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Frankreich : Mutmaßliche Terroristinnen planten Anschlag in Paris

Anschlag verhindert: Polizisten durchsuchen am 8. September in Boussy-Saint-Antoine das Auto mehrerer weiblicher Tatverdächtiger, die im Auftrag des IS einen Anschlag in Paris verüben sollten. Bild: AFP

Frankreichs Sicherheitskräfte haben offenbar einen weiteren Anschlag in Paris verhindert. Sie haben eine mutmaßliche IS-Terrorzelle zerschlagen, die vor allem aus jungen Frauen bestand.

          „In letzter Minute“ sind in Paris Anschläge eines weiblichen Terrorkommandos vereitelt worden. Nach seinem Innenminister hat auch Frankreichs Präsident François Hollande mitgeteilt, dass ein weiterer Anschlag in der Hauptstadt vereitelt worden ist. Hollande sagte am Freitag in Athen nach der Bekanntgabe weiterer Festnahmen, eine Gruppe sei zerschlagen worden. Am Wochenende war nahe der Kathedrale Notre Dame ein verdächtiges Auto mit Gasflaschen entdeckt worden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Vor Hollande hatte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve bei einer Pressekonferenz am späten Donnerstagabend über die Anschlagspläne berichtet. Die nur aus Frauen bestehende Terrorzelle soll kurz vor einem Anschlag auf den Pariser Großbahnhof Gare de Lyon gestanden haben. Cazeneuve sprach von einem „Wettlauf mit der Zeit“. Den Ermittlern sei es geglückt, die mutmaßlichen Terroristinnen gerade noch rechtzeitig festzunehmen.

          Die Hauptverdächtige, die 19 Jahre alte Ines M., Tochter eines einschlägig bekannten Islamisten, ging bei ihrer Festnahme am Donnerstagabend in ihrem Wohnort Boussy-Saint-Antoine südlich von Paris mit einem Messer auf die Polizisten los und verletzte einen Polizeibeamten an der Schulter. Die Polizisten setzten Schusswaffen ein, um die junge Frau zu überwältigen. Der Innenminister beschrieb sie als „radikalisiert und fanatisiert“. Sie war den Ermittlern bekannt, weil sie im vergangenen Jahr versucht hatte, ins Kampfgebiet der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) auszureisen. Ihre Akte trug den Vermerk „S“ für Staatssicherheit. Ihr Vater hatte die Tochter am Wochenende als vermisst gemeldet. Er sagte der Polizei, sie sei mutmaßlich nach Syrien aufgebrochen. Der Vater soll laut „Le Monde“ den Ermittlern vor mehreren Jahren als islamistischer Eiferer aufgefallen sein. Er wurde nach einem Verhör jedoch auf freien Fuß gelassen.

          Geplanter Terroranschlag am Pariser Bahnhof Gare de Lyon

          Zwei  mutmaßliche Komplizinnen im Alter von 23 und 39 Jahren wurden am Donnerstagabend ebenfalls festgenommen. Die mutmaßliche 19 Jahre alte Anführerin wurde bei ihrer Festnahme an der Wade und am Knöchel durch die in Notwehr abgegebenen Schüsse der Polizei verletzt und wird in einem Pariser Krankenhaus behandelt. Sie ist die Tochter des Besitzers des Autos, auf das die Polizei in der Nacht zum Sonntag in der Nähe der Kathedrale Notre-Dame durch einen Anwohner aufmerksam gemacht wurde.

          Kann er den Terror stoppen? - der französische Innenminister Bernard Cazeneuve

          Im Kofferraum des Autos der Marke Peugeot lagerten fünf gefüllte Gasflaschen. Die Polizisten stellten auch einen Treibstoffkanister in dem Fahrzeug sicher. Ein Zündmechanismus war jedoch nicht vorhanden. Wie jetzt bekannt wurde, soll sich Ines M. mit ihren Komplizinnen gestritten haben, bevor sie das Auto anzünden konnte. Die drei Frauen sollen das Auto deshalb in größter Eile und mit eingeschalteter Warnblinkanlage verlassen haben.

          Der Auto-Fund führte zu einer Großfahndung, bei der die Ermittler auf die 19 Jahre alte Ines und vier weitere terrorverdächtige Frauen aus dem  Pariser Vorort Boussy-Saint-Antoine (Essonne) sowie aus dem weiter südlich gelegenen Ort Châlette-sur-Loing (Loiret) stießen. Die Frauen planten nach Angaben aus Ermittlerkreisen einen Terroranschlag im Pariser Bahnhof Gare de Lyon, mutmaßlich auch in anderen Vorortbahnhöfen. Zudem hätten die Frauen Angriffe auf Polizisten vorbereitet. Innenminister Cazeneuve bezeichnete die Anschlagsgefahr als „imminent“. Am Donnerstag hatten alle Polizeiwachen im Pariser Großraum eine vertrauliche „Anschlagswarnung“ erhalten. Erst am frühen Abend gelang es den Polizisten, die Hauptverdächtige in ihrem Heimatort Boussy-Saint-Antoine aufzuspüren.

          Frauen schwören in Abschiedsbriefen Eid auf „IS“

          Zuvor war auf einer Autobahnraststätte im Süden Frankreichs, in der Nähe von Orange, eine weitere 29 Jahre alte Terrorverdächtige mit ihrem 34 Jahre alten Lebensgefährten festgenommen worden. Die 29 Jahre alte Frau soll mit der berüchtigten „Terrorwitwe“ Hayat Boumeddiene befreundet sein. Boumeddiene gelang kurz vor dem Anschlag auf den jüdischen Supermarkt Hyper Cacher in Paris die Flucht nach Syrien. Sie lebte mit dem Terroristen Amedy Coulibaly zusammen und soll ihn in seinen Terrorplänen angestachelt haben. Boumeddienes weiter in Frankreich lebende Schwester soll die beste Freundin der 29 Jahre alten Festgenommenen sein. Am Donnerstag nahmen die Ermittler eine weitere 26 Jahre alte Frau in Châlette-sur-Loing fest, die ebenfalls der Terrorzelle angehören soll. Auch ihr Lebensgefährte, ein 26 Jahre alter Mann, wird verhört. Er ist der Bruder des ebenfalls festgenommenen 29 Jahre alten Mannes.

          Die Frauen sollen ihre Anschlagsaufträge direkt von IS-Kadern aus Syrien entgegen genommen haben. Als Auftraggeber steht der 29 Jahre alte Rachid Kassim aus Roanne nördlich von Lyon in Verdacht. Kassim befindet sich im syrischen-irakischen Kampfgebiet des IS und steht über den Internet-Nachrichtendienst Telegram in engen Kontakt mit radikalisierten jungen Franzosen in seiner Heimat. Die Ermittlungen zum Priestermord in Saint-Etienne-du-Rouvray hatten ergeben, dass die beiden jungen von der Polizei erschossenen Täter ihre „Einsatzbefehle“ von Kassim erhielten. Mehrere der festgenommenen Frauen tauschten sich wiederum über die verschlüsselten Telegramm-Nachrichten mit Kassim aus.

          Bei der Durchsuchung des Verstecks der drei Frauen in Boussy-Saint-Antoine sind die Ermittler auf ihre „Testamente“ gestoßen. Die Frauen schwören darin einen Eid auf den „IS“. Sie bekundeten, den Tod des IS-Sprechers Abou Mohammed Al-Adnani rächen zu wollen. Die 19 Jahre alte Ines M. soll bei ihrer Festnahme einen Abschiedsbrief an ihre Mutter mit sich geführt haben, meldete der Radiosender RTL. Sie soll darin geschrieben haben, sie werde für eine gerechte Sache sterben.

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