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Allensbach-Umfrage : Das Sicherheitsgefühl der Deutschen erodiert

  • -Aktualisiert am

Eine fatale Rolle spielt nach Überzeugung der großen Mehrheit der Bürger heute das Internet für die Entwicklung von Terrorrisiken. Zwei Drittel sind überzeugt, dass das Internet die Gefahren erhöht: durch die internationale Vernetzung von Terroristen, die Möglichkeit der Propaganda und Anwerbung und als Beschaffungsplattform für Waffen.

Das ganze Ausmaß der Verunsicherung wird in dem Zusammenbruch des Zukunftsoptimismus der Bevölkerung erkennbar. Zurzeit sehen nur noch 36 Prozent den kommenden zwölf Monaten hoffnungsvoll entgegen, die meisten mit Befürchtungen und Skepsis. Wie ungewöhnlich ein solches Stimmungsbild ist, zeigt die Langzeitanalyse. Es gab nur wenige Situationen in der Nachkriegsgeschichte, in denen die Bevölkerung ähnlich beunruhigt war, und es waren immer außergewöhnliche Ereignisse und Entwicklungen: der Mauerbau, die Ölkrisen in den siebziger und achtziger Jahren, die Rezession nach dem Einheitsboom und die Flüchtlingswelle vom Balkan, die New Yorker Anschläge sowie die Wirtschafts- und Finanzmarktkrise 2008. Noch in der ersten Jahreshälfte 2015 war die Mehrheit optimistisch. Ab Oktober brach dieser Optimismus zusammen, erholte sich danach nur tendenziell und ist jetzt wieder auf einem Tiefpunkt.

Es verstärkt sich zurzeit das Gefühl, den wachsenden Bedrohungen ausgeliefert zu sein. Schon vor Jahren war die Mehrheit überzeugt, dass ein wirksamer Schutz gegen Anschläge kaum möglich ist. Mittlerweile glauben das 74 Prozent der Bevölkerung, auch die überwältigende Mehrheit derjenigen, die großes Vertrauen in die deutschen Sicherheitskräfte setzen.

Die Bürger sind jedoch durchaus überzeugt, dass man vieles tun kann und muss, um die Risiken zumindest zu verringern. Nur 29 Prozent bewerten die bisherigen Maßnahmen als ausreichend, 46 Prozent fordern dezidiert eine Verstärkung der Anstrengungen. Die Bürger setzen vor allem auf eine bessere Ausstattung der Sicherheitskräfte, die Überwachung öffentlicher Plätze, die konsequente Abschiebung von Asylbewerbern, wenn sie unter dem Verdacht stehen, dass sie an Verbrechen beteiligt sind, und die Registrierung von Fingerabdrücken von jedem, der nach Deutschland einreist. Knapp zwei Drittel plädieren dafür, Verdächtige in Sicherheitsverwahrung zu nehmen, selbst wenn ihnen keine konkrete Straftat nachgewiesen werden kann. Die Mehrheit votiert auch dafür, der Polizei mehr Rechte und Handlungsmöglichkeiten einzuräumen. Jeder Zweite hält es auch für richtig, die Bundeswehr für bestimmte Schutzmaßnahmen im Inneren unter Umständen mit heranzuziehen.

Insgesamt zeigen die Vorstellungen der Bürger ein klares Muster: bessere Ausstattung und Handlungsmöglichkeiten für die Sicherheitsorgane, aber keine Ausweitung individueller Schutzmaßnahmen wie Bürgerwehren oder eine Liberalisierung des Waffenbesitzes. Auch unter dem Eindruck der jüngsten Anschläge sprechen sich 80 Prozent dagegen aus, den Waffenbesitz für Privatleute zu erleichtern; lediglich 8 Prozent befürworten eine Liberalisierung.

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