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Kanzlerin Merkel in Afrika : Mit protestantischem Arbeitsethos

  • -Aktualisiert am

In Abuja: Bundeskanzlerin Merkel und der Präsident Nigerias, Goodluck Ebele Jonathan Bild: dapd

Drei Länder in drei Tagen: Im Schatten der europäischen Schuldenkrise besucht Bundeskanzlerin Merkel Kenia, Angola und Nigeria. Es geht um Wirtschaft, Rohstoffe und Rüstungsgeschäfte - und den Kampf gegen Korruption.

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          Immerhin ist die Reise nicht vollständig in den politischen Schatten der Euro-Krise geraten. Immerhin ist es auch nicht dazu gekommen, dass sie wegen vermeintlich anstehender Euro-Sondergipfel in Brüssel kurzfristig abgesagt wurde - was gerüchtehalber auch dem im fernen New York weilenden Außenminister Guido Westerwelle zu Ohren gekommen war.

          Angela Merkel hatte diese Gerüchte und Fragen vernommen - und hat sie verneint. Sie blieb in Afrika, auf die Reise habe sie sich gefreut. Sie blieb bei der auch in der Berliner Koalition erprobten Linie, Gipfeltreffen solle es nur geben, wenn ein Erfolg in Aussicht sei. Vorsichtshalber aber beließ sie ihren neuen Wirtschaftsberater Lars Hendrik Röller im Kanzleramt zurück. Es hätte seine Jungfern-Reise werden können. Er hatte von Berlin aus die Kanzlerin auf dem Laufenden zu halten.

          „Auf Augenhöhe“

          Die letzte Station der Reise war am Donnerstag Abuja, die Hauptstadt Nigerias. Das letzte Mal in diesen drei Tagen sollte in der Öffentlichkeit vollzogen werden, was Frau Merkel vor Beginn der Reise als Treffen „auf Augenhöhe“ angekündigt hatte. Mit 21 Schuss Salut wurde sie von Goodluck Ebele Jonathan auf dem Gelände der „Zone der drei Gewalten“ begrüßt, wie der Amtssitz des Präsidenten Nigerias genannt wird. Sie schätzt den meist mit Hut auftretenden Mann.

          Mächtige Frauen: Kanzlerin Merkel und die Außenministerin Nigerias, Viola Adaku-Onwuliri
          Mächtige Frauen: Kanzlerin Merkel und die Außenministerin Nigerias, Viola Adaku-Onwuliri : Bild: REUTERS

          Bei Frau Merkels Gesprächen in den afrikanischen Ländern spielte die Lage des Euro keine bemerkenswerte Rolle. Jonathan etwa sagte, die Ölexporte Nigerias würden in Dollar beglichen. Insofern handele es sich bei der Frage des Euro um keine Angelegenheit zwischen Deutschland und Nigeria. Frau Merkel äußerte, die Europäer müssten ihre Angelegenheiten zu Hause selbst erledigen.

          Drei Länder in drei Tagen - und mit jeweils erheblichen Flugstrecken dazwischen - sind ein Programm nach Frau Merkels Gepflogenheiten bei Dienstreisen: Montag abends spät Ankunft in Nairobi; Dienstag abends spät auf der anderen Seite des afrikanischen Kontinents - in Luanda, der Hauptstadt Angolas; Mittwoch Abend dann in der Dunkelheit Landung in Abuja, der Hauptstadt Nigerias. In der Nacht zum Freitag schließlich Rückkehr nach Berlin.

          Es wirkt, als wolle Frau Merkel permanent ein protestantisches Arbeitsethos nachweisen, wonach die Arbeit auf keinen Fall auch Spaß machen dürfe. Schon ihr Vorgänger Schröder hatte auf kulturell-touristische Elemente seiner Auslandsreisen größtenteils verzichtet - aus Sorge vor heimischen Schlagzeilen, der Kanzler mache Urlaub auf Staatskosten. Bei Frau Merkel wurde die Schraube der Selbstkasteiung noch eine Umdrehung weiter angezogen.

          Politische Begründungen kamen hinzu. Die Euro-Krise und die Reaktionen der Märkte mögen die Bundeskanzlerin vor die Alternative gestellt haben: Drei Länder in drei Tagen - oder der Verzicht auf ihre zweite Rundreise durch afrikanische Staaten. Zum ersten Mal war sie im Jahr 2007 nach Afrika gereist. Damals besuchte sie Äthiopien, Südafrika und Liberia.

          Es geht um wirtschaftliche Kooperation und Rohstoffe

          Nach ihren Darstellungen von heute sollten sich die Reisen im Grundsatz unterscheiden. 2007 sei es vor allem um einen entwicklungspolitischen Ansatz gegangen - mit der Ausnahme Südafrikas natürlich, weil es sich von selbst verstehe, die größte Industrienation Afrikas zu besuchen. Nun aber seien wirtschaftspolitische Kooperationen in den Vordergrund gerückt. Angola und Nigeria sind reich an Rohstoffen. Auch in Kenia, heißt es, seien Geschäfte zu machen. Freilich war die Reise nicht als wirtschaftliche Großoffensive Deutschlands in Afrika angelegt - Vertreter von lediglich elf Unternehmen und Banken machten die Wirtschaftsdelegation aus.

          Immerhin: Die Einrichtung eines Delegationsbüros der deutschen Wirtschaft in Nairobi soll die Wirtschaftsbeziehungen ausbauen, und es mag dem Überschwang afrikanischer Gefühle („Ich bin gerne in Afrika“) Frau Merkels geschuldet sein, dass sie am Mittagstisch von vollendeten Tatsachen sprach, die zu errichten soeben in einer „Vereinbarung“ niedergelegt worden war.

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