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Kanzlerin beim WM-Finale : Merkel und ihre Liebe zum Fußball

  • -Aktualisiert am

Enthusiastischer Fan: Angela Merkel in Brasilien Bild: dpa

Sie hielt ihr Versprechen, abgegeben in der Umkleidekabine der DFB-Elf: Merkel ist nach Rio geflogen. Begleitet wird sie von Bundespräsident Joachim Gauck. Ein ungewöhnliches Reise-Duo.

          Dass Bundespräsident und Bundeskanzlerin gemeinsam auf Reisen gehen, gehört zu den seltenen Ausnahmen. Gewöhnlich treten sie auch nicht gemeinsam auf. Das sieht das in diesen Fällen allerdings informelle Protokoll vom Verhältnis zwischen Staatsoberhaupt und Regierungschef vor. In der Nacht zum Sonntag allerdings war alles anders.

          Am späten Samstagabend flogen Joachim Gauck und Angela Merkel nach Rio. Zum Endspiel der Fußballweltmeisterschaft natürlich. Merkel soll das ihren beiden besten Fußballfreunden, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger, versprochen haben, nachdem sie deren sensationellen 4:0-Start gegen Portugal im Stadion von Salvador verfolgt hatte. Das Versprechen der Kanzlerin, zum Endspiel zu kommen, wenn Deutschland beteiligt sei, hatte der nun für Arsenal London spielende, dem Herzen nach aber immer noch Kölsch fühlende Podolski umgehend nebst einem Selfie in alle Welt gesandt. Das Versprechen, angeblich abgegeben in der Umkleidekabine der jungen Männer, wurde eingehalten.

          Wenn sie die Arme hoch reißt, sind die Kameras dabei

          Ob Podolski weiß, dass eine deutsche Fußballmannschaft noch nie ohne einen Spieler seines heimischen „FC“ Weltmeister geworden ist? Dabei waren: Hans Schäfer, Wolfgang Overath, Pierre Littbarski und Bodo Illgner.

          Merkel jubelt gerne. Während andere Prominente auf der Ehrentribüne in ihren schwarzen Anzügen neutral die Form wahren, springt sie auf und reißt die Arme hoch. Nun streiten sich die Geister in der Politik und auch unter den Sportfunktionären, wann Merkel ihre Liebe zum Fußball entdeckte. Hämisch sagen die einen, das sei erst mit ihrer Kanzlerschaft gekommen. Sie selbst erzählt, als Studentin schon einmal im Leipziger „Zentralstadion“ gewesen zu sein, auf dem Gelände also, wo heutzutage „Rasenballsport Leipzig“ spielt, jener Verein, der nur deshalb so heißt, weil er sich – den Regeln des DFB entsprechend – nicht „Red Bull Leipzig“ nennen darf.

          Merkel kann sich auch an Schulzeiten erinnern. Als 1974 bei der Weltmeisterschaft in der Bundesrepublik die DDR-Auswahl durch das berühmte Sparwasser-Tor gegen die Bundesrepublik gewann, hatte die Schülerin Merkel (damals hieß sie Angela Kasner) die Sorge, von ihrer Lehrerin nun mit den Vorzügen des sozialistischen Systems behelligt zu werden. Gleichwie: Wenn Merkel die Arme hochreißt, sind die Fernsehkameras dabei. Schöne Bilder sind es für einen Politiker. Volksnähe wird dokumentiert.

          Nun aber reist Merkel nicht allein. Gauck ist mit von der Partie. Seine alte Fußball-Liebe war Hansa Rostock. Ob Merkel die Reise zu zweit gerne unternimmt, ob es ihr einfach nur egal ist oder ob sie ihre Kreise gestört sieht – das alles steht dahin. Weil Gauck aber Staatsoberhaupt ist, kommt ihm im Airbus der Flugbereitschaft der Bundeswehr eine Sonderstellung zu: Vor allem also die bessere Kabine. Das ist nicht ganz ohne Bedeutung. Gauck und Merkel wollen Sparsamkeit und Arbeitseifer dokumentieren. Sie wollen nicht den Eindruck erwecken, sich auf Kosten des Steuerzahlers einen schönen Sonntag zu machen. Ein kurzes Programm also: Keine Hotel-Übernachtung in Rio, schon gar keine Jubelfeier am Strand.

          Gauck und Merkel trafen am Sonntagvormittag in Rio ein. Fahrt zum Stadion. Möglicherweise trifft Merkel da auch noch den russischen Präsidenten Wladimir Putin, der als Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes der nächsten Fußball-WM 2018 in Russland geladen ist. Sie könnten über die Ukraine reden. Wahrscheinlich ist es nicht: Erstens telefonieren Merkel und Putin ohnehin dauernd über die Ukraine, zweitens ist Gauck dabei, und drittens sind ernsthafte Dinge schwerlich zu besprechen, wenn Zehntausende drumherum johlen und singen, und die beiden vor allem Fußball im Kopf haben.

          Und wenn alles vollbracht ist, wenn Gauck und Merkel Jogi Löws junge Männer in der Kabine besucht haben, um zu gratulieren oder zu trösten, werden sie zurück zum Flughafen gebracht. Am Montagnachmittag werden sie wieder in Berlin sein. Dann spricht Merkel vor dem sogenannten Petersberger Klimadialog. Eine Stunde später empfängt sie Ollanta Humala Tasso, den Staatspräsidenten von Peru. Der könnte zum Sieg gratulieren. Andernfalls könnte er tröstend darauf verweisen, für Peru sei alles noch schlimmer: Die Mannschaft war in Brasilien gar nicht dabei gewesen.

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