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TV-Kritik: Plasberg und Illner : Tarnen sich Terroristen als Flüchtlinge?

  • -Aktualisiert am

TV-Moderator Frank Plasberg Bild: WDR/Klaus Görgen

ARD und ZDF schicken ihre Talkrunden mit Sonderausgaben zum Terror auf Sendung. Frank Plasberg zeigt sich verunsichert: „Wenn wir nicht wissen, wer hier ist, können Sie mir auch nicht sagen, wir brauchten keine Angst zu haben.“

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          Am Freitagabend machten Menschen in Paris das, was Menschen an einem Wochenende unternehmen. Sie gingen in ein Restaurant oder in ein Café, sie besuchten ein Konzert oder ein Sportereignis. Sie alle hatten schon von der Chiffre "9/11" gehört, der abstrakten Gefahr von Terroranschlägen. In Paris war sie im Januar mit den Morden in der Redaktion von "Charlie Hebdo" und einem jüdischen Supermarkt abermals konkret geworden.

          Freitagnacht fielen mehr als 120 Menschen an sechs verschiedenen Orten in Paris einem Massaker zum Opfer. 350 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Es war ein wahlloses Töten, das an die Tat von Anders Breivik erinnerte. Den eigenen Tod nahmen die Attentäter von Paris aber im Gegensatz zu dem norwegischen Rechtsextremisten bewusst in Kauf. Niemanden kann die Verunsicherung erstaunen, die dieser Massenmord bei den Bürgern in Europa hinterlässt. Die Fernsehsender reagieren entsprechend: mit Sondersendungen, um das Geschehen zu rekonstruieren, und um der Verunsicherung durch Einordnung etwas entgegenzusetzen. Es sollen schließlich weder Angst noch Panik herrschen.

          Es war es eine denkwürdige Premiere, dass ARD und ZDF an einem Samstagabend Sonderausgaben ihrer Talkformate brachten. Frank Plasberg und Maybrit Illner hatten Gäste wie den Bundesjustizminister Heiko Maas oder den Ratsvorsitzenden der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, eingeladen. Alle warnten vor falschen Zungenschlägen und fanden schnell scheinbar passende Worte: Diese Attentate seien ein Angriff auf die Freiheit und unseren Lebensstil. Es wurden Bedenken geäußert, militärisch zu reagieren. Man dürfe Muslime oder Flüchtlinge nicht unter einen Generalverdacht stellen. Es gebe keine absolute Sicherheit, wolle man die Freiheit bewahren. Die Instrumentalisierung der Anschläge durch die politische Rechte sei besorgniserregend. Es waren die gleichen Worte, die schon im Januar zu hören waren. Oder in den Jahren nach 9/11, wenn in Europa ein Terroranschlag passiert war. Es hat sich nichts geändert.

          Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

          Anne Mailliet, Korrespondentin des französischen Nachrichtensenders France 24 in Deutschland, nannte einen Unterschied zum Januar, als der Anschlag auf "Charlie Hebdo" geschah: Viele Pariser sprächen jetzt von Krieg. Angesichts eines Anschlages, der nicht mehr einer spezifischen Gruppe galt, ist das nachvollziehbar. Jeder konnte am Freitag massakriert werden. Er musste lediglich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein. Das verändert die Sichtweise auf ein solches Ereignis. In Europa hat man bisher mit der Gewissheit gelebt, damit nicht wie in Bagdad oder Kabul rechnen zu müssen.

          Harald Kujat, der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, machte bei Maybrit Illner auf einen wichtigen Aspekt aufmerksam: Die Attentäter handelten "hochprofessionell" und gingen fast militärisch vor. Allerdings sei ein Massenmord kein militärisches Ziel. Der Londoner Terrorismusforscher Peter Neumann hatte das zuvor im "heute journal" so ausgedrückt: Kaum jemand habe dem IS ein solches Vorgehen zugetraut, eher rechneten die meisten Experten mit den berühmten "einsamen Wölfen", den radikalisierten Einzeltätern. Kein Wunder, schließlich haben die Geheimdienste nach den Anschlägen vom 11. September 2001 umfangreiche Überwachungsmaßnahmen eingeleitet, durch die Vorbereitungen für Terrorakte erkannt werden sollen. Je größer die Operation der Terroristen, desto größer die Gefahr, dass sie auffliegen. Einzeltäter wie Anders Breivik oder seine islamistischen Pendants hinterlassen dagegen bei ihrer Tatvorbereitung kaum verwertbare Spuren. In Deutschland, sagte André Schulz vom Bund deutscher Kriminalbeamter, sei ein Dutzend Anschläge verhindert worden.

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