie. Bis heute hält er Kontakt zur Gründerin, der Philosophin Alma von Stockhausen.

Reto Nay ist ein alter Weggefährte von Roland Noé. Ihr gemeinsamer Weg begann bei „Jugend für das Leben“, einem Verein von Abtreibungsgegnern, und führte über die Laiengemeinschaft „Amici di Dio“ zu kath.net. Heute spricht Noé nicht mehr gerne über den Schweizer Pfarrer. „Seit einigen Jahren habe ich aus persönlichen Gründen keinen Kontakt mehr zu Reto Nay“, sagt er nur.

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