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Kardinal Müller im Gespräch (Teil 2) : „Die Ehe darf nicht zu einer abstrakten Theorie werden“

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Kurienkardinal Müller: „Anstatt aber Glaubenslehre und Glaubenspraxis gegeneinander ausspielen, müssen wir ihre innere Einheit wiedergewinnen.“ Bild: dpa

Kurienkardinal Müller warnt vor Praxisferne in der Behandlung der Ehe. Das Wort Gottes dürfe dennoch nicht auf unseren Bedarf heruntergebrochen werden, sagt der vatikanische Präfekt der Kongregation im zweiten Teil des F.A.Z.-Gesprächs.

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          Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller ist Präfekt der vatikanischen Kongregation für die Glaubenslehre. Im ersten Teil seines Gesprächs mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sprach er über Widerstände gegen seine Aufnahme ins Kardinalskollegium, die Pius-Brüderschaft, die Befreiungstheologie und die Entweltlichung der Kirche. Im zweiten Teil spricht der frühere Bischof von Regensburg über die Wiederverheiratung Geschiedener. Kardinal Müller warnt vor einer Entwicklung, in der die Unauflöslichkeit der Ehe zu einer abstrakten Theorie würde, die in der Praxis keine Rolle mehr spiele. Gleichwohl sieht er sich eins mit Papst Franziskus in der Absicht, wiederverheiratet Geschiedenen „seelsorgerlich zu helfen“. Der dritte Teil des Gesprächs folgt in den nächsten Tagen.

          Gibt es eine Spannung zwischen dem Seelsorger Papst Franziskus, der von dem Leben und seinen Brüchen spricht, und dem Dogmatiker Kardinal Müller, der darauf achtet, dass sich das Leben nach der Lehre richtet und nicht umgekehrt? Etwa in der Frage des Umgangs mit wiederverheiratet Geschiedenen in der Kirche?

          Gerade wegen der Krise von Ehe und Familie und der oft leidvollen und tragischen Situationen, in die Ehen und Familien hineingeraten, hat der Heilige Vater zwei Bischofssynoden einberufen, um eine umfassende Erneuerung vorzubereiten und auch viele Nöte im konkreten Situationen zu mildern. Anstatt aber Glaubenslehre und Glaubenspraxis gegeneinander ausspielen, müssen wir ihre innere Einheit wiedergewinnen. Denn Jesus Christus als der „Weg zum Vater“ ist in seiner Person „Wahrheit“ und „Leben“ zugleich ( Joh 14,6). Weder ist die Lehre der Kirche lebensfremde Theorie über das Wort Gottes, noch ist die kirchliche Praxis nur Kasuistik, die das Wort Gottes auf unseren Bedarf herunter bricht. Der Christus im Zeugnis der Bibel und im Bekenntnis der Kirche ist keine andere Person als die, die mir im Gebet und Glauben begegnet. Unser Verständnis von Barmherzigkeit muss am biblischen Verständnis Maß nehmen. Gottes Barmherzigkeit ist die Zuwendung seiner vergebenden und neuschaffenden Liebe, durch die er uns gerecht macht, d.h. „befreit zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21).

          Wenn Sie das nicht können, was können Sie dann?

          Es gibt aporetische Situationen, die sich menschlich nicht auflösen lassen und einmal in Gottes gnädigem Gericht geklärt werden. Was ist die richtige oder falsche Lösung, wenn die Rückkehr zum Ehepartner aus der gültigen sakramentalen Ehe mit Kindern nicht möglich ist, ohne dass die Fürsorge für einen zweiten Partner und die Kinder aus dieser gemeinsamen Verbindung vernachlässigt würden? Eigentlich kann man nicht von „den“ wiederverheiratet Geschiedenen als einer festen Gruppe sprechen, für die eine generelle Lösung und zwar gleich für die ganze Weltkirche gefunden werden könnte. In der Seelsorge haben wir es mit Menschen in ihrer jeweils einmaligen Situation zu tun, die als Christen ihr Leben in Einklang bringen wollen mit den Weisungen Christi. Diese sind umgesetzt in der Lehre der Kirche über die sakramentale Ehe mit ihren Eigenschaften: der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen, der Einheit (Monogamie), Unauflöslichkeit und Offenheit für Kinder, die den Eltern von Gott anvertraut werden. Eine wunderbare Synthese der kirchlichen Ehelehre finden Braut- und Eheleute in der Pastoralkonstitution des II. Vatikanums „Gaudium et spes“ (Art. 47-52).

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