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Karfreitag in Nordirland : Ein Tag der Trauer

  • -Aktualisiert am

Forensiker der Polizei in Londonderry untersuchen im Januar 2019 einen Sprengsatz. Bild: AFP

Dass es in Nordirland seit mehr als zwanzig Jahren weitgehend friedlich geblieben ist, gehört zu den großen Leistungen der Politik. Doch mit dem Mord an einer Frau in Londonderry ist die Gefahr für den Frieden wieder einmal deutlich geworden.

          Vor 21 Jahren stand der Karfreitag als Symbol der Hoffnung für Nordirland. Nach Jahrzehnten der Gewalt schuf ein Abkommen die Grundlage für einen Frieden zwischen den protestantischen Unionisten und den Katholiken, die eigentlich lieber in einem vereinten Irland leben möchten. Dass dieser Frieden seither weitgehend gehalten hat, gehört zu den großen Leistungen der Politik. Alle Seiten haben dazu beigetragen, obwohl es immer wieder Krisen gab. So gibt es auch aktuell keine eigene nordirische Regionalregierung.

          Der Karfreitag 2019 ist ein Tag der Trauer. Eine Frau ist erschossen worden. Sie wollte über eine Polizeiaktion berichten, bei der die Sicherheitskräfte nach Waffen suchten. Ziel der Aktion war eine terroristische Abspaltung der Irisch-Republikanischen Armee.

          Um Unheil zu stiften, war niemals eine Mehrheit erforderlich

          Diese Gruppe soll auch für Sprengstoffanschläge in jüngerer Vergangenheit verantwortlich sein. Zwar bilden die Terroristen nur eine verschwindend kleine Minderheit in der Provinz. Aber um Unheil zu stiften, war noch niemals irgendwo eine Mehrheit erforderlich. Die Gefahr für den Frieden in Nordirland ist wieder einmal deutlich geworden. Zu einer gewissen Hoffnung berechtigt allenfalls, dass das gesamte in Parteien organisierte politische Spektrum Nordirlands den Mord einhellig verurteilt hat.

          Aber man kann leider nicht sicher sein, dass der Zusammenhalt gewahrt bleibt, sollten die politischen und wirtschaftlichen Folgen des Brexits Nordirland treffen. Das vor allem in England populäre Ansinnen, aus der Europäischen Union auszutreten, fand schon 2016 in Nordirland keine Mehrheit. Dort wussten und wissen die Menschen, was sie an der EU haben.

          Selbst für stramme Unionisten ist die Aussicht einer „harten“ Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland nicht verlockend. Aber angesichts der abgrundtiefen politischen Gräben in London wäre es wahrlich kein Wunder, wenn auch in Nordirland parteipolitische Engstirnigkeit über die Interessen des Landes gestellt würde. Christen in aller Welt begehen zwei Tage nach Karfreitag das Fest der Auferstehung. In Nordirland geht in diesem Jahr Bangen vor Hoffen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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