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Allensbach-Umfrage : Das Sicherheitsgefühl der Deutschen erodiert

  • -Aktualisiert am

Internationale Kooperationen gegen Terrorismus

Während sich die Vorstellungen der Bürger, wie im Inneren der Schutz vor Verbrechen und Anschlägen verbessert werden kann, nur wenig verändert haben, wird ihnen gleichzeitig immer mehr bewusst, dass der Kampf gegen den Terrorismus nicht national, sondern nur im internationalen Verbund geführt werden kann. Vor fünf Jahren erklärten es 48 Prozent zu den wichtigsten Zielen der deutschen Außenpolitik, sich an internationalen Maßnahmen zur Verbrechens- und Terrorismusbekämpfung zu beteiligen, aktuell 67 Prozent. Die überwältigende Mehrheit votiert für eine enge internationale Kooperation von Sicherheitskräften und Geheimdiensten in Form von raschem Datenaustausch und Überwachung. So fordern 82 Prozent der Bevölkerung, dass der rasche Datenaustausch von Polizei und Geheimdiensten der verschiedenen Länder über Terrorverdächtige vorangetrieben werden muss. Die überwältigende Mehrheit unterstützt auch Wirtschaftssanktionen gegen Länder, die Terroristen unterstützen und ihnen Zuflucht gewähren; 60 Prozent votieren sogar dafür, die Beziehungen zu Ländern vollständig abzubrechen, die Terroristen in irgendeiner Form unterstützen.

Die große Mehrheit hält es auch für notwendig, dass international Bankkonten auf auffällige Bewegungen hin kontrolliert werden, um Finanztransaktionen von Terroristen frühzeitig aufzudecken und zu verhindern. Der Kampf gegen den Terrorismus verändert die Vorstellungen von verteidigungswerten Schutzsphären.

Die Freiheit nicht einschränken lassen

Bei aller Besorgnis ist die große Mehrheit jedoch entschlossen, ihr gewohntes Leben zu verteidigen und nicht aus Furcht vor Anschlägen Freiheitsspielräume aufzugeben. Zwar wollen jetzt, da die schrecklichen Ereignisse noch lebhaft vor Augen stehen, immerhin 28 Prozent der Bevölkerung künftig aus Vorsicht bestimmte Orte und Ereignisse wie große Volksfeste, Sportveranstaltungen oder Flughäfen meiden. Insbesondere Frauen und die Menschen, die 60 Jahre und älter sind, wollen auf diese Weise ihr Risiko vermindern. Von der Minderheit, die sich persönlich zurzeit akut bedroht fühlt, wollen sogar knapp zwei Drittel ihren Radius einschränken.

Die große Mehrheit, zwei Drittel aller Bürger, will jedoch ihr Verhalten nicht ändern. Insbesondere die junge Generation ist entschlossen, ihren Lebensstil und ihre Freiheitsspielräume zu verteidigen. Nur 17 Prozent der unter 30 Jährigen wollen künftig bestimmte Orte und Ereignisse meiden, um ihr Sicherheitsrisiko zu vermindern, knapp 80 Prozent sind entschlossen, ihr gewohntes Leben weiterzuführen.

Die große Mehrheit spricht sich auch dafür aus, dass Veranstalter nicht aus Sorge vor Risiken ihre Pläne einschränken. Nur 16 Prozent halten es für richtig, eine Veranstaltung, die in einem großen, nur schwer zu überwachenden Areal geplant ist, aus Sicherheitsgründen abzusagen. Drei Viertel der Bürger halten es mit dem Argument: „Man darf sich nicht von Terroristen und Gewalttätern einschüchtern lassen und sollte nicht aus Sorge, dass etwas geschehen könnte, sein Verhalten ändern; daher sollte auch die Veranstaltung wie geplant durchgeführt werden.“

Die Bürger sind besorgt, aber nicht panisch. Die aufgeregte Berichterstattung mancher Medien wird von vielen moniert. Das Risikobewusstsein ist gestiegen, die Hoffnung gesunken, dass ein umfassender Schutz möglich ist. Nüchtern richtet sich die Mehrheit darauf ein, auf absehbare Zeit mit diesen Risiken zu leben – und ist gleichzeitig entschlossen, den Lebensstil einer freien Gesellschaft zu verteidigen.

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