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Unterwegs in Paris : Angst in der Stadt der Liebe

Die Statue von Charles de Gaulle vor dem Grand Palais steht im Regen, süßliche Glühweinschwaden vom Weihnachtsmarkt ziehen vorbei. Auf den Sockel sind die berühmten Worte des Generals geschrieben: „Paris verwundet, Paris gebrochen, Paris gemartert – aber Paris befreit.“ Krieg, das war ein Wort, vor dem sich der Republikgründer hütete. 1,7 Millionen Franzosen wurden zwischen 1954 und 1962 an die Front in den drei Départements auf algerischen Boden entsendet, 25000 fielen, aber dennoch durfte nur von „den Ereignissen“ gesprochen werden. Offiziell gibt es den „Krieg“ in Algerien erst seit 1999, als die Nationalversammlung einem entsprechenden Gesetzentwurf zustimmte.

Die Erfolgsformel der Weltmeister von 1998: Weiß, schwarz, arabisch

21 Uhr 20. Das war die Uhrzeit, zu der sich der erste Selbstmordattentäter am Stade de France in die Luft sprengte. Am Freitag ist es der Zeitpunkt, an dem überall in Paris Kerzen entzündet werden, in Restaurants und Cafés, in Wohnzimmern und auf der Straße. Die Initiative geht von Schauspielern und Künstlern aus. „Die Mörder des Islamischen Staates haben unser Leben angegriffen. Sie wollen, dass unser Licht erlischt. Wir sagen nein“, sagt Charles Aznavour, der in seinen Chansons die französische Lebensfreude besungen hat. Der Eiffelturm leuchtet im Blau-Weiß-Rot der Nationalfahne. An den französischen Mittelschulen soll der Lateinunterricht abgeschafft werden, aber an die berühmtesten Sehenswürdigkeit von Paris lässt die Bürgermeisterin „Fluctuat nec mergitur“ schreiben. Vor dem Stade de France haben sich 3000 Menschen mit weißen Rosen versammelt.

Der Bürgermeister von Saint-Denis, der Kommunist Didier Paillard, liest die Namen der 129 Opfer der Terroranschläge vor. 1998 wurde das gerade eingeweihte Stadion zur Siegesarena für die freudentaumelnde Nation, als Frankreich im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft Brasilien mit 3:0 schlug. Jetzt ist es das Symbol von Trauer, Schrecken und Verunsicherung. Der Fußballweltmeister zweifelte damals nicht. „Blanc, black, beur“, weiß, schwarz, arabisch, lautete die Erfolgsformel für die Nationalelf.

Das schien auch für den Zusammenhalt in der Einwanderungsgesellschaft zu stehen. Fortan aber begegnen viele einander mit Misstrauen. „Hand in Hand“ lautet ein Versuch, sich gegen die Furcht zu stemmen. Über die sozialen Netzwerke haben sich Zigtausende von Parisern unter diesem Stichwort verabredet, sich jeweils um 21 Uhr 20 die Hand zu reichen, zusammenzustehen gegen die Angst.

Leute meiden öffentliche Verkehrsmittel, Kaufhäuser sind halbleer

„Wehrhaft“ hat der Präsident die Franzosen genannt, und das klang ein bisschen verstaubt. Der Alltag spricht eine andere Sprache. Noch nie gab es so viele Staus um die Hauptstadt wie in den Tagen nach den Terroranschlägen. 530 Kilometer meldet die nationale Straßenwacht, statt der üblichen 237 Kilometer. Die Leute meiden die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Kaufhäuser am Boulevard Haussmann, „Les Galeries Lafayette“ und „Le Printemps“, haben etwa die Hälfte ihrer Kundschaft seit den Attentaten verloren, meldet die Presse. Das berühmte Restaurant „Bofinger“ unweit der Bastille war in den vergangenen Tagen halb leer.

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