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Kardinal Kasper im Gespräch : „Der Heilige Geist ist kein Lückenbüßer“

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Es war eindrucksvoll, wie einfühlsam der Papst mit diesem Problem, das viele bekenntnisverbindende Paare beschwert, umgegangen ist. Er hat auf die Verbundenheit in der einen Taufe, auf das gemeinsame Gebet, das gemeinsame Leben aus dem Glauben und auf die Erziehung der Kinder im Glauben hingewiesen. Nur auf dieser Grundlage kann die Frage der gemeinsamen Kommunion sinnvoll gestellt und beantwortet werden. Eine konkrete Antwort gab der Papst nicht; denn auch ein Papst kann kirchenrechtliche Bestimmungen nicht gesprächsweise, sozusagen im Handumdrehen ändern. Seine Worte wurden aber allgemein so verstanden, dass er das Verlangen nach der gemeinsamen Kommunion beherzigt und dazu ermutigt, dem Gewissen zu folgen, wenn der gemeinsame eucharistische Glaube gegeben ist. Damit hat er die Frage an die Fragenden zurückgegeben: Fragt euch, ob ihr bei der Feier der Eucharistie zusammen mit der versammelten Gemeinde ehrlich gemeinsam „Amen, ja, ich glaube“ sagen könnt.

Auch in Deutschland sehen viele seit dem Amtsantritt von Franziskus die Theologie in einem Gegensatz zu seiner Pastoral, so als sei das Evangelium nicht zugleich Lehre wie Predigt.

Lehre der Kirche und Pastoral gehören selbstverständlich zusammen; einen Gegensatz zwischen beidem anzunehmen wäre schizophren. Das bedeutet nicht, dass man die Lehre in den unterschiedlichen konkreten pastoralen Situationen einfach mechanisch anwenden und überstülpen könnte. Nach dem großen Lehrer der katholischen Theologie, Thomas von Aquin, geschieht die Übersetzung in die Praxis mit Hilfe der Tugend der Klugheit, das heißt mit Blick auf die konkrete Situation. Nach dem Kirchenrecht ist dabei das Heil der Seelen das oberste Kriterium. Mit der Bibel kann man auch sagen: Es gilt, die Wahrheit in der Liebe zu tun - nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit ausgestreckt helfender Hand. Genau das macht Papst Franziskus eindrucksvoll vor, und darin ist ihm die Bischofssynode mit großer Mehrheit gefolgt.

In Zeiten der Christenverfolgung drängt der Aufruf zu mehr Gemeinsamkeit zwischen den Denominationen. Bei welchen theologischen Fragen gäbe es Chancen auf mehr Gemeinsamkeit?

In der Tat, angesichts der blutigen und brutalen Verfolgungen, welche in vielen Teilen der Welt unterschiedslos Christen aller Kirchen betreffen, sind das Zusammenrücken und die Einheit aller Christen umso mehr eine dringende Herausforderung. Papst Franziskus spricht von einer „Ökumene des Blutes“. Aber die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Die Probleme liegen beim Verhältnis der katholischen Kirche zu den orthodoxen Kirchen, den lutherischen und reformierten Kirchen, den außerhalb Europas zahlreichen Freikirchen und den wachsenden neuen pfingstlerischen Kirchen naturgemäß recht verschieden. Eines aber ist schon heute möglich: Zusammenarbeit in drängenden sozialen und ökologischen Fragen. In der Flüchtlingsfrage etwa ziehen katholische und evangelische Christen an einem Strang. Sie wissen, dass Gastfreundschaft für notleidende und verfolgte Fremde urchristlich, Fremdenfeindlichkeit dagegen zutiefst unchristlich ist. Durch gemeinsamen Einsatz wachsen sie zusammen. So darf man hoffen, dass es gelingt, bisherige Denkblockaden zu einem universalen Kirchen- und Einheitsverständnis aufzubrechen und neu über Einheit in versöhnter Verschiedenheit nachzudenken. Zumindest die Hoffnung darauf sollten wir uns nicht nehmen lassen.

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