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Kardinal Müller im Gespräch : „In der Theologie gab und gibt es immer auch Versuch und Irrtum“

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Primus inter Pares: Gerhard Kardinal Müller Bild: dpa

Gerhard Kardinal Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im F.A.Z-Interview spricht er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche.

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          Gerhard Kardinal Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im ersten Teil seines Gesprächs mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche.

          Weitere Teile des Gesprächs der F.A.Z.-Redakteure Daniel Deckers und Jörg Bremer mit dem ehemaligen Bischof von Regensburg können Sie in den kommenden Tagen auf FAZ.NET lesen. Darin wird es unter anderem um die Wiederverheiratung Geschiedener gehen, die Entschlossenheit des Vatikans, sexuelle Gewalt im Raum der Kirche nach Recht und Gesetz zu ahnden und die Katholische Kirche in Deutschland.

          Eminenz, in der Palmsonntagsprozession 2013 sah man Sie nicht unter den Kardinälen, da Papst Benedikt XVI. Sie nicht mehr in das Kardinalskollegium aufgenommen hatte. Es hieß, es habe massive Widerstände gegen Ihre Aufnahme gegeben. Warum?

          Solche Dinge werden je nach Sympathie immer verschieden kommentiert. Persönliche Befindlichkeiten sind weniger wichtig angesichts des Auftrages der Glaubenskongregation, an der Seite des Papstes „den katholischen Glauben in der ganzen Kirche zu fördern und zu bewahren“, mit dem Hauptgewicht auf der Förderung des Glaubens in Theologie und Verkündigung. Das Entscheidungsgremium, die Plenaria der Kongregation mit 25 Bischöfen und Kardinälen, arbeitet mit etwa 120 Theologen zusammen (der feste Mitarbeiterstab, das Konsultorenkollegium, die Bibelkommission und die Internationale Theologenkommission).

          Das wichtigste Mitglied der Kurie?

          In der Kirche ist jeder Dienst wichtig. Der Begriff Kurie hat etwas mit curare, cura, der Fürsorge zu tun. Der Papst beruft Kardinäle zur besonderen Teilnahme an seinem Hirtenamt für die Weltkirche. Diese enge Verbindung zeigt sich in ihrer historischen Herkunft aus den Hauptvertretern des Klerus der römischen Ortskirche. Bis zum II. Vatikanum waren die Päpste selbst die Präfekten der Glaubenskongregation, die bis dahin von einem Kardinal als Pro-Präfekt oder Sekretär geleitet wurde. Die Kongregation mit ihren 25 Kardinälen und Bischöfen, deren Präfekt ein primus inter pares ist, hat gemäß der vom Papst erlassenen Ordnung der Kurie Anteil am Lehramt des Papstes, indem sie ihm in allen Fragen der Glaubens- und Sittenlehre zuarbeitet und seine Entscheidungen auch ausführt.

          Papst Benedikt XVI. hatte immer auf eine Aussöhnung der Pius-Bruderschaft mit der Kirche gehofft. Sie zählten nie zu den Freunden von Bernard Fellay, Richard Williamson und Co..

          Es geht nicht um persönliche Freundschaften oder Animositäten noch ganz abgesehen von der causa Williamson, sondern um die Frage, ob Papst und Konzil als die höchste Autorität in der treuen Bewahrung des ganzen geoffenbarten Glaubens in „Schrift und Tradition“ anerkannt werden.

          Im Jahr 2009 haben Sie von „illegalen“ Priesterweihen in der Pius-Bruderschaft gesprochen und den vier von Erzbischof Marcel Lefebvre geweihten Bischöfen der Pius-Bruderschaft die Eignung für diese Ämter abgesprochen.

          Diese Meinung wurde von anderen geteilt. Die Glaubenskongregation hatte in päpstlichem Auftrag mit der Pius-Bruderschaft Lehrgespräche geführt. Daraus ist eine Dogmatische Präambel entstanden, deren Annahme die Voraussetzung für die volle Gemeinschaft mit der Kirche ist.

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