https://www.faz.net/-gpf-8ergo

Islamischer Staat : Video zeigt grausamen Alltag in IS-Hochburg Raqqa

  • -Aktualisiert am

Straßenszene aus Raqqa, Screenshot aus dem auf der Internetseite von Expressen veröffentlichten Video Bild: Expressen TV

Vollverschleierung und Unterdrückung prägen das Leben von Frauen unter der Schreckensherrschaft des islamischen Staates. Jetzt geben heimlich aufgenommene Videoaufnahmen von zwei Syrerinnen Einblicke in den Alltag in einer IS-Hochburg.

          Die Grausamkeit des Islamischen Staates (IS) wird für den Westen meist nur dann sichtbar, wenn ein „Ungläubiger“ seinen Kopf verliert. Dann nämlich hat die Propagandamaschinerie der Islamisten wieder einen verwackelten Videoclip ins Internet gestellt – und die westlichen Medien greifen gerne darauf zurück, um mit den Hinrichtungen die Gräueltaten des IS zu beschreiben. Doch die Schreckensherrschaft des IS zeigt sich auch fernab dieser Propagandabeiträge. Zwei Frauen in Syrien ist es gelungen, heimlich Videoaufnahmen in Raqqa, einer der Hauptstädte des Terrorregimes, zu machen. In dem Clip zeigen sie, wie die Islamisten Einfluss auf das alltägliche Leben in den vom IS besetzten Gebieten in Syrien nehmen (Hinweis der Redaktion: das Video zeigt Szenen brutaler Gewalt).

          „Ich will die Vollverschleierung endlich wieder loswerden und die Dunkelheit, die uns umhüllt“, sagt eine von ihnen. „Ich will leben, wie ich will. Ich will allein aus dem Haus gehen können, in Freiheit, ohne einen männlichen Begleiter,“ berichtet eine der Syrerinnen. In von dem IS kontrollierten Gebieten dürfen sich Frauen nur mit einer Burka bekleidet bewegen – und auch nur, wenn ein Mann sie begleitet.

          Das Video, das die Frauen heimlich mit einer Kamera und Mikrofon unter ihrer Vollverschleierung haben aufnehmen können, wurde zunächst vom schwedischen Fernsehkanal „Expressen TV" veröffentlicht, nun hat es der amerikanische TV-Sender „CNN" mit englischen Untertiteln veröffentlicht.

          Vollverschleierung auch für kleine Mädchen

          Die beiden Syrerinnen bleiben im Video anonym, als Verräterinnen droht ihnen der Tod, sollte ihre Identität aufgedeckt werden. Dennoch machten sie sich mit der Kamera auf den Weg durch die von Krieg und Terror gezeichnete Stadt. Der Zuschauer erlebt eigentlich Alltägliches, das in Rakka zu einer islamistischen Perversion entartet ist: In einer Drogerie fragen die Frauen nach einem Haarfärbemittel. Der Verkäufer zeigt auf ein Regal. Dort sind die Bilder der Frauen auf den Verpackungen mit einem Filzstift übermalt worden. Ob der Verkäufer das hätte tun müssen, fragen sie noch, und der Verkäufer antwortet „Ja, mussten wir“. „Alle Frauen wollen ihr Gesicht zeigen. Doch wir haben die Möglichkeit verloren. Wir haben unsere Weiblichkeit verloren“, sagt eine der Frauen dazu.

          Die Gesichter der Frauen auf den Verpackungen wurden mit Filzstift übermalt

          Früher war Raqqa eine liberale Stadt in Syrien, heute leiden besonders Frauen unter den terroristischen Besatzern. Eine Autofahrt zeigt das anschaulich. Frauen wie die beiden Syrerinnen dürfen ohne männliche Begleitung nicht in ein Taxi steigen. „Sie würden das Auto stoppen und einen mit 30 Peitschenhieben bestrafen. Auch die Frau würde sie bestrafen", erklärt der Fahrer, „Sie“, das sind die Terroristen des IS. Der Taxifahrer klagt ebenfalls über den Alltag unter dem Terrorregime. Für seine Tochter, noch ein kleines Mädchen, hätte er ebenfalls eine Vollverschleierung kaufen müssen. Würde er es nicht, drohe ihnen beiden Gewalt.

          Doch auch Hinrichtungen gehören zum Leben in Raqqa, wie die beiden Frauen im Video berichten. Sie erinnern sich an die Exekution eines jungen Mannes. „Sie haben ihn erst mit Schüssen getötet, ihn geköpft und den Kopf aufgespießt, damit ihn jeder in der Umgebung sieht. Den Körper haben sie auf eine Straße geworfen und Autofahrer aufgefordert so lange darüber zu fahren, bis nichts mehr von ihm übrig ist.“

          Weitere Themen

          Im Smarthome auf Verbrecherjagd? Video-Seite öffnen

          Innenministerkonferenz : Im Smarthome auf Verbrecherjagd?

          Der Nutzung von Alexa oder Siri zur Überwachung Verdächtiger hat die Innenministerkonferenz in Kiel eine Absage erteilt. Andere Themen der Konferenz waren unter anderem die Bekämpfung der Clan-Kriminalität und des Kindesmissbrauchs.

          Topmeldungen

          Mutmaßliche Angriffe im Golf : Tanker, Lügen – und Videofilme

          Es gibt viele Deutungen der jüngsten Vorfälle im Golf von Oman. Ironischerweise gewinnt in der gegenwärtigen Krise Amerikas Position gegenüber Iran an Glaubwürdigkeit – gerade durch den Faktor Trump.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.