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Kanzlerbesuch : Russland will Schulden begleichen

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Russlands Präsident Putin hat Bundeskanzler Schröder zugesagt, dass Moskau alle Schulden aus der Sowjetzeit begleichen wolle. Schröder beendete am Sonntag mit seiner Frau Doris einen fast zweitägigen Privatbesuch bei dem Kremlchef.

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          Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei der Verabschiedung von Bundeskanzler Gerhard Schröder in Moskau eine vollständige Rückzahlung der sowjetischen Altschulden zugesagt. „Russland beabsichtigt und wird die Schulden der ehemaligen Sowjetunion zurückzahlen“, sagte Putin. Schröder rief zum Ende seines zweitägigen Besuchs bei Putin Russland auf, die wirtschaftlichen Verpflichtungen zu erfüllen.

          Dabei sollte bei dem Treffen der „Ersten Familien“ vor allem Privates im Vordergrund stehen. Putin und Schröder festigten ihren ohnehin als gut geltenden persönlichen Kontakt bei dem Treffen zur orthodoxen Weihnacht in Moskau. Gemeinsam mit ihren Frauen Doris und Ljudmila absolvierten sie ein umfangreiches Kulturprogramm, bei dem politische Themen nach Angaben aus deutschen
          Delegationskreisen nur am Rande zur Sprache kamen. Der politische Dialog soll bei den nächsten deutsch-russischen Regierungskonsultationen am 9./10. April in St. Petersburg fortgesetzt werden.

          „Hier geht es nicht um Geschenke“

          In der vor dem Treffen von beiden Seiten aufgeworfenen Frage der russischen Auslandsschulden bekräftigte die deutsche Delegation, dass Russland alle Verbindlichkeiten bedienen müsse. Nur bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage könne über eine Umschuldung gesprochen werden. Schröder lehnte einen Schuldenerlass noch einmal ab. „Hier geht es nicht um Geschenke“, betonte er. „Russland ist selbstbewusst und wirtschaftlich kräftig genug, um seine Verpflichtungen einzuhalten.“

          Finanzminister Alexej Uljukajew hatte am Freitag angekündigt, Russland wolle beim Pariser Club der Gläubigerstaaten einen „technischen“ Aufschub seiner Schulden erbitten. Russland schuldet den im Pariser Club zusammengeschlossenen Gläubigern knapp hundert Milliarden Mark. Allein rund 43 Millarden davon muss Moskau an Berlin zurückzahlen.

          Zu der freundschaftlichen Atmosphäre der Begegnung hieß es, Schröder und Putin hätten „einen guten Draht zueinander gefunden“. Das Ehepaar Putin unterstrich mit zahlreichen Gesten den privaten und
          freundschaftlichen Charakter der Begegnung, zu der sie die Schröders im vergangenen Jahr eingeladen hatten. Ljudmila Putina holte ihre Gäste persönlich am Moskauer Regierungsflughafen Wnukowo 2 ab. Das Kanzlerpaar übernachtete in Putins neuer Vorstadtresidenz. Zu den Besichtigungen am Sonntag in der früheren Zarenresidenz Kolomenskoje und der Klosterstadt Sergijew Possad fuhren die beiden Paare in einem Auto.

          Angebliche Atomwaffen in Kalinigrad „Quatsch“

          Putin wies Berichte über eine angebliche Verlegung russischer Atomwaffen in der Exklave Kaliningrad zurück. Das sei „absoluter Quatsch“, sagte er auf Deutsch bei einem Spaziergang mit den Schröders
          über den Roten Platz in einer Menschenmenge. Auch das russische Außenministerium nannte die angeblichen Erkenntnisse des US- Geheimdienstes unbegründet. „In den Einrichtungen der (Baltischen)
          Flotte gab es solche Waffen nicht, und es sind auch keine dorthin geschafft worden“, erklärte Ministeriumssprecher Alexander Jakowenko.


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