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Kardinal Kasper im Gespräch : „Der Heilige Geist ist kein Lückenbüßer“

  • -Aktualisiert am

Walter Kardinal Kasper im Vatikan Bild: AFP

Mit kleinen Bekenntnissen setzt sich Papst Franziskus für mehr Ökumene ein. In Deutschland aber stocken die offiziellen Dialoge. Ein Gespräch mit Walter Kardinal Kasper, der für mehr Freundschaft plädiert.

          3 Min.

          Eminenz, kürzlich hat Papst Franziskus die evangelisch-lutherische Christuskirche in Rom besucht und vom Skandal der Kirchenspaltung gesprochen. Franziskus pflegt auch engen Kontakt zum ökumenischen Patriarchen Bartholomäus und lädt Baptisten oder Evangelikale zu sich ein. Trotzdem scheint zumindest in Deutschland die Ökumene zu stagnieren. Da heißt es dann gerne, man solle sich über das Erreichte freuen und auf den Heiligen Geist warten.

          Gewiss ist es richtig, dass wir die Einheit nicht machen oder gar eigenmächtig herbeiführen können; sie ist Geschenk des Heiligen Geistes. Aber der Heilige Geist ist kein Lückenbüßer für die eigene Phantasielosigkeit oder gar für die Bequemlichkeit, alles beim Alten zu lassen. Er ist der Atem, den wir auf dem Weg brauchen und der uns Schwung gibt weiterzugehen. Wenn die offiziellen Dialoge stocken, dann kommt es darauf an, Freundschaft zu schließen und unter Freunden und in Freundeskreisen weiterzuwandern. Franziskus ist ein Meister solcher Freundschaft, und er hat auch Ideen entwickelt, wie es weitergehen kann. Sein Bild von Einheit ist nicht ein langweiliges System von konzentrischen Kreisen, auch nicht ein rein äußerlich zusammengesetztes Puzzle, sondern der Polyeder, ein Kristall mit unterschiedlichen Flächen und Ecken, der das auf ihn fallende Licht auf ganz eigene wunderbare Weise widerstrahlt.

          Als Gastgeschenk überreichte der Papst in der Christuskirche Kommunionskelch und Patene, so als könnten wir gemeinsam Abendmahl feiern. Was bedeutet dieses Gastgeschenk?

          Der Besuch von Papst Franziskus bei der lutherischen Gemeinde in Rom war in verschiedener Hinsicht ein ökumenisches Signal. Der Kelch als Gastgeschenk war überraschend, denn in der Frage der Eucharistie und des Laienkelchs waren die Unterschiede in der Reformation besonders scharf ausgeprägt, und trotz bedeutender Annäherungen sind auch heute noch nicht alle Fragen ausgeräumt. So wollte der Papst Mut machen, auf dem eingeschlagenen ökumenischen Weg weiterzugehen und dabei das Ziel - die Eucharistiegemeinschaft - nicht aus dem Auge zu verlieren. Zugleich wollte er im Sinn des II. Vatikanischen Konzils sagen, dass uns schon heute Wesentliches verbindet. Die Abendmahlsfeier ist auch für lutherische Christen Gedächtnisfeier von Tod und Auferstehung Christi und Zeichen der lebendigen Gemeinschaft mit Christus. Auf diesem Fundament lässt sich weiterbauen.

          Einer Gemeinderätin, die nach 30 Jahren Ehe mit einem Katholiken endlich mit ihm gemeinsam zur Kommunion gehen will, sagte Franziskus sinngemäß, sie solle mit ihrem Mann klären, ob sie dasselbe glauben, ob ihnen ihr Gewissen die gemeinsame Teilnahme an der Kommunion gestattet - und falls ja, sollten sie nicht fragen, sondern es tun. Ist das eine Einladung?

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