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Russland : In Moskau wächst die Sorge vor einem Anschlag

Trauer in Moskau um die Opfer der Anschläge in Paris Bild: dpa

Nach den Anschlägen in Paris sind auch in Moskau die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Schon der mögliche IS-Anschlag auf das russische Flugzeug über Ägypten zeigt die gestiegene Terrorgefahr.

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          Auch Russland reagierte auf den Terror von Paris. Ein Antiterrorschutzsystem sei „in erhöhte Bereitschaft“ versetzt worden, wurde vom Kreml mitgeteilt.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Schon in den vergangenen Tagen waren mehr Polizisten in Moskau im Einsatz. Grund ist offenbar einerseits der Absturz des russischen Passagierflugzeugs über dem Sinai mit 224 Toten vor zwei Wochen. Zwar bezeichnet die Führung einen Anschlag, mit dem sich die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) wiederholt gebrüstet hat, weiter nur als „eine Version“.

          Doch Präsident Wladmir Putin hat ein Verbot von Flügen nach Ägypten verfügt und angeordnet, die russischen Touristen aus dem Land auszufliegen. Andererseits hat der IS dieser Tage eine weitere Drohung an Russland wegen der Militäroperation in Syrien ausgesprochen. Seither ist die Angst vor einem Anschlag in Moskau gestiegen. Russische Behörden wiesen in dieser Woche Gerüchte in sozialen Medien zurück, „18 Selbstmordattentäter“ planten Terroranschläge in der Hauptstadt.

          Russland hat schon in der Vergangenheit stark unter islamistischem Terror gelitten. Der Anschlag auf den Pariser Konzertsaal Bataclan erinnert sogar entfernt an die Geiselnahme im Moskauer Theater an der Dubrowka, deren Opfer 2002 Zuschauer des Musicals „Nord-Ost“ wurden.

          Doch anders als die Täter von Paris, die sofort mit dem Töten begannen, wollten die tschetschenischen Terroristen seinerzeit verhandeln; die meisten der nach offiziellen Angaben 130 getöteten Geiseln kamen bei einer Befreiungsaktion mit Betäubungsgas um.

          Politisch nahm Putin seine Beileidsbotschaft an französischen Präsidenten Francois Hollande zum Anlass für eine neuerliche Forderung, die Kräfte „der internationalen Gemeinschaft“ im Kampf gegen den Terrorismus zu vereinen; das war in Moskau schon nach dem Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ Anfang Januar gefordert worden.

          Doch haben sich Russlands Luftschläge in Syrien bislang nur zu einem geringen Teil gegen den IS gerichtet, Ziel waren vor allem andere Gegner des Gewaltherrschers Baschar al Assad.

          Russland ist zwar bedroht durch den IS, in dessen Reihen Tausende russische Staatsbürger und Islamisten aus Zentralasien kämpfen. Doch der Kreml sieht Gegner autoritärer Herrscher allgemein als „Terroristen“ an und sieht Russland im Kampf gegen angeblich durch die Vereinigten Staaten angezettelte „Farbenrevolutionen“.

          Zudem wird in Russland nach dem Absturz über dem Sinai Wut auf den Westen als ein Ventil genutzt. So mit der alten Behauptung, Amerika bediene sich des IS gegen Russland; so führte Putins Cheffernsehpropagandist Dmitrij Kisseljow am vergangenen Sonntag den Absturz auf einen Geheimpakt zwischen dem IS und Washington zurück.

          Eine weitere Zielscheibe war just „Charlie Hebdo“, die in einer Karikatur eine Verbindung zwischen dem Absturz von Flug 9268 und Russlands Syrien-Krieg gezogen hatte. Aus der Duma, dem russischen Unterhaus, kam die Forderung, die Karikaturisten in Russland vor Gericht zu stellen.

          Ein Abgeordneter aus Sankt Petersburg wollte in Paris gegen „Charlie Hebdo“ demonstrieren. Die Reise sagte er nach der Anschlagsserie aber ab. Vor der französischen Botschaft in Moskau legten derweil viele Menschen Blumen nieder, um Trauer und Mitgefühl zu bekunden.

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