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Terror : Der neue Kampf um Rom

Bereits die erste Ausgabe des islamistischen Propaganda-Magazins „Dabiq“ zeigte auf der Titelseite den Vatikan. So wie auch dieses Bild der italienischen Polizei, das den Petersplatz während der Öffnung der „Heiligen Pforte“ zeigt. Bild: dpa

Nach Niederlagen im Nahen Osten will der „Islamische Staat“ nun Europa zu einem Schlachtfeld machen. Dafür kann er auf mehrere tausend Schläfer zurückgreifen.

          Das E-Book umfasst 71 Seiten und beginnt mit dem Schrecken verbreitenden Satz: „Im Herzen Europas beginnt ein Krieg.“ Im März 2015 wurde über ein Nutzerkonto des Kurznachrichtendienstes Twitter, das dem „Islamischen Staat“ (IS) zugerechnet wurde und inzwischen gesperrt ist, das englischsprachige Buch mit dem Titel verbreitet: „Wie man im Westen überlebt. Ein Handbuch für Mudschahedin.“ Es war nicht die erste und nicht die letzte Gebrauchsanweisung für Dschihadisten, wie sie sich für den großen Krieg in Europa rüsten sollen. Die Schrift, die dank der Website „Memri Jihad and Terrorism Threat Monitor“ bekannt wurde, ist beängstigend. Denn sie enthält konkrete Anweisungen, die Rückschlüsse auf die Strategie des IS und seiner Fähigkeiten zulassen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Als Ziel beschreibt das Handbuch die Eroberung von Rom. Bereits die erste Ausgabe des Online-Magazins „Dabiq“ im Juli 2014 zeigte auf der Titelseite den Vatikan. Die Eroberung des Vatikans solle also den „Sieg über die Ungläubigen“ festschreiben. Denn dem Propheten des Islams schreiben die Ideologen des IS den Ausspruch zu, dass das Jüngste Gericht mit einer Schlacht der Muslime gegen die „Armee Roms“ in Dabiq nahe Aleppo und dem „Sturz Roms“ eingeleitet werde. Nur war zu Lebzeiten Mohammeds Ostrom, also Konstantinopel und damit das heutige Istanbul, das Zentrum der Christenheit, nicht Rom selbst.

          Die Krieger des IS stehen bei Aleppo für die große Schlacht bereit, sollte „Rom“, also der Westen, Bodentruppen nach Syrien entsenden. In den Vordergrund scheint für den IS nun indes zunehmend Europa zu rücken, das sie in ein Schlachtfeld verwandeln wollen. Aus der Not, dass sie sich als Folge der westlichen Luftangriffe aus ihrer ersten Hauptstadt Raqqa haben zurückziehen müssen, machten sie eine „Tugend“ und verlegten einen Teil ihrer Führung nach Libyen, von wo aus der Angriff auf Rom erfolgen soll.

          Dabei nutzt ihnen eine weitgehende Blindheit des Westens, wo die Vertreibung des IS aus der irakischen Stadt Ramadi als „Sieg“ gefeiert wurde. Dabei konnten sich die meisten der zweitausend IS-Kämpfer, welche die Stadt kontrolliert hatten, lebend aus Ramadi in andere Städte absetzen, und auch die Stadt selbst ist nach den westlichen Luftangriffen weitläufig zerstört.

          Terroristen könnten sich unter die Flüchtlinge mischen

          Über türkische Häfen und das Mittelmeer hatten sich ein Teil der IS-Führung und offenbar mehrere hundert Kämpfer bereits im vergangenen Herbst aus Raqqa nach Libyen abgesetzt. Nach Darna, einer traditionellen Hochburg islamistischer Extremisten, kontrollieren sie dort bereits die Hafenstadt Sirte und versuchen, entlang der Küste ihre Terrorherrschaft auszubauen. Von Libyen aus sind es jeweils nur wenige hundert Kilometer nach Italien und Griechenland. Von hier sollte das beginnen, was der IS als die „Eroberung Europas“ verkündet. Dabei könnten sie sich unter Flüchtlinge mischen, die mit Booten nach Europa flüchten.

          Andererseits kann der IS bereits in Europa auf mutmaßlich mehrere tausend Schläfer zurückgreifen. Sie stellten auch die Attentäter der Pariser Terrornacht im November, die eine der am gründlichsten geplanten Terroranschläge in Europa war. Geplant war selbst das, was am Tatort gefunden werden sollte – und zwar ein syrischer Pass. Denn die Attentäter wollten die Welt glauben machen, dass der Täter ein syrischer Muslim gewesen sei, was nicht stimmte.

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