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IS-Anschlag auf Flugzeug : „Wir werden sie an jeder Ecke des Planeten finden“

Bild: AP

Russland ist sich jetzt sicher: Der „Islamische Staat“ hat einen Terroranschlag auf die abgestürzte Passagiermaschine über dem Sinai verübt. Präsident Putin reagiert mit markiger Rhetorik - und schwört unerbittliche Rache.

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          Russland geht nun auch offiziell davon aus, dass ein Terroranschlag zum Absturz des russischen Passagierflugzeugs am 31. Oktober über der Sinai-Halbinsel geführt hat. Es sei ein selbstgemachter Sprengsatz mit einer Sprengkraft von bis zu einem Kilogramm TNT an Bord detoniert, sagte der Leiter des Geheimdienstes FSB, Alexander Bortnikow, am Montagabend auf einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats mit Präsident Wladimir Putin. „Spuren eines Sprengstoffs ausländischer Herstellung“ seien entdeckt worden, sagte Bortnikow zu Beginn der Sitzung, die der Kreml erst am Dienstagmorgen bekanntgab.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Im Anschluss an die Explosion sei der Airbus 321 in der Luft auseinandergebrochen, so erkläre sich die breite Streuung der Trümmer auf dem Boden. „Man kann eindeutig sagen, das ist ein terroristischer Anschlag.“

          Direkt nach dem Anschlag hatten sich Dschihadisten, die sich als „Sinai-Provinz“ der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) bezeichnen, damit gebrüstet, das Flugzeug mit 224 Menschen an Bord zum Absturz gebracht zu haben, als Vergeltung für Russlands Militäroperation in Syrien. Später folgte eine weitere Selbstbezichtigung des IS.

          Nach und nach mehrten sich die Anzeichen, dass eine Bombe an Bord detoniert war, westliche Regierungen strichen die Flüge nach Ägypten. Derweil warnte die russische Führung vor „voreiligen Schlüssen“ und „Spekulationen“. Putins Sprecher forderte, den Absturz nicht mit Russlands Militäreinsatz in Syrien in Verbindung zu bringen, was die weisungsgebundenen Kremlmedien befolgten.

          Putin: „Barbarische terroristische Verbrechen“

          Sechs Tage nach dem Absturz ordnete Putin dann aber an, den russischen Flugverkehr mit Ägypten vorerst einzustellen. Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew sagte bald darauf, ein Terroranschlag sei „natürlich“ eine Möglichkeit, doch weiterhin hieß es offiziell in Moskau, das sei lediglich „eine Version“ für das Geschehen.

          Das Staatsfernsehen zeigte am Dienstagmorgen, wie Putin nach Bortnikows Bericht über das Ergebnis der Analyse der Gegenstände der Opfer und der Trümmer die anwesenden Amtsträger, unter ihnen Verteidigungsminister Sergej Schojgu und Außenminister Sergej Lawrow, anwies, sich zu erheben.

          Dann sagte der Präsident, Russland habe es nicht zum ersten Mal mit „barbarischen terroristischen Verbrechen“ zu tun, die „meistens ohne jeden ersichtlichen Grund, äußeren oder inneren“, verübt worden seien.

          Als Beispiel erwähnte er den Anschlag auf den Bahnhof von Wolgograd im Dezember 2013, bei dem 18 Menschen getötet und 45 weitere verletzt wurden. Nichts und niemand sei vergessen worden, sagte Putin. „Der Mord an unseren Leuten auf dem Sinai“ sei mit Blick auf die Zahl der Opfer eines der blutigsten Verbrechen.

          „Unsere Rache ist unausweichlich“

          Putin versprach, die Terroristen „überall zu suchen, wo sie sich auch verstecken. Wir werden sie an jeder Ecke des Planeten finden und bestrafen.“ Es gelte, nun bei „Leuten Unterstützung zu suchen, die unsere moralischen und sittlichen Werte teilen, die unserer Politik zugrunde liegen, in diesem Fall der Außen- und Sicherheitspolitik, der Politik des Kampfs gegen den Terrorismus“. Die Militäroperation in Syrien müsse „nicht einfach weitergeführt“, sondern „so verstärkt werden, dass die Verbrecher verstehen, dass die Rache unausweichlich ist“.

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