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Kardinal Müller im Gespräch : „In der Theologie gab und gibt es immer auch Versuch und Irrtum“

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Die Dogmatische Präambel fußt auf der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Pius-Bruderschaft lehnt wesentliche Aussagen des Konzils ab, etwa über Religionsfreiheit. Wie soll das gut gehen?

Wer die Lehre des I. und II. Vatikanums über den Primat des Papstes und die Kollegialität der Bischöfe kennt, sieht sofort den springenden Punkt. Es ist inakzeptabel, wenn ein paar einzelne Bischöfe sich zu übergeordneten Hütern der apostolischen Überlieferung erklären im Widerspruch zum Papst und allen Bischöfen, die in Gemeinschaft mit ihm die Universalkirche leiten. Insofern ist der Ansatz der Pius-Bruderschaft nicht voll katholisch.

Papst Benedikt XVI. hat der Pius-Bruderschaft mit der umfassenden Wiederzulassung des „alten“ Messbuchs von 1962 und der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe eine Brücke gebaut. Wie beurteilen Sie diesen Schritt nach fünf Jahren?

Benedikt XVI. war schon als Kardinalpräfekt der Glaubenskongregation in die Gespräche mit den Vertretern der Pius-Bruderschaft eingebunden. Das Anliegen war und bleibt legitim: Es ging darum, ein Schisma zu vermeiden. Der Papst als Nachfolger Petri ist „das immerwährende und sichtbare Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und Gemeinschaft“ der katholischen Kirche (II. Vatikanum, Kirchenkonstitution Art. 18). Die Gespräche gediehen so weit, dass Erzbischof Marcel Lefebvre im Jahr 1988 einen Einigungstext unterschrieb, diesen aber am nächsten Tag widerrief.

Monsignore Fellay, der Obere der Pius-Bruderschaft, hat schon im Gästehaus Santa Marta übernachtet, also mit dem Papst unter einem Dach gewohnt. Dennoch keine Bewegung?

Der Ball ist jetzt eindeutig in den Händen der Pius-Bruderschaft.

Wie denkt denn Papst Franziskus über die Pius-Bruderschaft? Er hat sich im ersten Jahr seines Pontifikats nicht einmal öffentlich über diese Gruppe geäußert.

Er sagt ebenso freundlich wie klar, dass es jetzt an der Priesterbruderschaft liegt, ob es zu einer Versöhnung und Reintegration kommt oder nicht.

Eine zweite Gruppe, die auf Ihr Wirken nicht mit übermäßiger Sympathie zu schauen pflegte, ist das Opus Dei.

Darüber wurde auf verschiedenen Websites dies und jenes vermutet. Sicher ist es kein Geheimnis, dass bezüglich des Weiterbestehens der renommierten katholischen Universität Lima (Peru) erhebliche Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Großkanzler, dem Ortsbischof von Lima, bestehen.

Für die Universitäten ist Kongregation für das Bildungswesen zuständig.

Das war auch immer meine Meinung und wir sind involviert, wenn es um Glaubensfragen geht. Der Universität wurde von anderer Seite das Recht entzogen, sich „päpstlich“ und „katholisch“ zu nennen. Zur ultima ratio sollte man nur greifen, wenn alle anderen Lösungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Obwohl Papst Benedikt XVI. und Sie mit der Ehrendoktorwürde der PUC ausgezeichnet wurden?

An einer großen Universität mit circa 30.000 Lehrkräften und Studenten wird es wohl immer Schwierigkeiten mit einzelnen geben. Es gilt, die Bedeutung der katholischen akademischen und pädagogischen Einrichtungen in einzelnen Regionen und Ländern dieser Welt neu zu würdigen, vor allem wenn es um den Dialog mit anderen gesellschaftlichen Gruppen und weltanschaulichen Richtungen geht. Dialog bedeutet, insbesondere Kontroversthemen ehrlich und sachlich ohne persönliche Diskreditierungen anzusprechen. Darin sehe ich ein enormes Potential für eine positive Gesellschaftsentwicklung und eine große Chance für das Zeugnis des Evangeliums im Zeitalter der Globalisierung.

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