https://www.faz.net/-gpf-96487

Karlsruher Anschlagsplan : Terrorverdächtiger hatte Kontakt zu bekannten Islamisten

  • Aktualisiert am

Ein Polizist steht am 4. Dezember 2017 auf dem Karlsruher Schlossplatz nach dem Anruf einer besorgten Bürgerin, die ein verdächtiges Telefonat mitgehört hatte. Bild: dpa

Dasbar W. sitzt seit Wochen in Haft, weil er einen Anschlag auf den Karlsruher Schlossplatz geplant haben soll. Ermittlungsunterlagen stützen nun offenbar den Verdacht.

          Der Terrorverdächtige Dasbar W., der am 20. Dezember 2017 in Karlsruhe verhaftet wurde, weil er einen Anschlag auf dem Karlsruher Schlossplatz geplant haben soll, hatte Kontakte zu einschlägig bekannten Islamisten. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die dem SWR exklusiv vorliegen.

          Demnach hatte er im Juli 2016 an einem zehntägigen Seminar im mittlerweile verbotenen Moschee-Verein „Deutschsprachiger Islamkreis“ (DIK) in Hildesheim teilgenommen, das von dem mittlerweile inhaftierten Hassprediger und IS-Kontaktmanns Ahmad Abdulaziz Abdulla A., genannt „Abu Walaa“ geleitet wurde. Abu Walaa steht derzeit in Celle vor dem Oberlandesgericht, unter anderem, weil er von Hildesheim aus mindestens 15 Männer als Kämpfer für den „Islamischen Staat“ rekrutiert haben soll. Auch der Berliner-Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri soll sich im Umfeld Abu Walaas aufgehalten haben, ebenso der minderjährige Attentäter, der im April 2016 mit einem Komplizen einen selbst gebauten Sprengsatz vor einem Sikh-Tempel in Essen gezündet hatte.

          Dasbar W.’s Anwalt Marc Jüdt bestätigt seine Teilnahme an dem Seminar. Dem SWR sagte er: „Mein Mandant war seinerzeit noch nicht lange wieder in Deutschland, er hat in Kurdistan gelebt und sein Abitur gemacht. Dann hat er eine Einladung bekommen, kurz vor den Feiertagen, eine Übernachtungsmöglichkeit von fünf Tagen und es gäbe Essen. Nachdem er gemerkt hat, wie es dort zugeht und was das eigentliche Ziel ist, nämlich junge Muslime einzuladen und zu radikalisieren, hat er sich abgewendet. Es gibt keine weiteren Kontakte.“

          Aber auch im Irak war Dashbar W. im Visier von Ermittlungen. 2016 saß Dasbar W. dort für zwei Monate in Haft, wie das Auswärtige Amt bestätigt. Er soll vor Ort mögliche Anschlagsziele für den „IS“ ausgespäht haben. Das Auswärtige Amt hatte in dieser Zeit Dasbar W. konsularisch betreut. Nach seiner Entlassung reiste er wieder nach Deutschland ein. Deutsche Ermittler fanden auf seinem Handy ein Video, das ihn bei Schießübungen mit einem Scharfschützengewehr im Irak zeigt.

          Ein ehemaliger Vermieter von Dasbar W. berichtet gegenüber dem SWR: „Er hatte gesagt, er wäre zwei Wochen in Stuttgart, aber plötzlich war er wie vom Erdboden verschwunden.“ Außerdem erzählt er, Dasbar W. habe in seinem Garten Schießübungen mit legalen Waffen absolviert. Einige Monate später seien Beamte des LKA Baden-Württemberg aufgetaucht und hätten dem Vermieter berichtet, Dasbar W. sei im Irak wegen terroristischer Aktivitäten von den örtlichen Behörden verhaftet worden.

          Über eine islamistische Prägung von Dasbar W. berichteten auch zwei ehemalige Mitbewohner, wie der SWR erfuhr. Im Juni 2016 hätten sie das Verhalten von Dasbar W., der sich selbst damals „Abdullah“ nannte, als auffällig empfunden. Angeblich habe ihr Mitbewohner eine islamistisch geprägte Weltanschauung vertreten und ihnen islamistisch geprägte Lieder - sogenannte Naschids - auf YouTube vorgespielt. Als Dasbar W. kurz vor der Fußball EM in Frankreich in Erwägung zog, französisch zu lernen und nach Frankreich zu gehen, beschlossen die beiden Austauschstudenten zur Polizei zu gehen, da sie hinsichtlich der möglichen Planung eines Terroranschlags besorgt waren.

          Zum ersten Mal war Dasbar W. im Oktober 2014 ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Damals hatte er in Freiburg an der Koranverteilaktion „Lies“ teilgenommen und laut Ermittlung Kontakt zu „staatsschutzrelevanten“ Personen. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Dasbar W. unter permanenter Polizeiüberwachung. Trotz seines großen Misstrauens gelang es dem Landeskrimninalamt Baden-Württemberg aber im September einen Verbindungsmann an ihn heranzuführen, der von dem mutmaßlichen Anschlagsplan in Karlsruhe berichtete.

          Marc Jüdt, Dasbar W.’s Anwalt, zweifelt an der Glaubwürdigkeit dieses V-Mannes: „Mein Mandant ist ein sehr verschlossener Mensch, der ausgerechnet einem Menschen, den er noch nie vorher gesehen hat, am ersten Tag Geheimnisse anvertraut, die er sonst niemandem anvertraut. Aber dieser Vertrauensperson soll er sofort sein Herz geöffnet haben. Warum? Hat er das einfach erfunden? Ich gehe davon aus, dass jeder, der die Akte liest, versteht, dass die VP nicht vertrauenswürdig ist.“

          Demgegenüber bekräftigt die Pressesprecherin des Generalbundesanwalts, Frauke Köhler, im Interview mit dem SWR noch einmal den dringenden Tatverdacht gegen Dasbar W., den IS unterstützt und einen Anschlag geplant zu haben. Dasbar W. sitzt weiter in Untersuchungshaft.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Rechenzentrum

          Digitales Deutschland : Kein Techno-Nationalismus

          Macht sich Deutschland gerade zu sehr abhängig von ausländischen Internetunternehmen? Die Sorge in der Wirtschaft wächst – sie sollte nicht leichtfertig abgetan werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.