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IS-Terror in Frankreich : Wer sind die Attentäter von Paris?

  • Aktualisiert am

Gilt den Behörden als Drahtzieher hinter den Attacken: der Belgier Abdelhamid Abaaoud Bild: AFP

Die Untersuchungen der französischen Ermittler konzentrieren sich auf acht Männer, die für die Terroranschläge von Paris verantwortlich sein sollen. Was ist derzeit über sie bekannt? Eine Übersicht.

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          Nach den Anschlägen in Paris mit mindestens 129 Toten haben die französischen Ermittler eine Reihe von Personen benannt, die die von der Terrorgruppe „Islamischer Staat“ verantworteten Anschläge ausgeführt haben oder in an ihrer Organisation beteiligt gewesen sein könnten.

          Die Identitäten zweier bei den Attacken zu Tode gekommenen Terroristen konnten bislang noch nicht geklärt werden. Über diese acht Männer liegen hingegen bereits zum Teil detaillierte Informationen vor:

          • Salah Abdeslam
          Salah Abdeslam

          Der 26 Jahre alte Franzose gilt als ein Hauptverdächtiger, nach ihm wird europaweit gefahndet. Er soll in Belgien den VW Polo gemietet haben, der nach den Anschlägen nahe des Musikclubs „Bataclan“ gefunden wurde, wo am Freitagabend 89 Menschen starben.

          Am Samstag war Salah Abdeslam mit zwei anderen Männern in einem Auto von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai angehalten, jedoch trotz Kontrolle nicht festgehalten worden. Es ist unklar, ob die Behörden zu diesem Zeitpunkt von dem Fund des verdächtigen Autos wussten.

          Die Polizei stuft Abdeslam als gefährlich ein und warnte bei der Veröffentlichung seines Fahndungsfotos davor, sich ihm zu nähern. Er soll der Polizei vor den Anschlägen bekannt gewesen sein.

          • Brahim Abdeslam

          Der Bruder des gesuchten Salah Abdeslam war einer der Attentäter im Musikclub „Bataclan“. Er starb, nachdem er seinen Sprengstoffgürtel gezündet hatte.

          Der 31 Jahre alte Mann hatte vor den Anschlägen einen Seat gemietet, der später gefunden wurde.

          Schon früher hatte er einige Einträge in Polizeiakten gesammelt, etwa 2010 und 2011. Er soll an der Seite Abdelhamid Abaaouds in Erscheinung getreten sein, der als mutmaßlicher Drahtzieher hinter der Anschlagserie gilt.

          Laut der belgischen Tageszeitung „De Standaard“ sehen Ermittler in Brahim Abdeslam auch eine Verbindung zu den Anschlägen vom vergangenen Januar. Kurz nach den Anschlägen auf die Redaktion von “Charlie Hebdo“ in Paris erschossen Sicherheitskräfte in der belgischen Stadt Verviers zwei militante Islamisten, die verdächtigt wurden, belgische Polizisten töten zu wollen.

          Sowohl Brahim Abdeslam als auch der gesuchte Abdelhamid Abaaoud lebten im Brüsseler Stadtteil Molenbeek, der als Dschihadisten-Hochburg gilt.

          Berichten zufolge betrieb Abdeslam in Brüssel eine Kneipe, die wegen Drogenkonsums der Gäste geschlossen wurde. Das „Les Béguines“ im Bezirk Molenbeek wurde Anfang November für fünf Monate dichtgemacht. Der Anordnung der Behörden zufolge, die an der Eingangstür der Bar befestigt wurde, war sie ein „Ort des Drogenkonsums“.

          • Abdelhamid Abaaoud
          Gilt den Behörden als Drahtzieher hinter den Attacken: der Belgier Abdelhamid Abaaoud

          Der 27 Jahre alte belgische Dschihadist soll den Ermittlern zufolge der mutmaßliche Drahtzieher hinter den Anschlägen von Paris sein. Bislang ist wenig über ihn bekannt. Aufgewachsen ist der Belgier mit marokkanischen Wurzeln im Stadtteil Molenbeek in Brüssel, in dem bereits mehrere gewaltbereite Islamisten verortet worden sind.

          Vermutet wird, dass er in Syrien für den „Islamischen Staat“ gekämpft hat. So sei er auch in mehreren IS-Propaganda-Videos zu sehen gewesen sein – eines zeige ihn am Steuer eines Autos, das vier verstümmelte Leichen hinter sich herzieht. Auch der 13 Jahre alte Bruder Abaaouds soll ihm nach Syrien gefolgt sein. Abaaoud soll, ebenso wie Brahim Abdeslam, in Verbindung mit dem geplanten Attentat auf belgische Polizisten im Januar dieses Jahres stehen. Im Juli verurteilten ihn die belgischen Behörden trotz Abwesenheit zu 20 Jahren Haft.

          • Omar Ismail Mostefai

          Der 29 Jahre alte Franzose starb bei der Stürmung des Musikclubs „Bataclan“ durch die französischen Einsatzkräfte. Er hatte nahe Paris gelebt, in Courcouronnes und Chartres.

          Ein türkischer Beamter bestätigte dem britischen Sender BBC, dass Mostefai 2013 in die Türkei gereist sei und es keinen amtlichen Beleg für das Verlassen des Landes gebe. Der Beamte, der anonym bleiben wollte, berichtete weiter, dass der Türkei seit Oktober 2014 eine Informationsanfrage der französischen Behörden in Bezug auf vier Terrorverdächtige vorgelegen habe. Während der offiziellen Untersuchung hätten die türkischen Behörden eine fünfte Person identifiziert, Omar Ismail Mostefai. Zweimal seien die französischen Kollegen darüber informiert worden, im Dezember 2014 und im Juni 2015, jedoch ohne Reaktion. Erst nach den Anschlägen vom vergangenen Freitag haben dem Beamten zufolge die Behörden in der Türkei ein Auskunftsgesuch der Franzosen über Mostefai erhalten.

          • Ahmad al-Mohammad
          Ahmad al-Mohammad

          Mutmaßlich ein 25 Jahre alter Syrer, der aus der Stadt Idlib stammen soll: einer der Selbstmordattentäter, die sich vor dem Fußballstadion „Stade de France“ selbst in die Luft sprengten. In der Nähe seiner sterblichen Überreste wurde ein syrischer Pass gefunden. Die Echtheit des Passes ist jedoch weiterhin nicht bestätigt.

          Beim Abgleich der Fingerabdrücke stellte sich heraus, dass sich der Attentäter am 3. Oktober als Flüchtling auf der griechischen Insel Leros registrieren ließ und von dort aus weiter nach Serbien reiste, wo er einen Asylantrag stellte und den Weg nach Kroatien antrat. Wie er nach Westeuropa gelangte, ist unklar.

          • Bilal Hadfi

          Der 20 Jahre alte Mann soll ebenfalls einer der Männer sein, der sich vor dem „Stade de France“ mithilfe eines Sprengstoffgürtels in die Luft sprengten.

          Er war französischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Belgien. Einigen Berichten zufolge soll Hadfi bereits für den „Islamischen Staat“ in Syrien gekämpft haben.

          • Samy Amimour
          Samy Amimour

          Der 28 Jahre alte Amimour starb durch die Zündung eines Sprengstoffgürtels im Pariser Musikclub „Bataclan“. Der Franzose lebte in Drancy in der Nähe von Paris und soll dem französischen Geheimdienst bekannt gewesen sein.

          Nachdem der Verdacht aufkam, er plane seine Ausreise in den Jemen, wurde gegen ihn wegen Mitgliedschaft in einer terroristischer Vereinigung ermittelt, fortan wurde er richterlich überwacht. Nachdem es ihm gelungen war, dem Radar der Behörden zu entwischen, wurde internationaler Haftbefehl gegen Amimour erlassen. Drei Verwandte des Mannes sollen nach den Attentaten von Paris verhaftet worden sein.

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