https://www.faz.net/-gpf-8fobq

Terroranschläge : Belgien bestätigt Festnahme von mutmaßlichem Attentäter

  • -Aktualisiert am

Diese Aufnahme aus einem Video zeigt die Festnahme eines Terrorverdächtigen in Brüssel. Bild: AP

Die belgische Polizei hat fünf Verdächtige im Zusammenhang mit den Anschlägen von Brüssel und Paris festgenommen, darunter Mohamed Abrini. Ob es sich bei ihm auch um den gesuchten „Mann mit Hut“ vom Brüsseler Flughafen handelt, bleibt unklar.

          2 Min.

          Bei der Jagd nach den für die Brüsseler Anschläge verantwortlichen Tätern ist der belgischen Polizei am Freitag ein entscheidender Schlag gelungen. Wie die Staatsanwaltschaft am Abend bekannt gab, wurde im Brüsseler Stadtteil Anderlecht der 31 Jahre alte marokkanischstämmige Belgier Mohamed Abrini gefasst. Ob es sich dabei, wie mehrere Medien berichteten, um den „Mann mit dem Hut“ handelt, der als einer der drei Attentäter auf den Brüsseler Flughafen gilt, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. Ein Sprecher sagte dazu lediglich: „Die Überprüfungen gehen unvermindert weiter.“

          Ebenfalls festgenommen wurde am Freitag Osama K., ein schwedischer Staatsbürger. Er soll im September 2015 mit einem gefälschten syrischen Ausweis über die griechische Insel Leros in die EU eingereist und später nach Belgien gelangt sein. Der 1992 in Malmö geborene K. soll kurz vor der Explosion in der U-Bahn-Station Maelbeek an einem anderen Bahnhof im Gespräch mit dem Selbstmordattentäter Khalid El Bakraoui gefilmt worden sein. Die Staatsanwaltschaft wollte dies zunächst nicht bestätigen. Insgesamt seien am Freitag fünf Personen in Brüssel inhaftiert worden.

          Die Festnahmen am Freitag scheinen jedoch den Verdacht zu erhärten, dass zwischen den Brüsseler und den Pariser Anschlägen im November enge Verbindungen bestehen. Abrini gilt als Jugendfreund von Salah Abdeslam, dem einzigen Überlebenden der für die Pariser Anschläge von November verantwortlich gemachten mutmaßlichen Täter. Ihn hatte die Polizei nach viermonatiger Fahndung am 18. März im Stadtteil Molenbeek festgenommen. Abdeslam wartet derzeit in einem Gefängnis in Brügge auf die Auslieferung nach Frankreich. Abrini, wie Abdeslam in Molenbeek aufgewachsen, war am 11. November, zwei Tage vor den Pariser Anschlägen, von einer Kamera in Begleitung seines Jugendfreundes an einer nordfranzösischen Raststätte gefilmt worden. Das benutzte Fahrzeug soll bei den Anschlägen auf das Pariser Stade de France verwendet worden sein.

          Vor den Anschlägen in Paris: Mohamed Abrini (links) und Salah Abdeslam (rechts) auf dem Bild einer Überwachungskamera an einer Tankstelle

          Nach dem wegen bewaffneten Überfalls vorbestraften Abrini war seit November gefahndet worden. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, wurden Fingerabdrücke sowie DNA-Spuren in der Wohnung im Brüsseler Stadtteil Schaerbeek entdeckt, von der aus die drei Flughafentäter mit einem Taxi aufgebrochen waren. Der Taxifahrer hatte sie noch am selben Tag auf Fahndungsbildern wiedererkannt und die Ermittler in die Wohnung in Schaerbeek geführt. Zwei der drei Attentäter, Najim Laachraoui sowie Ibrahim El Bakraoui, der ältere Bruder des Selbstmordattentäters in der U-Bahn, hatten sich am Flughafen in die Luft gesprengt. Die Fahndung konzentrierte sich seither auf den „Mann mit dem Hut“. Am Donnerstag hatte die Polizei neue Bilder freigegeben. Sie belegen, dass er vom Flughafen aus in knapp zwei Stunden in den Stadtteil Schaerbeek gelaufen war. Dort hatte sich seine Spur verloren.

          In der Schaerbeeker Wohnung war die Polizei auch auf Spuren von Osama K. gestoßen. Er soll die bei den Sprengstoffanschlägen verwendeten Sporttaschen in einem Geschäft in der Innenstadt gekauft haben und beim Transport von Sprengstoff zur U-Bahn behilflich gewesen sein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigte, dass Abdeslam Anfang Oktober Osama K. mit einem Mietfahrzeug in Ulm abgeholt und nach Belgien gebracht habe. Der Sprecher fügte hinzu, dass sich Spuren Abrinis auch in einer Wohnung im Stadtteil Schaerbeek gefunden hätten. Dort habe die Polizei unter anderem mehrere Waffen entdeckt.

          Weitere Themen

          Selenskyj lehnt Rücktritt seines Regierungschefs ab Video-Seite öffnen

          Zweite Chance : Selenskyj lehnt Rücktritt seines Regierungschefs ab

          Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Rücktrittsgesuch seines Regierungschefs Olexii Gontscharuk abgelehnt. Gontscharuk hatte zuvor seinen Rücktritt eingereicht, nachdem ein Tonmitschnitt mit abfälligen Bemerkungen des Regierungschefs über den Präsidenten bekannt geworden war.

          Das Spiel mit dem Schmuddelkind

          Xi Jinping in Burma : Das Spiel mit dem Schmuddelkind

          Lange pflegte China enge Beziehungen zu Burma. Doch mit dem Ende der Militärdiktatur entfremdeten sich die Nachbarländer. Nun will Peking die alte Nähe wiederherstellen – und stärkt dem Land im Streit um den Umgang mit den Rohingya den Rücken.

          Topmeldungen

          Wünscht sich wieder bessere Beziehungen zu Burma: Chinas Staatschef Xi Jinping trifft „Staatsrätin“ Aung San Suu Kyi

          Xi Jinping in Burma : Das Spiel mit dem Schmuddelkind

          Lange pflegte China enge Beziehungen zu Burma. Doch mit dem Ende der Militärdiktatur entfremdeten sich die Nachbarländer. Nun will Peking die alte Nähe wiederherstellen – und stärkt dem Land im Streit um den Umgang mit den Rohingya den Rücken.
          Hier funkelt noch nichts: Der Sewelô getaufte Rohdiamant ist derzeit von einer Kohlenschicht umhüllt.

          Nach Sensationsfund : Louis Vuitton im Diamantenfieber

          Eigentlich ist die Marke für Kleidung und Taschen bekannt, jetzt expandiert Louis Vuitton ins Schmuckgeschäft. Der Luxuskonzern kauft den zweitgrößten Rohdiamanten der Welt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.