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Brandanschlag in Beirut : Libanesischer Innenminister tritt zurück

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Außer Kontrolle: Vor dem dänischen Konsulat in Beirut Bild: REUTERS

Nach dem Anschlag auf das dänische Konsulat in Beirut ist der libanesische Innenminister zurückgetreten. In Deutschland wollen CDU-Politiker diplomatische Kontakte zu jenen Gaststaaten aussetzen, die europäische Botschaften nicht gegen militante Gegner der Mohammed-Karikaturen schützen.

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          Nach dem Brandanschlag auf die dänische Vertretung in Beirut hat der libanesische Innenminister Hassan Sabei noch am Sonntag seinen Rücktritt angekündigt. Sabei erklärte nach einer Sondersitzung des Kabinetts am Abend, er habe Ministerpräsident Fuad Saniora ein entsprechendes Gesuch vorgelegt.

          Zuvor war der Konflikt wegen der in verschiedenen europäischen Zeitungen veröffentlichten Karikaturen des Propheten Mohammed eskaliert. Libanesische Muslime setzten am Sonntag das dänische Konsulat in Beirut in Brand. Am Samstag waren die dänische und die norwegische Botschaft in Damaskus angezündet worden. Im Gazastreifen wurde eine Außenstelle des deutschen Verbindungsbüros attackiert, Türen und Fenster wurden eingeschlagen.

          „Billigung der syrischen Regierung“

          Die amerikanische Regierung protestierte gegen die Brandlegungen und teilte mit, die Anschläge in Damaskus könnten nicht ohne Wissen und Billigung der syrischen Regierung geschehen sein. Auch die Europäische Union kritisierte die gewaltsamen Proteste. Die österreichische EU-Ratspräsidentschaft forderte, die Staaten des Nahen Ostens müßten den Schutz europäischer Einrichtungen sicherstellen.

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          Brandanschlag in Beirut : Libanesischer Innenminister tritt zurück

          Führende CDU-Politiker haben sich dafür ausgesprochen, Druck auf jene Staaten auszuüben, die diplomatische Vertretungen nicht entschieden gegen Randalierer schützen. Der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Andreas Schockenhoff sagte der Zeitung „Die Welt“, ein Land, in dem Botschaften nicht geschützt würden, verabschiede sich von den internationalen Beziehungen. „Einem solchen Land muß man androhen, die diplomatischen Beziehungen auszusetzen“, sagte der CDU-Politiker laut Vorabbericht vom Sonntag. Das gelte insbesondere, wenn die Regierung dieses Landes den Aufruhr mitorganisiere.

          Köhler: „Unter keinen Umständen zu akzeptieren“

          Auch Verteidigungs-Staatssekretär Friedbert Pflüger sprach sich für diplomatischen Druck aus. „Die Führungen dort haben zum Teil ganz bewußt Öl ins Feuer gegossen“, sagte er laut Vorabbericht. Der Appell zur Deeskalation an diese Staaten müsse seitens der Bundesregierung „auch diplomatisch unterlegt werden“.

          Auch die Präsidenten von sieben europäischen Ländern verurteilten die Angriffe scharf. „Gewalt und Drohungen sind unter keinen Umständen zu akzeptieren“, sagte Bundespräsident Horst Köhler am Sonntag bei einem Treffen mit den Präsidenten Finnlands, Italiens, Lettlands, Österreichs, Portugals und Ungarns in Dresden. Dänemark rief seine Bürger auf, Syrien und den Libanon zu verlassen. Auch Norwegen forderte seine in Syrien lebenden Bürger zur Ausreise auf.

          Weitere Anschläge verhindert?

          Bei Kämpfen mit der syrischen Anti-Terror-Einheit in Kafar Batna im Norden von Damaskus sei der Anführer einer islamistischen Gruppierung getötet worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Sanaa am Sonntag. Zwei Mitglieder der Gruppe wurden festgenommen. In einer von der Gruppe gemieteten Wohnung wurden Waffen, Sprengstoff und Munition gefunden. Die radikalen Islamisten hätten „terroristische Anschläge“ in Damaskus und Umgebung geplant, hieß es.

          Unklar blieb, ob die Gruppierung Anschläge als Reaktion auf die Veröffentlichung der Karikaturen geplant hatte.

          Höchster Geistlicher bedauert Brandanschläge

          Der höchste muslimische Geistliche Syriens äußerte am Sonntag sein Bedauern über die Brandanschläge auf die Botschaften Dänemarks und Norwegens.

          In Beirut gingen die Sicherheitskräfte gegen die etwa 20.000 Demonstranten mit Warnschüssen und Tränengas vor, konnten sie aber nur zeitweise zurückdrängen. Mehrere Demonstranten wurden verletzt. Nachdem das Konsulat in Brand gesetzt worden war, zogen aufgebrachte Muslime weiter in das christliche Stadtviertel Beiruts, Aschrafieh, und griffen Kirchen, Läden und Autos an. Sie folgten einem Aufruf der „Nationalen Bewegung für die Verteidigung des Propheten Mohammed“.

          „Verhöhnung des Propheten mit Blut bezahlen“

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