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Kampf gegen den Terror : Im Versteck der Dschihadisten

Wie vier Monate zuvor: Scharfschützen auf einem Dach in Brüssel Bild: dpa

Nach der Schießerei in Brüssel ist ein Algerier tot und zwei Verdächtige auf der Flucht – und viele Fragen offen. Besonders der Fall Mohammed Belkaid wird die Sicherheitsdienste beschäftigen.

          Eine Spur führt nach Algerien. Vier Monate nach den Terroranschlägen von Paris sehen die französischen Ermittler nach der Anti-Terror-Razzia in Brüssel ihre Befürchtungen bestätigt. Vermutlich haben die Attentäter auch Verbindungen zu algerischen Terrorgruppen unterhalten, die sich im Herbst 2014 der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) unterworfen haben. Darauf deutet der Fall Mohammed Belkaids hin, eines algerischen Dschihadisten, der am Dienstagabend in der Rue du Dries im Brüsseler Stadtteil Forest von der Polizei „neutralisiert“ wurde, wie es der Staatsanwalt Thierry Werts am Mittwoch formulierte. Der 1980 geborene Belkaid stand – so der derzeitige Informationsstand – nicht auf einer europäischen Terrorliste.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Er war 2014 im Zusammenhang mit einem Diebstahlsdelikt in Belgien aufgefallen, das aber nicht geahndet wurde. Auf seine Zugehörigkeit zum IS weisen Funde in seinem Brüsseler Versteck hin: eine schwarze Fahne der Terrororganisation, ein salafistisches Handbuch und vor allem ein großes Munitionslager. In der Wohnung in der Rue du Dries stellten die Ermittler allein elf Magazine für Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow sicher. Damit scheint sich eine vom ehemaligen obersten französischen Terrorfahnder, dem Untersuchungsrichter Marc Trevedic, aufgestellte These zu bestätigen. Trevedic warnte davor, dass die französischen Geheimdienste dabei seien, die seit Jahrzehnten gesammelten Kenntnisse über algerische Terrorgruppen zu verlieren.

          Schusswechsel in „kalter“ Wohnung

          Der Fall Belkaid wirft dabei viele Fragen auf: War der illegal in Belgien lebende Algerier einer der Männer, die von Brüssel aus die Anschläge am 13. November koordinierten? Die Ermittler wissen inzwischen, dass während der Anschläge vor dem Stade de France, im Konzertsaal Bataclan und vor den Restaurants und Cafés im 10. Arrondissement von Paris ein reger SMS-Austausch zwischen den Selbstmordattentätern und zwei unbekannten Hintermännern in Brüssel stattfand. War Belkaid einer der Hintermänner? Oder plante der Algerier vielmehr ein neues Attentat? Von der belgischen Staatsanwaltschaft war auf diese Fragen am Mittwoch keine Auskunft zu erhalten. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die belgischen Ermittler über die Anwesenheit der mutmaßlichen Terroristen in der Wohnung vollkommen überrascht waren. Das bestätigte das französische Innenministerium am Mittwoch. Zwei französische Verbindungsbeamte – von der Pariser Kriminalpolizei und von der Anti-Terroreinheit SDAT – begleiteten die vier belgischen Polizisten zu der Hausdurchsuchung in der Rue du Dries am Dienstag.

          Die französischen Polizisten waren nur als Beobachter hinzugebeten worden. Ihnen war gesagt worden, dass es sich um eine „kalte“ Wohnung handelte – dass sich also Verdächtige dort nicht aufhielten. Doch direkt nach dem Aufbrechen der Wohnungstür kam es zum Schusswechsel, wie die belgische Staatsanwaltschaft am Mittwoch bestätigte. Eine französische Polizistin sowie zwei belgische Beamte wurden dabei sofort leicht verletzt, ein weiterer belgischer Beamter wurde später ebenfalls leicht verletzt. Das Einsatzteam forderte umgehend Verstärkung an, um die Wohnung zu stürmen.

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