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Terroranschläge in Brüssel : Salah Abdeslam wurde offenbar kaum verhört

  • Aktualisiert am

Polizisten bewachen am Donnerstag das Gericht, in dem Salah Abdeslam erwartet wird. Bild: dpa

Die belgische Staatsanwaltschaft soll den mutmaßlichen Terroristen Salah Abdeslam nach seiner Festnahme zunächst nur eine Stunde gesprochen haben. Am Donnerstagabend wurden in Belgien wohl sechs weitere Menschen festgenommen.

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          Belgische Strafverfolgungsbehörden sollen den mutmaßlichen Komplizen der Pariser Terroranschläge, Salah Abdeslam, nach seiner Festnahme vergangenen Freitag zunächst kaum verhört haben. Das berichtet die europäische Online-Ausgabe der amerikanischen Tageszeitung „Politico“ am Donnerstag unter Berufung auf Abdeslams Anwalt und zwei weitere Quellen, die mit der Untersuchung beschäftigt seien.

          Die belgischen Behörden sollen bis zu den Terroranschlägen in Brüssel am vergangenen Dienstag nur eine Stunde mit Abdeslam gesprochen haben. Bei der Sitzung in einem Gefängnis in Brügge, die bereits am Samstag stattfand, soll laut Angaben der Quellen die Staatsanwaltschaft auch nicht nach unmittelbaren Gefahren gefragt haben. Stattdessen sei sie chronologisch vorgegangen und habe den mutmaßlichen Terroristen zunächst nach seiner Beteiligung an den Pariser Anschlägen vergangenes Jahr gefragt. Bei den koordinierten Attentaten radikaler Islamisten waren am 13. November 130 Menschen getötet sowie 352 weitere verletzt worden.

          Der belgische Sender VRT berichtete, Salah Abdeslam habe in Brüssel einen ähnlichen Anschlag wie im November in der französischen Hauptstadt geplant. Die Ermittler gingen davon aus, dass Abdeslam und zwei weitere Personen Sturmgewehre einsetzen wollten, während andere sich in die Luft sprengen sollten, meldet der Sender ohne Nennung von Quellen.

          Am Donnerstagabend wurden in Belgien nach Angaben der Staatsanwaltschaft sechs Menschen festgenommen, die in Zusammenhang mit den Anschlägen stehen könnten.

          Die belgische Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag zuvor mitgeteilt, dass der Brüsseler Selbstmordattentäter Khalid El Bakraoui wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an den Pariser Anschlägen zur Fahndung ausgeschrieben gewesen sei. Ermittler hätten ihn verdächtigt, in Charleroi bei Brüssel unter falschem Namen eine Unterkunft für die Terroristen angemietet zu haben, teilte die belgische Staatsanwaltschaft mit. Deswegen sei am 11. Dezember ein europäischer Haftbefehl ausgestellt worden. Zudem sei über Interpol ein Fahndungsaufruf veröffentlicht worden.

          Khalid El Bakraoui hatte sich am Dienstag mitten im Brüsseler EU-Viertel in einer Metro in die Luft gesprengt. Bei dem Anschlag kamen nach jüngsten Angaben 20 Menschen ums Leben. Weitere 11 Personen starben bei Explosionen, die von zwei anderen Selbstmordattentätern am Brüsseler Flughafen ausgelöst wurden. Einer dieser Täter war Khalid El Bakraouis Bruder Ibrahim.

          Zwei belgische Minister boten nach den Terroranschlägen offenbar ihren Rücktritt an. Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens hätten ihre Ämter zur Verfügung gestellt, wie ihre Büros der Nachrichtenagentur Belga am Donnerstag bestätigten. Nach Berichten mehrerer belgischer Medien lehnte Premierminister Charles Michel die Rücktrittsgesuche ab. Warum die Politiker ihren Rückzug anboten, wurde zunächst nicht bekannt. Die belgische Regierung gerät nach den verheerenden Anschlägen von Brüssel unter Druck, unter anderem weil bekannt wurde, dass die Türkei bereits im Juli 2015 vor einem der Attentäter gewarnt hatte. Das belgische Parlament kam Donnerstagnachmittag zu einer Sondersitzung zu den Anschlägen zusammen.

          Erdogan wirft belgischen Behörden Fahrlässigkeit vor

          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte in Ankara gesagt, einer der Brüsseler Angreifer sei im Juni festgenommen und ausgewiesen worden. Die belgischen Behörden seien am 14. Juli informiert worden. Laut Medienberichten handelte es sich um den älteren Bruder Ibrahim, der aber von den belgischen Behörden freigelassen wurde.

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