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Kanzlerin Merkel in China : Ein kräftezehrender Besuch

Lange Tage voller Gespräche: Angela Merkel in Peking Bild: dpa

Zum elften Mal ist Bundeskanzlerin Merkel in China. Das Land tritt inzwischen viel selbstbewusster auf. Und auf die alten Verbündeten ist kein Verlass mehr.

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          Da ist sie wieder. Äußerlich ist alles wie beim ersten Mal. Der Aufmarschplatz vor der Großen Halle des Volkes liegt in der Sonne, die am Donnerstag schon um 10 Uhr vormittags heiß vom chinesischen Himmel brennt. Die Militärkapelle der Volksbefreiungsarmee spielt die deutsche, dann die chinesische Hymne. An der Seite von Ministerpräsident Li Keqiang eilt Angela Merkel in dunkler Hose und hellblauem Blazer über den roten Teppich, der in exakt denselben Winkeln – mal spitz, mal neunzig Grad – ausgelegt ist wie vor fast auf den Tag genau zwölf Jahren.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
          Eckart Lohse
          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Damals, als Merkel erstmals in ihrem neuen Amt nach China gereist war, hatte die chinesische Führung wenn nicht pikiert, so doch mit scharfem Blick festgestellt, dass die deutsche Regierungschefin bereits zweimal beim großen westlichen Verbündeten und Partner in Washington gewesen war, bevor sie sich ein halbes Jahr nach ihrer Vereidigung auf den Weg nach Osten machte. Schon dieser Blick zurück zeigt, dass es dieses Mal keineswegs wie beim ersten Mal ist. Die chinesische Führung hatte deutlich gemacht, dass sie Wert darauf lege, bereits im Reigen der ersten „Antrittsbesuche“ der zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählten CDU-Vorsitzenden dabei zu sein. Der Wunsch wurde erhört in Berlin. Nur einmal, für weniger als 24 Stunden, war die Kanzlerin Ende April bei dem neuerdings so schwierigen Partner in Washington gewesen, hatte rasch noch beim russischen Präsidenten Putin vorbeigeschaut und war dann ins Reich der Mitte gereist.

          Interesse am Atomkonflikt der Weltgemeinschaft mit Iran

          Der Empfang besteht aus ranghohen Persönlichkeiten. Obwohl Merkel selbst keine Präsidentin ist, nimmt sich der chinesische Präsident Xi Jinping ausführlich Zeit für sie, nachdem sie am Vormittag mit Li Keqiang gesprochen hat, und hebt dankend die Häufigkeit der Besuche Merkels hervor. Die Kanzlerin ist zum elften Mal in China und kann die dortigen Machtverhältnisse gut genug einschätzen, um zu wissen, dass der Ministerpräsident kein überbordendes politisches Gewicht hat. Der Präsident ist die alles entscheidende Figur auf dem Brett. Mit ihm bespricht Merkel die großen außenpolitischen und internationalen Fragestellungen. Die haben sich erheblich verändert, seit Merkel damit begonnen hat, sich um ein auskömmliches politisches und wirtschaftliches Verhältnis zwischen Deutschland und China zu bemühen. Damals, im Mai 2006, ahnte noch niemand, dass der amerikanische Präsident eines Tages Donald Trump heißen und die Gewässer der internationalen Politik zu turmhohen Wellen aufpeitschen würde.

          Merkel hat einen zu differenzierten Blick auf die internationale Politik, als dass sie am Mittwochabend in der Annahme nach China aufgebrochen wäre, die Schwierigkeiten mit Amerika vor allem wegen der Sanktionsdrohungen von Präsident Trump ließen sich leicht ausgleichen durch ein engeres Zusammengehen mit China. Dennoch gibt es einen Faden, an dem sie ziehen will. Der hat mit Iran zu tun. Auch das erinnert an ihren ersten Besuch in Peking, als der Präsident noch Hu Jintao hieß. Allerdings waren die Vorzeichen seinerzeit umgekehrt. Die Gespräche waren durchzogen von einem kritischen Blick auf Chinas Iran-Politik. Peking, so lautete der Vorwurf, beziehe zwar Energie von Teheran. In der politisch wichtigen Frage – sprich: im Atomkonflikt der Weltgemeinschaft mit Iran – zeige China aber nicht die erforderlichen Bemühungen.

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