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Kandidaten der Republikaner : Romney und die anderen

  • -Aktualisiert am

Lichtgestalt der Republikaner? Der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, gilt als Favorit bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftskandidatur Bild: dapd

Sarah Palin hat nun auch offiziell erklärt, nicht zu kandidieren. Bei den Republikanern hatte Mitt Romney als Erster seine Ambitionen verkündet, 2012 gegen Präsident Obama anzutreten - und gilt als Favorit bei den Vorwahlen.

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          Die Vernunftehe scheint zu halten. Mitt Romney, der frühere Gouverneur von Massachusetts, war unter den republikanischen Kandidaten der allererste, der seine Ambitionen für die Präsidentenwahlen 2012 offiziell verkündete. Und von Beginn an führte er in allen Umfragen das bald wachsende, bald schrumpfende Feld der republikanischen Bewerber an.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Recht besehen, war Romney schon seit 2008 Kandidat für die Wahlen von 2012. Denn unmittelbar nach seiner Niederlage in den Vorwahlen gegen den - später gegen Barack Obama unterlegenen - Kandidaten John McCain bereitete Romney seinen zweiten Anlauf auf das Weiße Haus vor.

          Chris Christie: „Jetzt ist nicht meine Zeit.“

          Manches spricht dafür, dass es Romney dieses Mal immerhin in die Endausscheidung schafft und im kommenden Jahr tatsächlich Präsident Obama herausfordern kann. Denn in der Nacht zum Mittwoch ließ Chris Christie bei einer Pressekonferenz in Trenton wissen: „Jetzt ist nicht meine Zeit." Der Gouverneur von New Jersey war von vielen Anhängern und zumal von reichen Parteispendern der Republikaner gedrängt worden, doch noch auf das Kandidatenkarussell aufzuspringen. Denn eine innige, gar begeisterte Zuneigung hat sich zwischen den potentiellen Wählern der Republikaner und dem Langzeit-Kandidaten Romney nach all den Jahren noch immer nicht entwickeln wollen.

          Anders als der grundsolide, aber auch ein wenig langweilige Romney ist Christie ein in jeder Hinsicht opulentes Temperamentsbündel. Er versteht es, als eine Art Fiskal-Guerrillero die rechte Basis der Partei und die "Tea Party" zu begeistern, obwohl er in sozialpolitischen Streitfragen wie Abtreibung und Homosexuellenehe die gemäßigten Positionen seines Heimatstaates an der Ostküste vertritt. Christies Entscheidung, es im kommenden Jahr noch nicht als Präsidentschaftskandidat zu versuchen, wird weithin als richtig beurteilt. Denn mit 49 Jahren ist er noch jung genug, um 2016 oder auch 2020 ins Auge zu fassen.

          Die Verfolger lassen nach

          Derweil gibt es heftige Verwerfungen im Feld der Verfolger Romneys. Der Stern des Gouverneurs von Texas, Rick Perry, der Mitte August als vorerst Letzter ins Kandidatenrennen eingestiegen war und das Feld sogleich aufgerollt hatte, ist nach einigen missglückten Debattenauftritten und unbedachten Äußerungen schon deutlich verblasst. Zwar ist Perry noch nicht so weit zurückgefallen wie die Abgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota, die in der Gunst der rechten Kernwähler der Republikaner ebenso rasch nach oben geschossen wie dann wieder abgestürzt war.

          Aber der einstige Unternehmer Herman Cain, der einzige schwarze Kandidat unter den Republikanern, hat mit populären und populistischen Ideen sowie mit glänzenden Debattenauftritten und eloquenten Interviews zu Perry aufgeschlossen.

          Vereinigte Staaten : Sarah Palin kandidiert nicht

          Cain will die Steuerpolitik mit seinem "9-9-9-Plan" radikal vereinfachen. Danach sollen Einkommen- und Unternehmensteuer auf den für alle Lohngruppen und Gewinne einheitlichen Steuersatz von neun Prozent festgelegt werden, während die Steuerausfälle für die Bundesregierung durch eine landesweit einzuführende Umsatzsteuer von ebenfalls neun Prozent ausgeglichen werden sollen. Ob Cain ein Steuer-Messias oder ein Scharlatan ist, bleibt umstritten. Aber man redet über ihn, und das hat ihm bisher nicht geschadet. Aus dem Zweikampf Romney gegen Perry ist ein Dreikampf der beiden mit Cain geworden.

          Die wichtigen Bundesstaaten Florida und South Carolina haben soeben verkündet, dass sie ihre parteiinternen Vorwahlen auf den 31. Januar beziehungsweise gar den 21. Januar vorziehen. Damit werden die traditionellen Auftakte der Vorwahlen in Iowa und New Hampshire schon unmittelbar nach Neujahr 2012 stattfinden.

          Palin tritt nicht an

          Wer jetzt noch nicht im Rennen ist  hat kaum eine Chance mehr, in den verbleibenden drei Monaten genug Spenden zu sammeln und das nötige Personal zu rekrutieren. Und wer in den Umfragen so weit zurückliegt wie die Kandidaten Michele Bachmann, Newt Gingrich, Jon Huntsman, Ron Paul und Rick Santorum, kann kaum mehr aufholen.

          Zur Mitte? Michele Bachmann war kaum noch gefragt, Mitt Romney und Rick Perry (von links) dominierten die Debatte
          Zur Mitte? Michele Bachmann war kaum noch gefragt, Mitt Romney und Rick Perry (von links) dominierten die Debatte : Bild: REUTERS

          Das hat wohl auch die Vizepräsidentschaftskandidatin von 2008, Sarah Palin, bewogen am Mittwoch zu verkünden, dass sie sich entschieden habe, nicht um eine Nominierung bei den Republikanern zu bewerben. Die 47 Jahre alte Palin war bis 2009 Gouverneurin von Alaska. Vor drei Jahren trat sie an der Seite von John McCain an. Zeitweise galt sie als Ikone der populistischen Tea-Party-Bewegung. Sie habe ihre Entscheidung „nach vielen Gebeten und ernsthaftem Nachdenken“ getroffen, erklärte sie. Sie könne ihre politischen Ziele besser als Privatperson ohne politisches Amt verfolgen. Der Schritt, nicht zu kandidieren, war von vielen Republikanern erwartet worden. Vor allem seitdem ihre Konkurrentin Michele Bachmann sich als Kandidatin der Tea-Party-Bewegung zunehmend profiliert. In Umfragen war Palin schon seit Monaten zurückgefallen.

          Mehrheit glaubt nicht an zweite Amtszeit von Obama

          Eine schwere Aufholjagd steht auch einem anderen Kandidaten noch bevor. Präsident Barack Obama hat sich soeben offiziell zum Außenseiter für die Wahlen im November 2012 erklärt. Immerhin darin weiß er eine Mehrheit der Amerikaner hinter sich: In einer Umfrage des Senders ABC äußerten nur 37 Prozent der Befragten die Ansicht, der Präsident werde für eine zweite Amtszeit bestätigt.

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