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Anti-Terror-Einsatz : Festnahmen in Belgien, Hauptverdächtiger nicht gefasst

  • Aktualisiert am

Neue Normalität? Soldaten vor dem Hauptbahnhof in Brüssel Bild: AFP

Hubschrauber, Sondereinheiten, Straßensperren: Belgiens Polizei sucht nach Terrorverdächtigen. Trotz zahlreicher Festnahmen gibt es am frühen Morgen keine Entwarnung.

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          Bei einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz hat die belgische Polizei 16 Personen vorläufig festgenommen. Das berichtete die Staatsanwaltschaft am frühen Montagmorgen in Brüssel. Der mit internationalem Haftbefehl gesuchte Salah Abdeslam sei nicht unter den Festgenommenen. Vermutlich war Abdeslam an den Pariser Attentaten mit insgesamt 130 Toten beteiligt.

          Es gab 19 Durchsuchungen in mehreren Gemeinden der Hauptstadtregion Brüssel und weitere drei Razzien in der wallonischen Industriestadt Charleroi. Es seien dabei weder Waffen noch Explosivstoffe gefunden worden. Die Polizeiaktion begann am Sonntagabend.

          In der Brüsseler Gemeinde Molenbeek kam es auf der Straße zu einem Schusswechsel. Als ein Fahrzeug auf Polizisten zufuhr, schossen Beamte zwei Mal, so Van der Sijpt. Der verletzte Fahrer flüchtete, wurde aber später von der Polizei gestellt. Ob dieser Vorfall mit den Anti-Terrorermittlungen zu tun habe, sei noch offen. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich nicht näher zu den Festgenommenen und beantwortete mit Hinweis auf laufende Ermittlungen auch keine Fragen von Medienvertretern. Ein Untersuchungsrichter soll am Montag im Laufe des Tages entscheiden, ob Festgenommene möglicherweise in Haft bleiben.

          Terroralarm : Suche nach weiteren Verdächtigen

          Nach einem Bericht der Zeitung „La Libre Belgique“ entdeckten Sicherheitskräfte einen Verdächtigen in der Region der ostbelgischen Stadt Lüttich. Es könnte sich um Salah Abdeslam gehandelt haben, berichtete das Blatt auf seiner Internetseite.

          Der Mann soll mit einem BMW auf der Autobahn in Richtung Deutschland geflüchtet sein, so die Zeitung. Die Autobahn verbindet Lüttich mit Aachen. Die Staatsanwaltschaft berichtete bei ihrer kurzen Darstellung nicht von einem Einsatz in Lüttich. Auch auf deutscher Seite gab es keine Berichte über einen Polizeieinsatz im Grenzgebiet um Aachen.

          Auch nach der spektakulären Polizeiaktion bleibt Brüssel in Alarmbereitschaft. Das Krisenzentrum bestätigte in der Nacht, es gelte weiter die höchste Terrorwarnstufe für die belgische Hauptstadt. Zum Beginn der Arbeitswoche wird deshalb die Metro nicht fahren; Schulen und Universitäten bleiben geschlossen, teilte Belgiens Premier Charles Michel bereits vor der Polizeiaktion mit.

          Ein Linienbus blockiert am Sonntagabend im Zentrum von Brüssel die Straße, Polizisten sichern die Situation ab
          Ein Linienbus blockiert am Sonntagabend im Zentrum von Brüssel die Straße, Polizisten sichern die Situation ab : Bild: dpa

          Stufe 4 bedeute, dass eine „ernste und unmittelbare“ Bedrohung besteht. Michel sagte: „Wir fürchten einen ähnlichen Anschlag wie in Paris.“ Mögliche Ziele solcher Attacken könnten belebte Orte wie Einkaufszentren, Einkaufsstraßen oder der öffentliche Nahverkehr sein. Seit Samstagmorgen gilt die höchste Terrorwarnstufe für Brüssel, im Rest Belgiens gilt weiter die Stufe 3. Auf dem internationalen Flughafen der Hauptstadt werden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, doch der Flugverkehr soll wie üblich laufen.

          Die Sicherheitsmaßnahmen sind laut belgischen Medien beispiellos. In den Straßen patrouillieren Soldaten. In der Hauptstadtregion leben mehr als eine Million Menschen. Brüssel ist Sitz der Einrichtungen der Europäischen Union und der Nato. Die Treffen der EU-Finanzminister und der EU-Bildungsminister werden am Montag wie geplant stattfinden. Auch die EU-Kommission will normal arbeiten.

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