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Katholikentag : So geht katholisch

Zwei Katholiken tragen ein Kreuz zum Eröffnungsgottesdienst Bild: AP

Die Erzdiözese München und Freising wirbt mit überdimensionalen Papst-Benedikt-Plakaten, das Bistum Mainz bekennt mit buntem Wachs Farbe, und das Bistum Limburg zeigt in einer Ausstellung, „wie katholisch geht“.

          4 Min.

          Die katholische Kirchenlandschaft in Deutschland ist ein Flickenteppich. Halle 1 bildet ihn ab. Nicht unbedingt kartographisch genau - das Bistum Görlitz grenzt auf dem Saarbrücker Messegelände an die Diözese Würzburg an, das Erzbistum Paderborn an die Erzdiözese Freiburg. Aber die Stände der Bistümer zeichnen doch eine Geographie der Kirche in ihrer regionalen Vielfalt.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Kirchenspezifische Selbstpräsentation mischt sich mit allgemeinem Lokalkolorit: Jeder zeigt, was er hat. Bei der Erzdiözese München und Freising gibt es überdimensionale Benedikt-Plakate und Tischdecken mit Freistaat-Wappen. Das Erzbistum Köln zeigen die Türme des Doms und schenkt Kölsch aus.

          „Wir bekennen Farbe“

          Gleich am Eingang der Halle tunken Besucher unter dem Motto „Wir bekennen Farbe“ ihre Hände in flüssiges rotes, gelbes, grünes, blaues Wachs. Die Hand, sagt Anette Schermuly vom Bistum Mainz, stehe für christliche Nächstenliebe und die Sakramente. Die Besucher sollen am Stand nicht nur etwas über Liturgie, Gemeinschaft, Katechese und Karitas erfahren, sondern auch etwas Symbolisches mitnehmen können - eben ein wächsernes Abbild der eigenen Hand.

          Zehntausende beim Eröffnungsgottesdienst in Saarbrücken
          Zehntausende beim Eröffnungsgottesdienst in Saarbrücken : Bild: dpa/dpaweb

          Das wollen viele, auch wenn es einen Euro kostet, und so läßt sich an den Wachseimern auch ein Defilee der Katholikentagsbesucher betrachten. Die meisten haben ihre grünen Schlüsselbänder umgehängt. Viele sind mit Weltjugendtags-Rucksäcken aus dem vergangenen Jahr angereist. Manche tragen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Ich bin katholisch“.

          Autogramme von Würdenträgern

          An vielen Ständen künden Schilder vom Besuch des jeweiligen Kardinals, Bischofs oder Weihbischofs. Wenn die Würdenträger dann auftauchen, wie am Freitag vormittag der Mainzer Weihbischof Ulrich Neymeyr, wollen viele Gläubige Autogramme haben.

          Der Erfurter Bischof Wanke wurde am Freitag nachmittag zwischen vier und fünf erwartet. Er habe nicht früher anreisen können, sprudelt es aus Josefa Kendzia heraus, und auch nach dem neuen Weihbischof Hauke hätten schon viele gefragt. Der könne gar nicht kommen. Am Samstag, so klärt Frau Kendzia auf, finde im Erfurter Dom wieder eine „Feier der Lebenswende“ statt. Insgesamt 70 Jugendliche hätten sich in diesem Jahr dafür entschieden.

          Männerwallfahrt am Todesstreifen

          Hauke hatte diesen Ritus für Konfessionslose Mitte der neunziger Jahre als Alternative zur atheistischen Jugendweihe und zur katholischen Firmung erfunden. Wanke hingegen hatte am Donnerstag an der 50. Männerwallfahrt zum Klüschen Hagis im Eichsfeld teilgenommen. Was nach katholischem Vatertag klingt, hat eine ernste und bis heute ernstgenommene Geschichte.

          Zu Zeiten der DDR diente die in den fünfziger Jahren ins Leben gerufene Männerwallfahrt nicht nur zur Integration der alteingesessenen Thüringer Katholiken und der zahllosen katholischen Vertriebenen aus Schlesien, dem Ermland und dem Sudetenland, die es nach 1945 in die mitteldeutsche Diaspora verschlagen hatte.

          Mit Zehntausenden Teilnehmern war die Wallfahrt in unmittelbarer Nähe des Todesstreifens Jahr für Jahr auch eine Abstimmung mit den Füßen gegen das totalitäre Regime. Solch eine Tradition gibt man nicht leichtfertig preis.

          Kein Kirchenknigge

          Ob der Limburger Bischof Kamphaus sich blicken ließe, wisse man nicht, heißt es vielsagend am Stand des Bistums. Daß er auf Katholikentagen vorbeikomme, sei nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich aber ist die Ausstellung „So geht katholisch“.

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