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Terroralarm in Hannover : Doch kein Sprengstoff gefunden

Dienstagabend: Polizisten sperren das Gelände rings um die HDI-Arena in Hannover. Bild: AP

An Medienberichten über einen Sprengstofffund nach dem abgesagten Fußball-Länderspiel in Hannover ist offenbar „nichts dran“. Das erfuhr die F.A.Z. aus Sicherheitskreisen.

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          In Hannover ist nach dem wegen Terroralarms kurzfristig abgesagten Fußballländerspiel vom Montag bisher kein Sprengstoff gefunden worden. An anhaltenden Spekulationen und Medienberichten über solche Funde sei „nichts dran“, erfuhr die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus den Ermittlungsbehörden. Gegenwärtig deute nichts auf Sprengstoffe hin.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Dementiert wurde überdies ein Bericht der „Bild“-Zeitung, demzufolge gegen drei Polizisten ermittelt werde, weil diese gegenüber Dritten von Sprengstofffunden gesprochen hätten. Das niedersächsische Innenministerium teilte dazu mit, von entsprechenden dienstrechtlichen Ermittlungen sei in der Behörde nichts bekannt.

          Jutebeutel statt Bombe

          Die Bundespolizei in Hannover ist sich mittlerweile zudem sicher, dass die Teilsperrung des Hannoveraner Hauptbahnhofs kurz nach der Länderspielabsage auf einem Irrtum beruhte. Bei dem verdächtigen Gegenstand, der in einem Intercity gefunden wurde, handelte es sich weder um eine Bombe noch um eine Bombenattrappe, sondern um einen Jutebeutel mit Elektroteilen, den ein Ingenieur aus dem Ruhrgebiet offenbar versehentlich liegen gelassen hatte.

          Nach den Anschlägen von Paris laufen bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe derzeit insgesamt vier Verfahren. Im Zusammenhang mit der Terrorwarnung von Hannover wird wegen des Anfangsverdachts auf versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion nach §308 des Strafgesetzbuches (StGB) und Versuch der Beteiligung daran nach §30 StGB ermittelt, zudem wegen des Anfangsverdachts auf Bildung einer terroristischen Vereinigung nach §129a StGB. Die Bundesanwaltschaft macht derzeit keine Angaben dazu, ob sich diese Ermittlungen gegen Unbekannt oder gegen konkrete Personen richten.

          Polizeilich werden diese Ermittlungen nicht mehr vom Landeskriminalamt Niedersachsen betreut, sondern vom Bundeskriminalamt (BKA). Das BKA kooperiert mit der Bundesanwaltschaft auch in den drei weiteren Verfahren nach den Pariser Anschlägen. Erstens läuft ein Verfahren wegen Mordes und Bildung einer terroristischen Vereinigung, das sich auf die Pariser Anschläge selbst bezieht, bei denen auch zwei Deutsche getötet wurden. Zweitens gibt es ein Verfahren wegen des Verdachts der Nichtanzeige einer geplanten Straftat nach §138 StGB. Diese Ermittlung richtet sich gegen einen 39 Jahre alten algerischen Flüchtling aus dem sauerländischen Arnsberg. Syrische Mitbewohner hatten den Leiter ihrer Flüchtlingsunterkunft auf den Mann aufmerksam gemacht. Der Algerier soll ihnen mehrere Tage vor den Pariser Anschlägen angekündigt haben, dass dort eine Bombe explodieren werde. Der Algerier, der am vergangenen Samstag festgenommen worden war, bestritt in einer Vernehmung, etwas von den Anschlägen gewusst zu haben. Allerdings soll er durch aggressives Verhalten und die Äußerung aufgefallen sein, dass er Frankreich hasse. Er soll eine Einreisesperre in Frankreich haben. Bei einer Durchsuchung seines Zimmer wurde hinter einem Schrank eine Kladde gefunden, in der sich der Vermerk „Ali Baba 4, 13.11.15“ mit dem Zusatz „Paris“ fand. Der 13. November ist der Tag der Attentate. Ob die Notiz vor oder nach den Anschlägen geschrieben wurde, konnte noch nicht geklärt werden.

          Ebenfalls wegen des Verdachts der Nichtanzeige einer geplanten Straftat wird, drittens, gegen einen polizeibekannten jungen Mann aus Cuxhaven ermittelt, der IS-Sympathisant sein soll. Zeugen sollen ausgesagt haben, der Mann habe am vergangenen Freitagabend über die Pariser Anschläge gesprochen. Unklar ist, ob er Mitwisser der Anschläge war oder bereits aus den Medien davon erfahren hatte. Wie es heißt, sei der Verdacht in Cuxhaven „mit noch größerer Vorsicht“ zu betrachten wie der ähnlich gelagerte Fall aus Arnsberg.

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