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Syrischer Bürgerkrieg : IS kann womöglich Chemiewaffen herstellen

Zerstörte Gebäude in der syrischen Stadt Maaret al-Numan. Bild: Reuters

Die Terrormiliz IS könnte in Syrien und in Irak Senfgas eingesetzt haben. Zugang zu Lagerstätten hatten die Islamisten nicht. Sind sie in der Lage, selbst Chemiewaffen herzustellen?

          Besorgt hat sich der Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), Ahmet Üzümcü, über die Möglichkeiten des „Islamischen Staats“ (IS) geäußert, chemische Kampfstoffe wie Senfgas herzustellen. Mutmaßlich habe der IS Senfgas in Syrien und im Irak eingesetzt. Da er sich nicht Zugang zu Lagerstätten chemischer Waffen verschafft habe, bestehe der begründete Verdacht, dass der IS Senfgas „und andere Waffen“ selbst herstellen könne, sagte Üzümcü im Gespräch mit der F.A.Z.. Frühere irakische Soldaten, die am Chemiewaffenprogramm unter Saddam Hussein beteiligt waren, arbeiteten heute für den IS, sagte Üzümcü. Der IS habe zwei Standorte mit Chemiewaffen im Irak kontrolliert, konnte sich aber keinen Zugang zu den Bunkern verschaffen, bevor er wieder vertrieben wurde. Die Bunker müssten bald zerstört werden.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Seit die OPCW, die 2013 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, am 1. Oktober 2013 ihre Arbeit zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen aufgenommen hat, seien in Syrien keine Nervengase mehr eingesetzt worden, in „80 bis 90 Fällen“ aber gepresstes Chlorgas und Senfgas. Auch waren vier Soldaten der syrischen Armee Sarin ausgesetzt. Fachleute der OPCW untersuchen derzeit in Damaskus Vorwürfe einiger Mitgliedstaaten der OPCW, wonach die syrische Regierung weiter Chemiewaffen besitze, die sie nicht deklariert habe und die somit nicht zerstört worden seien. Das betreffe Produktionsstätte für Rizin und frei fallende Bomben.

          Unterdessen führt das syrische Regime nach Angaben der Opposition in der Region um Aleppo den heftigsten Großangriff, mit dem die Rebellen bislang konfrontiert waren. Kommandeure berichteten, das russische Militär fliege zudem mittlerweile Tag und Nacht Angriffe; von einer „entscheidenden Schlacht im Norden“ ist die Rede. Nach Angaben von Diplomaten ist der Nachschub der Rebellen an einigen Stellen bereits gestört. Russland fliegt demnach derzeit rund zweihundert Angriffe am Tag. Ferner wird eine neue Flüchtlingswelle gemeldet, weil sich Tausende Menschen vor den Gefechten in die Türkei in Sicherheit bringen. Üzümcü wird dem Exekutivrat der OPCW dazu im März einen Bericht vorlegen. Am 12. Februar wird er dem UN-Sicherheitsrat in New York über die Ergebnisse der neu eingerichteten Arbeitsgruppe „Joint Investigative Mechanism“ berichten, die seit dem 13. November in Syrien tätig ist. Im Unterschied zu bisherigen Ermittlungen soll sie die Täter von Angriffen identifizieren und benennen. Die syrische Opposition behauptet, syrischen Regierungstruppen setzten gepresstes Chlorgas in Fassbomben ein.

          Auch in Libyen gebe es südlich von Tripolis noch zwei Lagerstätten mit chemischen Waffen. Die OPCW helfe den libyschen Behörden, sie zu zerstören, sagte Üzümcü

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