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Saudi Arabien gegen den IS : Allianz gegen die Zerstörung der Welt

Lieblingssohn des Königs: Verteidigungsminister Muhammad Salman Al Saud verliest eine Presseerklärung Bild: dpa

Saudi-Arabiens Verteidigungsminister muss sich gegen einen internen Widersacher profilieren – und greift deshalb zur großen Geste: einem Anti-Terror-Bündnis der sunnitischen Welt.

          Saudi-Arabien baut seine Rolle als Führungsmacht der arabischen und islamischen Welt mit einer neuen Militärallianz, die den Terror bekämpfen will, weiter aus. Es ist bereits das zweite militärische Bündnis, das Saudi-Arabien in diesem Jahr aus der Taufe hebt. Zunächst hatte das Königreich im März eine überwiegend aus arabischen Staaten gebildete Militärallianz gebildet, um im südlichen Nachbarland Jemen die Rebellenbewegung der Houthi zu besiegen und Iran, das diese unterstützt, eine Lektion zu erteilen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Die Verantwortung für den Krieg übernahm der neu ernannte Verteidigungsminister und zweite Kronprinz, Muhammad Bin Salman Al Saud. Das Kalkül der königlichen Familie war, den erst 30 Jahre jungen Lieblingssohn des Königs, gegen den es im Land zahlreiche Vorbehalte gibt, zu stärken und ihn für das Königreich unentbehrlich zu machen. Der Krieg im Jemen ist trotz einer drückenden militärischen Überlegenheit Saudi-Arabiens noch immer nicht gewonnen, und weit entfernt liegt das saudische Ziel, den legitimen Präsidenten des Jemen, Abd Rabbo Mansur Hadi, wieder im ganzen Land als Statthalter Saudi-Arabiens einzusetzen. Auch weil sich der militärische Erfolg nicht einstellt, hat Saudi-Arabien auf die Rückkehr zu einem „politischen Prozess“ und eine weitere Runde von Friedensverhandlungen gedrängt, die am Dienstag unter Vermittlung der Vereinten Nationen in der Schweiz begonnen haben.

          34 Staaten sollen der Allianz angehören

          Nun hat Muhammad Bin Salman in seiner Funktion als Verteidigungsminister eine zweite Militärallianz bekanntgegeben, der er selbst vorstehe und die ihr Hauptquartier zur Koordinierung und Unterstützung von Militäreinsätzen ebenfalls in der saudischen Hauptstadt Riad beziehen werde. 34 Staaten werden ihr nach saudischen Angaben angehören. Die Liste der „islamischen militärischen Koalition“, wie sie Muhammad Bin Salman nennt, liest sich wie ein Militärbündnis der islamischen Welt.

          Arabische Länder wie Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Qatar und Jordanien gehören dazu, die Regionalmacht Türkei, in Asien Pakistan und Bangladesch, auch kleine Länder wie Benin, die Komoren und Mali – nicht aber Iran, das wirkungsvoller als alle diese Mitglieder der neuen Allianz den „Islamischen Staat“ (IS) bekämpft, und auch nicht die schiitische Regierung des Iraks in Bagdad. Alle Mitglieder der neuen Militärallianz gehören der „Organisation für islamische Zusammenarbeit“ (OIC) in Dschidda an. Ihr Ziel sei, den Terror in jeder Form zu bekämpfen, sagte Muhammad Bin Salman bei der Vorstellung der Militärallianz: „Wir werden gegen jede terroristische Organisation kämpfen, nicht nur gegen den IS.“ Auf Einzelheiten ging er nicht ein. Der Islam verbiete „die Zerstörung der Welt“, und jeder habe „das Recht auf Leben und das Recht auf Sicherheit“. Mit dieser Initiative werde Saudi-Arabien ein „Partner im Kampf gegen die Krankheit des Extremismus“ sein, sagte Muhammad Bin Salman – und es klang, als habe sich das Königreich erst jetzt dazu durchgerungen.

          Als Beispiele für die wuchernde Krankheit des Terrors nannte er den IS in Syrien und im Irak, aber auch dessen Fortsetzung auf dem Sinai und in Libyen, den Terror in Nigeria, Pakistan und Afghanistan. Nun gelte es, den Kampf gegen den Terror in diesen Ländern zu koordinieren. Die Mitglieder des Bündnisses sollten „vor dem Übel aller terroristischen Gruppen und Organisationen“ beschützt werden, heißt es in der gemeinsame Erklärung.

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