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Razzia in Saint-Denis : Dritte Leiche in gestürmter Wohnung gefunden

  • Aktualisiert am

Das Haus, in dem die Razzia stattfand, ist jetzt einsturzgefährdet. Bild: dpa

Zwei Tage nach der Razzia im Pariser Stadtteil Saint-Denis hat die Polizei eine dritte Leiche in der gestürmten Wohnung entdeckt. Ihre Identität ist noch unklar. Identifiziert wurde aber die zuvor gefundene Frauenleiche.

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          Nach der Erstürmung einer von Terroristen genutzten Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis ist eine weitere Leiche identifiziert worden. Es handelt sich um die 26 Jahre alte Hasna Aitboulahcen, wie die Staatsanwaltschaft in Paris am Freitag mitteilte, und damit um eine Cousine des mutmaßlichen Hintermanns der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud. Aitboulahcen sei anhand von Fingerabdrücken identifiziert worden, heißt es. Ihre Leiche war in der Nacht in der Wohnung in Saint-Denis gefunden worden.

          Der 28 Jahre alte Abaaoud war ebenfalls bei dem Polizeieinsatz am Mittwoch ums Leben gekommen. Die dritte Leiche ist bislang noch nicht identifiziert. Es ist sogar noch unklar, ob es sich dabei um einen Mann oder eine Frau handelt. Zunächst hatten die Ermittler wegen der Folgen der heftigen Feuergefechte und mehreren Explosionen bei der Erstürmung des Hauses nur zwei Leichen zuordnen können. Die Wohnung ist bei dem Einsatz durch Explosionen und Schüsse zerstört worden, die Sucharbeiten kommen deswegen nur langsam voran. Acht Menschen waren bei dem Antiterroreinsatz festgenommen worden.

          Der Vater von Abdelhamid Abaaoud hat seinen Sohn nach Angaben seiner Anwältin für einen „Teufel“ gehalten. Omar Abaaoud sei „erleichtert“ gewesen, als er vom Tod seines 28 Jahre alten Sohnes erfahren habe, sagte die Rechtsanwältin Nathalie Gallant am Freitag dem amerikanischen Fernsehsender CNN. „Der Vater wusste seit etwa einem Monat, dass sein Sohn mit Terrorakten in Europa in Verbindung gebracht wurde“, sagte Gallant. Es sei schwer für ihn gewesen, erkennen zu müssen, dass sein Sohn wieder etwas Furchtbares getan hatte.

          Der 28 Jahre alte Abdelhamid Abaaoud galt als der meistgesuchte Islamist Belgiens.

          Omar Abaaoud habe erstmals 2013 die Radikalisierung des Sohnes bemerkt. Damals habe Abdelhamid den Vater immer wieder für die liberale, europäische geprägte Erziehung der jüngeren Geschwister kritisiert. Das Verhalten des Sohnes sei das eines „Psychopathen“, zitierte Gallant den Vater, „für ihn war er zu einem Teufel geworden“.

          Abaaoud hatte sich nach neuen Informationen am Anschlagsabend im Großraum Paris aufgehalten. Er wurde laut einer Quelle aus Polizeikreisen am Abend des 13. November gegen 22 Uhr von einer U-Bahn-Kamera im Pariser Vorort Montreuil gefilmt. Die Aufnahmen entstanden an der Metro-Station Croix de Chavaux. In Montreuil wurde auch ein schwarzes Auto mit drei Kalaschnikows gefunden, der bei den Anschlägen verwendet worden war. Abaaoud, der eigentlich in Syrien vermutet worden war, wurde am Mittwoch bei der Razzia getötet.

          Welche Rolle er bei den Anschlägen von Paris mit 129 Toten genau einnahm, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Frankreichs Premierminister Manuel Valls bezeichnete ihn am Mittwoch als „einen der Drahtzieher“ der Anschläge, Innenminister Bernard Cazeneuve sagte, der berüchtigte Islamist habe „offenbar eine entscheidende Rolle bei den Attacken“ gespielt.

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