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Kampf gegen Rebellen : Ruandische Soldaten in Kongo eingerückt

  • -Aktualisiert am

Soldaten beim Passieren eines Checkpoints am Rande Gomas Bild: AFP

Mehr als 1500 ruandische Soldaten haben am Dienstag die Grenze zu Kongo überquert. Dabei soll es sich um ruandische Offiziere mit ihren Schutztruppen handeln, die der kongolesischen Armee im Kampf gegen die FDLR-Rebellen unterstützen.

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          Zwischen 1500 und 2000 ruandische Soldaten haben am Dienstag die Grenze nach Kongo überquert. Das bestätigten sowohl die kongolesische Regierung als auch die UN-Mission für Kongo, Monuc. Nach Angaben des kongolesischen Informationsministers Lambert Mende handelt es sich dabei um ruandische Offiziere mit ihren Schutztruppen, die der kongolesischen Armee im Kampf gegen die Rebellen der „Front Démocratique pour la Libération du Rwanda“ (FDLR) unterstützen sollen.

          Die Ruander seien allerdings nur „Beobachter“, sagte Mende. Unklar ist, ob die Monuc die Militäraktion unterstützt. Während Mende dies bejahte, sagte ein UN-Sprecher in der Hauptstadt Kinshasa, die Monuc sei nicht in die Planung dieser Aktion involviert gewesen.

          Kongolesische Armee blockiert Straßen

          Die kongolesische und die ruandische Regierung hatten sich Anfang Dezember vergangenen Jahres auf eine gemeinsame Militäraktion gegen die FDLR geeinigt, deren Präsenz als Haupthindernis für einen dauerhaften Frieden in den beiden ostkongolesischen Provinzen Nord- und Südkivu gilt.

          Augenzeugen berichteten am Dienstag, die Ruander hätten zunächst in der Ortschaft Kibati unweit der Provinzhauptstadt Goma Station gemacht, bevor sie nach Norden in Richtung Rutshuru gefahren seien. Seither hindere die kongolesische Armee alle Fahrzeuge – einschließlich UN-Fahrzeuge – daran, die Straße von Goma nach Rutshuru zu benutzen.

          In Rutshuru befindet sich das Hauptquartier des kongolesischen Rebellenführers Laurent Nkunda, der sich seit nahezu einem Jahr einen Krieg mit den kongolesischen Streitkräften liefert, denen er Zusammenarbeit mit der FDLR unterstellt. Vor wenigen Tagen aber hatten sich nahezu alle Offiziere des Rebellengenerals von ihm abgewandt und sich und ihre Truppen den regulären Streitkräften unterstellt.

          Zwiespältiges Verhältnis zur FDLR

          Dieses maßgeblich vom ruandischen Geheimdienst und Emissären der Regierung in Kinshasa eingefädelte Überlaufen war am Freitag vergangener Woche eine Art Friedensabkommen zwischen dem abtrünnigen Teil der Nkunda-Truppe und der regierungsnahen Miliz Pareco gefolgt. In dem in Goma vereinbarten Abkommen heißt es, alle Kräfte sollen nunmehr für den Kampf gegen die FDLR gebündelt werden.

          Die FDLR rekrutiert sich aus den Teilen der ruandischen Armee sowie der Milizen der „Interahamwe“, die für den Völkermord 1994 in Ruanda verantwortlich sind. Als sich Niederlage der Hutu-Extremisten gegen die Rebellenarmee der ruandischen Tutsi abzeichnete, flohen diese nach Kongo, wo sie seither die Bevölkerung terrorisieren.

          Nkunda, der der kongolesischen Tutsi-Minderheit der Banymulenge angehört, hatte seinen Kampf stets mit der Präsenz der Hutu-Extremisten in Ostkongo gerechtfertigt. Die Regierung in Kinshasa wiederum unterhält seit Jahren ein zwiespältiges Verhältnis zur FDLR: Einerseits wäre sie die ruandischen Extremisten gerne los, weil sie politisch zu einer Last geworden sind. Andererseits unterstützt sie sie mit Waffenlieferungen, um Nkunda zu besiegen. Die Neutralisierung der FDLR ist maßgebliche Forderung des Nachbarlandes Ruanda für eine Normalisierung der Beziehungen.

          600 Morde allein an Weihnachten

          Gleichwohl ist die ruandische Militärpräsenz in Kongo nicht ohne Brisanz. Zwei Mal, 1996 und 1998, war die ruandische Armee in Kongo einmarschiert, und beide Invasionen waren mit der Notwendigkeit begründet worden, die FDLR auszuschalten, weil diese die ruandische Sicherheit bedrohe. Trotz ihrer Überlegenheit aber konnte die ruandische Armee der je nach Quelle auf 6000 bis 13 000 Mann geschätzten FDLR-Truppe keine entscheidende Niederlage beibringen, während sich die ruandische Militärführung gleichzeitig an die illegale Ausbeutung der kongolesischen Bodenschätze machte.

          Damals war viel darüber spekuliert worden, ob die FDLR Ruanda lediglich als Vorwand diene, kongolesische Rohstoffe zu stehlen.

          Die jüngste Militärhilfe aus Ruanda folgt dem Schema einer ähnlichen Mission in Nordostkongo, wo seit mehreren Wochen Truppen aus Kongo, Uganda und der autonomen Region Südsudan gegen die aus Uganda stammenden Rebellen der „Lord’s Resistance Army“ (LRA) vorgehen. Diese Aktion hat indes verheerende Auswirkungen. Die LRA hatte als Vergeltungsaktion alleine an Weihnachten mehr als 600 Menschen ermordet, ohne dass die Koalition einer Eliminierung des LRA-Führers Joseph Kony ein Stück nähergekommen wäre.

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