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Unterwegs in Paris : Angst in der Stadt der Liebe

Im Internet werden die Pariser dazu aufgerufen, alle ins Bistro („Tous au bistrot“) zu gehen. Der Chef der Comédie-Française, Éric Ruf, sagt: „Wer Theater liebt, liebt das Leben.“ Er will, dass alle so weiterleben wie bisher, dass sie ausgehen und sich vergnügen, dass sie ein Glas Rotwein trinken und tanzen, Rockmusik hören und lachen. „Lass uns die Dschihadisten narren, die in Paris die Hauptstadt der Perversion sehen“, plädiert er.

Aber geht das? Im Museum am Quai Branly steht eine Frau mit dunklem Kopftuch am Rednerpult. Sie heißt Latifa Ibn Ziaten, sie ist Muslimin und stammt aus Marokko. „Ich bin stolz, Französin zu sein, ich verdanke Frankreich alles“, sagt sie. François Hollande sitzt vor ihr und nickt.

„Wir müssen die Gettos öffnen“

Der Terrorist Mohamed Merah, der erste in der inzwischen langen Reihe von französischen Dschihadisten, hat 2012 ihren Sohn ermordet. Imad Ibn Ziaten hatte nur sein Motorrad verkaufen wollen, Merah erschoss ihn, weil er in der französischen Armee als Soldat diente. „Imad war stolz, die französische Uniform zu tragen“, erinnert sich die Mutter und sagt: „Er ist aufrechten Hauptes gestorben.“ Merah hatte ihrem Sohn befohlen, sich auf den Boden zu knien, aber er weigerte sich. Der Mutter kullert eine Träne über die Wange.

Seit drei Jahren müht sie sich, der Radikalisierung in den von jungen Muslimen bevölkerten Vorstädten entgegenzuwirken. Für diesen Einsatz hat sie den Preis der Chirac-Stiftung „zur Konfliktprävention“ verliehen bekommen. „Frankreich geht es schlecht“, sagt sie statt einer Danksagung. Ihre fünf Kinder habe sie „in Würde“ und „im Glauben an die republikanischen Werte“ erzogen. „Aber schauen Sie sich die Schulen an. In den Klassenzimmern sind 95 Prozent der nordafrikanischen Kinder unter sich. Sie können sich nicht integrieren, sie können Frankreich nicht lieben“, sagt sie. „Wir müssen die Gettos öffnen“, sagt sie. Es verwundere sie nicht, sagt sie, dass sich auch junge Frauen in islamistische Selbstmordattentäterinnen verwandeln. „Ich habe Mütter gesprochen, die ihre Kinder im Hass auf Frankreich erziehen.“

Die Moschee von Paris mit dem 30 Meter hohen filigran verzierten Minarett ist seit 90 Jahren das Wahrzeichen des Islams in der Hauptstadt. Der Rektor der Moschee, Dalil Boubakeur, hatte seine Glaubensbrüder aufgerufen, am Freitag „Nein zum Terrorismus“ zu sagen und vor der Moschee zu demonstrieren. Doch in letzter Minute wurde die Versammlung abgesagt. „Für die Sicherheit kann nicht garantiert werden“, sagt Boubakeur.

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