https://www.faz.net/-gpf-6li3m

Anschlag von Stockholm : Polizei identifiziert Attentäter: „Hatte vermutlich Helfer“

  • Aktualisiert am

Durchsuchungen in Großbritannien: Der mutmaßliche Täter könnte sich zeitweilig in einem Haus nördlich von London aufgehalten haben Bild: dapd

Der Anschlag in Stockholm sei „zwar missglückt, aber gut vorbereitet gewesen“ - die schwedische Polizei hält es für wahrscheinlich, dass der Selbstmordattentäter Helfer hatte. Der 28 Jahre alte schwedische Staatsbürger irakischer Herkunft lebte und studierte seit Jahren in England.

          3 Min.

          Die schwedische Staatsanwaltschaft hat die Identität des Selbstmordattentäters vom Samstag mit weitgehender Sicherheit bestätigt. Zu „98 Prozent“ sei davon auszugehen, dass es sich bei dem Täter um Taimur Abdel Wahab handele, sagte Staatsanwalt Tomas Lindstrand am Montag in Stockholm.

          Das Attentat sei zwar missglückt, aber „gut vorbereitet“ gewesen. Die Ermittler gingen deshalb davon aus, dass der Attentäter Helfer gehabt habe. Es gebe aber bisher keine konkret Verdächtigen. „Wir müssen davon ausgehen, dass er mit mehreren Leuten arbeitete“, sagte Lindstrand. Vermutlich sei der Selbstmordanschlag fehlgeschlagen, weil der Sprengsatz zu früh explodiert sei.

          Bei dem Anschlag in der Stockholmer Einkaufszone hatte sich der 28 Jahre alte Mann am Samstag selbst in die Luft gesprengt. Bei der von ihm kurz zuvor ausgelösten Explosion seines Autos wurden zwei Passanten leicht verletzt.

          Scharfe Kontrollen: Polizisten patrouillieren auf der Stockholmer Einkaufsstraße Drottninggatan

          Der Name des Täters war nach dem Anschlag auf einer islamistischen Internetseite veröffentlicht worden. Nach Angaben der britischen Presse stammt Taimur Abdel Wahab ursprünglich aus dem Irak. 1992 sei er von Bagdad nach Schweden gezogen, bevor er 2001 zum Studium nach England gegangen sei. Er soll im britischen Luton gelebt und an der Universität von Bedfordshire studiert haben. Laut der schwedischen Staatsanwaltschaft leben auch seine Frau und seine drei Kinder auf der Insel.

          Der Attentäter war der Polizei und dem für die Terrorbekämpfung zuständigen Sicherheitsdienst Säpo bis zu dem Anschlag „völlig unbekannt“. Lindstrand sagte weiter, dass man dessen genaues Ziel nicht kenne. Es gebe Vermutungen, dass der Täter auf dem Weg zum Stockholmer Hauptbahnhof oder in ein bekanntes Kaufhaus gewesen sei, als eine Rohrbombe an seinem Körper wahrscheinlich versehentlich explodierte. „Der Mann war mit Bombenmaterial sehr gut ausgerüstet“, sagte Lindstrand. Deshalb könne man vermuten, dass er den Tod von sehr vielen Menschen verursachen wollte.

          Durchsuchungen in Großbritannien

          Der Mann habe vor seiner Tat in einer E-Mail Bezug auf den Dschihad und den Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan genommen. Nach Angaben der schwedischen Nachrichtenagentur TT war dort rund zehn Minuten vor dem Anschlag am Samstag eine E-Mail mit einer Drohung ein, die auf einen islamistischen Hintergrund schließen ließ. Bei dem Absender der Nachricht und dem später bei einem Selbstmordanschlag getöteten Mann handele es sich um ein und dieselbe Person, teilte eine Sprecherin der schwedischen Polizei mit..

          Im Zusammenhang mit dem Selbstmordanschlag von Stockholm hatte die britische Polizei in der Nacht zum Montag nördlich von London ein Haus durchsucht. Wie Scotland Yard mitteilte, fand der Einsatz kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Zeit in der Grafschaft Bedfordshire statt. Es habe keine Festnahmen gegeben. Auch habe man kein gefährliches Material sichergestellt, berichtete die Nachrichtenagentur PA.

          Weitere Themen

          „Das Deutschland, so wie ich es möchte“ Video-Seite öffnen

          Videokommentar : „Das Deutschland, so wie ich es möchte“

          Sie kam, sie sprach und sie siegte in einer plötzlichen Flucht nach vorn: Annegret Kramp-Karrenbauer hielt eine Parteitagsrede, wie sie sonst Bundeskanzler zu halten pflegen, kommentiert F.A.Z.-Korrespondent Eckart Lohse aus Leipzig.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.