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Kanzlerkandidatur der Union : Merz wirft Söder „Anbiederung an den Zeitgeist“ vor

  • Aktualisiert am

Der unterlegene Friedrich Merz (rechts) gratuliert Armin Laschet zur Wahl als Parteivorsitzender beim digitalen Bundesparteitag der CDU am 16. Januar. Bild: dpa

Friedrich Merz wirft sich weiter für Armin Laschet in die Bresche. Dessen Konkurrenten Markus Söder geht er wegen der Inzidenz in Bayern sowie der Landtagswahl an und attestiert ihm politischen Wankelmut.

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          Der CDU-Politiker Friedrich Merz geht den CSU-Vorsitzenden Markus Söder wegen dessen Kanzlerkandidatur weiter scharf an. Im Deutschlandfunk kritisierte Merz Söder für dessen Corona-Politik sowie das Ergebnis der vergangenen Landtagswahl in Bayern und warf ihm Wankelmütigkeit vor.

          Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet habe das klare Votum der CDU-Gremien für die Kanzlerkandidatur erhalten, sagte Merz. Das sei entscheidend. Merz verwies darauf, dass Bayern unter Ministerpräsident Söder im Kampf gegen die Corona-Pandemie schlechter dastehe als Nordrhein-Westfalen mit Ministerpräsident Laschet. Söder habe zudem bei der bayerischen Landtagswahl 2018 das schlechteste CSU-Ergebnis der Nachkriegsgeschichte hinnehmen müssen. Auch habe Söder 2018 nach „rechts gewinkt“ und umwerbe nun die Grünen. Er wünsche sich „etwas weniger Anbiederung an den Zeitgeist“, sagte Merz.

          In Bayern liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mit Stand vom Mittwoch laut dem Robert-Koch-Institut bei 173, in Nordrhein-Westfalen bei 148 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Die Bundesländer sind jedoch nur bedingt miteinander vergleichbar, etwa wegen der unterschiedlichen Bevölkerungsdichte und ihrer jeweiligen geografischen Lage. Zu berücksichtigen ist unter anderem die Nähe zu Corona-Hotspots in benachbarten EU-Staaten.

          „Es droht ein Flurschaden“

          Im Deutschlandfunk forderte Merz auch, den Streit um die Kanzlerkandidatur der Union rasch beizulegen. Laschet und Söder „sollten sich möglichst schnell, am besten heute und morgen, zusammensetzen und bis zum Wochenende eine gemeinsame Entscheidung treffen“, sagte Merz. Ansonsten drohe der Union ein „Flurschaden“. „Im übrigen hat dieses Land auch noch ein paar andere Probleme als die Kanzlerkandidatur der Union.“ Deutschland sei in einer tiefen Krise, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie seien noch gar nicht absehbar. „Wir müssen jetzt an die Arbeit und raus aus dem Modus einer innerparteilichen Auseinandersetzung.“

          Merz war gegen Laschet bei der Wahl zum CDU-Vorsitzenden unterlegen, unterstützt diesen aber entschieden im Ringen um die Kanzlerkandidatur. Der CSU hatte er am Dienstag in einem Newsletter an die CDU-Mitglieder in seinem Wahlkreis, dem Hochsauerlandkreis, eine bewusste Demontage der CDU vorgeworfen: „Die CSU stellt das Votum des höchsten Führungsgremiums der CDU infrage", schrieb Merz. „Bei allem Verständnis für die CSU und ihren  Vorsitzenden: Macht sich die CSU klar, was es bedeutet, innerhalb von wenigen Wochen den nächsten Parteivorsitzenden der CDU zu demontieren?“

          Eine Mehrheit der Bundesbürger sieht Söders Bewerbung um die Kanzlerkandidatur der Union hingegen positiv. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Zeitung „Augsburger Allgemeine“ sagten 58 Prozent, es sei richtig, dass der bayerische Ministerpräsident seine Bereitschaft erklärt habe. 30 Prozent der Deutschen halten Söders Griff nach der Spitzenkandidatur für falsch, zwölf Prozent zeigten sich unentschieden. Die Frage hatte gelautet: „Wie bewerten Sie, dass sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder bereiterklärt hat, bei der Bundestagswahl als Kanzlerkandidat für die Union anzutreten?“

          In einer weiteren repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet, gaben nur jeweils vier Prozent der Befragten an, dass Laschet „führungsstark“ und „dynamisch“ sei. Söder schreiben die Eigenschaft „führungsstark“ 57 Prozent zu; für „dynamisch“ halten ihn 36 Prozent. Laschet genießt das Vertrauen von 12 Prozent, Söder das von 27 Prozent der Befragten. 34 Prozent trauen Söder zu, dass er die anstehenden Probleme rechtzeitig erkennt, und 30 Prozent meinen, dass er sie auch löse. Bei Laschet sind es nur sechs und vier Prozent. „Die Zahlen belegen, dass eine Mehrheit Laschet nicht für kanzlerfähig hält“, sagte der Leiter des Forsa-Instituts, Manfred Güllner.

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